Von: Paul Cech
Betreff: Brief an Ö Journalisten
Datum: Mittwoch, 26. Juli 2000 16:29
Liebe Kollegen,
(wenn ich nicht die richtige E-Mail-Adresse gefunden habe - gebt es bitte an
die zuständigen Redakteure weiter - Danke!
seit nunmehr 22 Jahren bin ich als Journalist tätig --> viele Jahre davon
beim "Kurier" - dann als freier Journalist. So "nebenbei"
haben wir 3 Hunde, bin ich bei der "Österreichischen
Rettungshundebrigade" und ist meine Frau Hunde-Trainerin.
In den vergangenen Wochen - seit ein verantwortungsloser Hamburger
Hundebesitzer, der 13x von der Behörde verwarnt wurde (die Behörde schritt
aber nicht weiter ein) und seine auf "Hinterhof-Hundekämpfe"
trainierte Hunde (Wetten!) verbotenerweise frei laufen liess, bis diese Hunde
ein Kind zu Tode bissen - setzte eine Hatz auf _alle_ Hundebesitzer ein, die
unglaublich ist.
Mitgetragen wird diese "Aktion" nicht nur von profilierungssüchtigen
Politikern, sondern leider auch von vielen meiner Journalisten-Kollegen.
Darf ich bitte einiges ins Lot bringen:
- So übliche, kleine Morde werden in "kurz notiert" abgehandelt. -
Sexuelle Übergriffe an Kindern gibt es in den Medien überhaupt nicht mehr -
offenbar hatten die Sommer-Stories der vergangenen Jahre "Wirkung"
gezeigt - es gibt sowas nicht mehr. Oder? Seelisches Leid dieser Kinder war
vielleicht einmal en paar Zeilen wert - heute leiden sie ja nicht mehr
darunter.... oder hab' ich was überlesen?
Bleiben wir noch ganz kurz beim "seelischen Leid": Wenn man Kindern
Hunde wegnimmt, wenn man diese Hunde einschläfert - weil Bürokraten es so
beschlossen haben - dann gibt es auch kein seelisches Leid.... oder?
Und ältere Mitmenschen, die nun auf der Strasse angepöbelt werden - die sind
uns ja auch egal. Deren Hunde hatten doch eh nur die Strassen versch.....
was brauchen diese Menschen einen Gefährten? Einen Hund? Lächerlich! Brauchen
wir noch Blindenhunde? (in Deutschland ab jetzt immer an der Leine), brauchen
wir Rettungshunde (in nur einem Bundesland in D dzt. vom Leinenzwang befreit)?
Aber zurück zu den Hunden - und den Relationen:
Ich zitiere nur ein paar der vergangenen Aussendungen der Aktion "Sicheres
Leben"
Jedes zweite Spielplatzgerät verstößt gegen Sicherheitsnorm. Jedes Jahr
verunglücken in Österreich rund 3000 Kinder beim Spielen mit Klettertürmen,
Rutschen, Schaukeln oder Wippen.
Heuer wieder 300 Menschen nach Bienen- und Wespenstichen im Spital
Jährlich verletzen sich 52.000 Kleinkinder durch mangelhafte
Wohnungseinrichtung
Gefährliche Freizeit: Jährlich 260.000 Knochenbrüche
Staat oder Privat: Wer schützt uns vor 600.000 Freizeitunfällen?
Skihelm könnte jährlich rund 1000 Kindern Spital ersparen
Für Frauen enden Unglücksfälle bei Haushaltsarbeiten mit einem
Spitalsaufenthalt (rd. 75.000).
Ab dem 60. Lebensjahr verunglücken mehr Frauen als Männer tödlich (672). In
diesem Alter sind vor allem Sturzunfälle durch Stolpern oder Ausrutschen
häufigste Ursache tödlicher Verletzungen.
1.000 Spitalspatienten durch Plateauschuhe
1200 Verletzte durch Rasenmäher
Jeden Sommer 40 Knochenbrüche durch Klappstühle
3.000 verletzte Mountainbiker
Tips für sicheres Reiten: Etwa 4.000 mal endet ein Ausritt mit einer Verletzung
Jährlich 1000 Kinder wegen Verletzungen durch Stockbetten im Spital
Demgegenüber stehen:
2.900 Hundebisse (wobei erwiesenermassen auch Bisse von Füchsen, Mardern
& Co als "Hundebiss" gelten). Insgesamt gab es 1998 3.676
Tierbisse - davon 259 im Kopfbereich eines Menschen (egal, ob es sich um eine
Kuh, ein Huhn, einen Falken oder einen Hund handelte). Es gab keine Toten. In
Österreich leben offiziell 545.000 Hunde.
1/5 der Hundebisse hatten als Ursache die "Einmischung" von Menschen
bei Hunderaufereien. (so das Kuratorium "Sicheres Leben").
Noch ein Zitat (1999):
Jährlich werden rund 1000 Kinder von Hunden gebissen
Jedes Jahr beißen Rex, Pluto und Co. rund 1000 Kinder unter 14 Jahren so stark,
daß die Wunden von einem Arzt versorgt werden müssen. Viele dieser Vierbeiner
sind Familientiere, die bis zum Unfallzeitpunkt noch niemanden verletzt haben.
Zu lebensgefährlichen Zwischenfällen kommt es meist durch bösartige oder
scharf abgerichtete Tiere, die schon Menschen angegriffen haben.
Zu Unrecht werden Hunderassen wie Schäfer, Rottweiler oder Bullterrier generell
zu "Beißern" erklärt. An den meisten Verletzungen sind kleinere
Hunde wie Dackel, Terrier oder Pudel schuld. Sie sind in der Regel schlechter
verwahrt und weniger gut abgerichtet als die "Großen" und fühlen
sich auch schneller von Kindern bedroht.
Die wenigsten Bisse sind echte Attacken, sondern meist Warnungen eines gereizten
oder bedrohten Tieres.
-Zitat Ende - "Sicher leben"-
Dazu:
http://www.sicherleben.at/
- Statistiken der Unfälle in Ö + Aussendungen
http://www.oekv.at/Kampfhundseite.htm
- hier besonders der Artikel von Univ.Prof.Dr. Irene Stur
Zum Abschluss noch eine kurze "Story" aus Berlin (von vor ca. 10
Tagen) worüber ich in Ö keine Zeile kesen konnte:
Eine 30-jährige Frau ging mit ihrem braven "Kampfhund" spazieren.
Hund + Frauchen wurden von "Passanten" mit Steinen beworfen. Ein Stein
traf die Frau am Kopf - sie verstarb.
Ich will jetzt nicht länger aufhalten - mit Stories, wie " Hundebesitzer
krankenhausreif geprügelt" (Hamburg), "Bekannter Regisseur mit Pudel
auf Strasse verprügelt", etc.
Wo waren da die Headlines?
In der Hoffnung, dass Sie die Berichterstattung überdenken und das sog.
"Sommerloch" auch im Dienste der Menschen und Hunde benutzen
verbleibe ich mit freundlichen Gruessen
Paul Cech
PS: Solltet ihr irgendwelche Fragen haben - wir stehen gerne rund um die Uhr zur
Verfügung - vermittel auch gerne Gesprächspartner
Mail: p.cech@magnet.at