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Der
folgende Text darf für diese Aktion frei verwendet werden, auch auszugsweise,
wenn der Sinn erhalten bleibt. Bei einer Einbindung in eine Homepage bitten wir
um Rücksprache.
Bettina Abramowski, Hameln
Iris Strassmann, Flensburg
2.09.2000
Blindenführhunde und ihre Halter als Opfer von Gewalt
Aufruf zur Mithilfe und Solidarität
Sehr geehrte Damen
und Herren!
Liebe Freundinnen und Freunde!
Wir schicken Ihnen heute dieses erste Information, weil wir ganz dringend noch sehr viele Mitstreiter mit guten Ideen, guten Kontakten, Einsatzbereitschaft und Zivilcourage suchen. Es geht um einen Skandal, der aber leider wegen der besonderen Hilflosigkeit der Opfer nahezu unentdeckt geblieben ist.
An verschiedenen Orten in der Bundesrepublik wurden Blindenführhunde bei ihrer Arbeit oder beim Freilauf, bei dem sie eindeutig als Blindenführhunde gekennzeichnet waren, von Menschen oder deren Hunden angegriffen (z. B. getreten, gebissen), und die Halter/innen wurden beschimpft und bedroht. In einem uns bekannten Fall wurde ein Blindenführhund so oft attackiert und gebissen, dass eine weitere Arbeit als Führhund unmöglich ist. Die Halterin ist so stark verängstigt, dass sie sich kaum noch aus dem Haus wagt, vor allem, weil der Täter ihr noch eine Morddrohung zukommen ließ. Die blinden Halter/innen und ihre Hunde werden akut verunsichert und gefährdet durch solche unglaublichen Aktionen, die u. a. auf die von Medien und Politikern mitverursachte und geschürte Hundehysterie zurückzuführen sind: Reißerische Berichterstattung und übermäßiges „Zuschlagen“ in den eiligst „gestrickten“ jüngsten Hundeverordnungen haben das Ihre zur jetzigen Situation beigetragen, so dass nun auch die allerletzten Tabus fallen: Blinde mit ihren für sie lebensnotwendigen Führhunden sind nicht mehr sicher! Manche von ihnen trauen sich dann überhaupt nicht mehr aus dem Haus, weil sie damit rechnen müssen, dass man ihnen und ihrem Hund auflauert.
Ein besonderer Skandal dabei ist, dass den Blinden manchmal bei der Polizei von einer Strafanzeige abgeraten wird, da eine Strafverfolgung keinen Zweck habe. (Der Blinde kann ja nicht den Täter beschreiben, und Zeugen stellen sich leider selten zur Verfügung). Ohne Anzeige besteht offiziell ja auch kein Straftatbestand, so dass nicht einmal der „Weiße Ring“ mit seinem Opferschutz greift, es sein denn, der jeweilige Mitarbeiter setzt sich persönlich ein.
Unglaublich ist auch, dass z. B. vor dem Hauptbahnhof in Hannover Taxifahrer sich geweigert haben, einen Blinden mit Hund zu befördern! Der Protest der Blindenführhundehalter verlief im Sande, da nach dem Einschalten der Blindenvereinigung jetzt u. a. „Tierhaarallergie“ vorgeschoben wird!
Zu all dem kommt auch noch hinzu, dass die Blindenführhundehalter/innen auch noch Angst haben müssen, dass ihnen ihr Hund beim Freilauf gestohlen werden könnte. (In einem Fall liegt zumindest der Verdacht nahe, weil der Hund erst nach längerer Zeit zurückkam - ohne(!) Halsband.)
Bettina und ich sind keine Juristen, und wir können auch nicht immer vor Ort sein. Deshalb benötigen wir eine Schar von Helfern, auch in den Medien, die es aber wirklich ernst meinen und nicht auf eine schnelle „Sensation“ aus sind, um ihre Auflagen oder „die Quoten“ zu steigern. Und Mut und Zivilcourage sind auch gefragt, da wir hier auch auf Gewalttätigkeiten von Rechtsradikalen stoßen könnten, was in einem Fall nahezu als sicher gilt. Es liegen Tonbandaufzeichnungen von einigen der Betroffenen vor, die bei echtem Interesse zur Verfügung gestellt werden können, und die Bereitschaft mindestens eines Blinden, persönlich Auskunft zu geben und Stellung zu nehmen.
Um nun aber die Opfer nicht noch zusätzlich zu gefährden, werden wir erst dann die Kontaktadressen herausgeben, wenn ein wirklich ernsthaftes Interesse an einer Mitarbeit besteht. Drohanrufe und Morddrohungen (schon geschehen!) sind nun wirklich das Letzte, was die z. T. schon jetzt sehr verunsicherten Blinden gebrauchen können! Wir Sehenden müssen hier auf allen Ebenen helfen, denn wir können z. B. auch auf das Internet zurückgreifen, welches den Blinden und stark Sehbehinderten nur sehr eingeschränkt zur Verfügung steht.
In dieser ersten Info tauchen zunächst einmal nur unsere beiden E-Mail-Adressen offen auf (Bettina und Iris). Wir bitten darum, dass jede/r Interessierte von Ihnen/Euch dieses Mail weiterleitet, wenn er/sie noch engagierte Menschen oder Organisationen kennt. Bitte druckt diesen Text auch zusätzlich aus und gebt ihn an die „Nicht-Internetler“ weiter!
Wir wollen keine Serienbriefe für den Trash/Papierkorb „ irgendwelcher“ Politiker abschicken, die ihre Post vielleicht nicht einmal lesen, sondern wir wollen engagierte Menschen mit Herz erreichen, die dann auch wirklich im Rahmen ihrer Möglichkeiten etwas tun, um dieser Gewalt Einhalt zu gebieten und durch Aufklärung und Erziehung vorbeugend zu wirken (z. B. Lehrer/innen in den Schulen).
Dieser Skandal geht uns alle an, wir alle sind betroffen und müssen handeln! Unsere Aktion soll auch anderen Menschen Mut machen, die von Gewalt betroffen sind.
Mit vielen
freundlichen Grüßen und der Bitte um Mithilfe
Eure
Bettina Abramowski mit Hund Aischa (DSH)
Iris Strassmann mit Hund ERIC (Bobtail)
Hier sind unsere vollen Adressen mit Mail-Adressen:
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Bettina Abramowski |
Iris Strassmann |