Von: Maico Schulz
Betreff: Wenn mich der Teufel packt...
Datum: Mittwoch, 5. April 2000 17:29
hiho liebe NG,
Es gibt zwei Zeiten im Jahr - April und Oktober - da ist es als Bewohner meines
Dorfes Stornfels mehr als angebracht, seine Gemüsebeete abzudecken, die Fenster
zu verbarrikadieren und meinen Hof und dessen Umgebung im Umkreis von 500m
tunlichst zu meiden. Nicht, das ich keine Warnzeichen gäbe - ich fahre meinen
Wagen aus dem Hof raus, ziehe meine berüchtigte grüne" Hundehose"
an, dazu einen gammeligen alten grauen Pullover, ferner grinse ich ganz fies und
mies. Denn:
Meine zwei lieben holden Huskies sind mitten im Fellwechsel, und da wird
gebürstet!
Also packe ich meine zwei Fusselmonster ganz lieb und leine sie im Hof an, zucke
die Bürste und den Pferdestriegel, halte meinen Gumminoppenhandschuh parat und
einen riesigen Sack fürs Hundehaar.
Leonid ist kein Problem. Bürsten ist eine Sache, da ist er total begeistert
dabei. Und so sieht der Passant in diesem Falle nur Unmengen an
wildumherfliegender Huskywolle (es sind wirklich Unmengen!!), kann nur anhand
der Dichte der Wollekonzentration erahnen, wo denn der Mensch und sein Hund zu
Werke gehen. Aisha steht derweil weitabseits und buddelt meist in den seitlichen
Grasstreifen nach Getier. Derweil bürste ich Leonid, allein das Fell im Schwanz
stünde manchem anderen Hund als Komplettfell nicht schlecht zu Gesicht.
Interessant ist, das Leonids hintere Flanken gar nicht so nach "viel
Fell" aussehen, dort aber durchaus Wollmengen anfallen, womit man eine
Kompanie Feldbettkissen ausstopfen könnte. Nun, der Sack füllt sich, füllt
sich mit meist weichem, hellen Unterfell. Und etliche Wollballen fliegen doch
durch leichten Wind getragen durch den Hof, mischen sich mit Erd- und
Steinbrocken, die aus dem Loch herausfliegen, an dessem Grund Aisha
zwischenzeitlich ihre Höhlenforschungen fortsetzt.
(Aber wie gesagt, ganz oben steht ja auch deutlich: Fenster barrikadieren!) Ja,
und nach etwa 40 Minuten isser fertig, der Leonid und strahlt und glänzt - wie
neu!
Nun ist Aisha an der Reihe. Ich nehme ihre lange Leine in die Hand und ziehe
nach ihr (man stelle sich vor, man zöge mit einem Seil und Eimer Wasser aus
einem ganz tiefen Brunnen. Nur das dieser Eimer Pfoten hat und sich mit aller
Gewalt wehrt.) Aus dem Loch ist ein leises Grummeln zu hören. Ich ziehe weiter,
das Grummeln wird lauter. Ich ziehe noch weiter, mir steht der Schweiß auf der
Stirn, das Grummeln paart sich mit Kratz und Schleifgeräuschen ihrer Pfoten und
mir wird langsam klar, wie Herr Fischer einst die Dübel erfand. Aber nix da,
ich ziehe weiter nach meiner Aisha, die sich bei jedem Nachlassen wieder 2m von
mir entfernt. Leonid steht inzwischen neben mir und sieht sich das Schauspiel
an, und es dauert wirklich lange, bis ich Aisha endlich bei mir habe. Ich halte
sie fest, suche nach der Bürste, die liegt natürlich etwas abseits, ich bücke
mich nach der Bürste, und: Aisha entwischt mir und stürzt sich wieder auf ihr
Loch. Ich also die Bürste wie ein Messer zwischen die Zähne, mit beiden
Händen die Leine umpackend und Aisha mit Leibeskräften vom Loch wegzerrend.
Man sieht sehr deutlich die Krallenspuren auf den Pflastersteinen vom Loch bis
zu mir - und ich meine, Qualmwolken an den Krallenspitzen von Aisha zu erkennen.
Ich zucke meine Bürste, und aus Aishas Blick erkennt man ganz deutlich, das sie
mich momentan fast hasst: "Das kann nicht dein Ernst sein!". Isses
aber, und ich mache mich ans Bürsten. Hier wird das ganze richtig zur Arbeit.
Will ich Aishas Flanke bürsten, legt sie sich demonstrativ auf die zu
bearbeitende Seite. Will ich ihren Schwanz bürsten, dreht sie ihren Arsch stets
von mir weg. Will ich ihre Schultern bürsten, dreht sie mir ihren Arsch zu. Man
braucht bei ihr halt 5 Hände... Zudem bürste ich nicht nur Fell, sondern auch
Erdreich aus ihr heraus.
Aber auch hier, nach etwa 60minuten ist Aisha fertig, und sie kann mit Leonid um
die Wette strahlen. Ähem..
..Leonid ist im Loch und buddelt. Meine Nerven liegen blank. Aisha entgeistert.
Mein Hund! Ihr Loch! Ich schnappe mir Leonids Leine und ziehe nach ihm, und was
ziehe ich da aus der Grube? Einen matschigbraunen, mit Erdballen versüfften
Leonid. Der vor nicht mal einer guten Stunde noch sowas von gepflegt und sauber
war... Ich packe beide, zerre sie zum Auto, setze sie in den Kofferraum und gehe
zu meinem Hof - diesem Schlachtfeld aus Hundehaar, Gestein und Tiefenbohrung -
den Tränen nah...
so weit - eine teilweise etwas überzogene, teils wahre Geschichte erzählend
Maico
--
keep your dogs happy...
...and mush