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Der "Held der Berge"

Eine symbolische Geste setzte die "Rheintalflug" in Zusammenhang mit der "Kampfhunde"-Diskussion. Sie lud einen südburgenländischen "Flachland"-Rettungshund in die Berge der Voralpenregion Bludenz ein - und dort wurde er zum "Held der Berge" gekürt.

Text und Fotos: Paul Cech

 

Geoffrey ist ein Hovawart - und stets der "allerärmste" Hund. Jedenfalls vermutet man es bei seinem treuherzigen Blick. Genau so schaute der Vierbeiner, als er am Wiener Flughafen von den meisten Leuten in sicherem Abstand beäugt wurde: "Großer, schwarzer Hund!" Also rauf mit der knallgelben Kenndecke mit dem rot-weiß-rotem Kreuz - und plötzlich war er ein liebenswerter Hund der "Österreichischen Rettungshundebrigade / Staffel Güssing". Leute streichelten ihn, andere fotografierten - und dann kam ein junger Inder mit seiner 3 Jahre alten Tochter an der Hand und fragte freundlich, ob sein Kind diesen "Killer-Dog" streicheln dürfe. Schließlich hatte sie noch nie einen Rettungshund gesehen. Klar durfte sie. Und Geoffrey wälzte sich mitten in der Abflug-Halle am Rücken - freute sich - ließ sich kraulen. Wäre er eine Katze, so hätte er geschnurrt.

Beim Security-Check wurde Geoffrey wieder "abgetätschelt" - nicht, um zu spüren, ob er Waffen schmuggelt, sondern einfach, weil sich die netten Beamten über die vierbeinige Abwechslung freuten. Und dann erst im neuen Jet der "Rheintalflug"! Die ganze Crew - inklusive Pilot - begrüßte ihren außergewöhnlichen Gast. Die Streicheleinheiten waren bedeutend mehr, als er sogar nach einer bestandenen Rettungshunde-Prüfung bekommt.

In Altenrhein/St. Gallen springt Geoffrey dennoch erleichtert als erster über die Gangway hinunter, sucht die nächste Wiese - und schnüffelt, als wäre bisher alles ein normaler Spaziergang gewesen.

Doch die Arbeit in den Bergen rund um Bludenz ruft! Schmale Gebirgs-Bächlein, kleine Schluchten, Felsen, Wäldchen... Geoffrey mußte rettungshunde-mäßig trainieren. Seine Nase einsetzen, suchen - und die "Opfer" waren diesmal keine feschen Stewardessen, sondern "zünftige Männer", die sich unter Latschen oder hinter kleinen Felsen verstecken mußten. Ein Training für den Ernstfall, wenn es um vermißte Menschen geht, die oft nur dann überleben können, wenn sie eine Spürnase der "Österreichischen Rettungshundebrigade" rechtzeitig findet.

Aber dann. Ja! Dann ging's zur Entspannung los! Rauf auf die Almen, die in Vorarlberg "Alpen" heißen" - freies Laufen, Spiel, Spaß. Und weil's da oben so schön ist, hat der Josef Morik vom Top-Campingplatz in Nenzing, eine "gonz, gonz liabe G'schicht" erfunden: Jeder Hund, der mit seinem Herrchen/Frauchen eine gewisse Anzahl von Stunden wandert, bekommt in einem eigenen Hundepaß Stempel in Knochenform. Ab 20 Stempel wird der Hund mit einer Medaille geehrt: Zum "Held der Berge".

Geoffrey wedelte vor Freude, als er das hörte. Unseren 83-jährigen Bergführer, den Pepi, hat er gleich am ersten Tag abgeschleckt ("Geoffrey! Nein! Geoffrey! Hör' auf!" - "Ah geh' loß ihn, is jo a liaba Hund!"). Erste Station: Der "Nenzinger Himmel" - und jeder, der schon dort oben war, weiß auch warum. Himmlisch!

Die Leine ist gleich weggepackt. "Tschofferl", wie der "allerärmste Hund" liebevoll genannt wird, düst seine Runden. Die Schlappohren "fliegen". Der Schwanz wedelt. Absolutes Hundeglück!

Endlose Wiesen. Rundherum Berge mit Schnee in den Mulden. Menschen, die sich freuen, wenn sie einen fröhlichen Hund sehen. Kinder spielen zwischen Blumen und Bächen. Kühe. Almhütten.

Nur einmal kam "Tschofferl" schier bedrückt: Wir stapfen gerade in der prallen Sonne und mit Rucksack einen Wiesen-Hang hinauf. Geoffrey ist sichtlich heiß. Ganz unten im Tal - so 300m steil bergab - rauscht glasklares Trinkwasser. Was für ein inbrünstiger Blick von einem Hund! Ich kenn' ihn ja, den Buam. Der Blick sagte: "Chef! Mir ist in meinem schwarzen Pelzmantel irr heiß! Da unten ist ein Bach. Hmmmmm!!!???? Ich nicke. Er zischt ab - wird nach 50 Metern wird er unsicher, denn eigentlich darf er nicht soweit weg. Geoffrey bleibt sitzen - dreht sich um, schaut: zur Sicherheit nochmals fragend: "Chef???? Alles OK?" Nicken vom "Chef". Und ab geht die Post!!!!! Platsch - rein ins glasklare Wasser. Volles Untertauchen. Kühle. Freude!

Nach wenigen Sekunden ist er pitsch-naß wieder da und schaut uns alle entgeistert an: "Heee! Wieso geht ihr nicht auch baden???"

Aber wir bleiben alle "hart": Rauf auf den Berg - zur Alpe Setsch und dann zum Hirschensee. Weite Alpen, wo jeder Hund auch in Entfernung gesehen wird. Leine? Gibt's nicht! Nur Laufen. In der Wiese wälzen. Mit Leuten spielen. Ein paar Kühe begrüßen - und dann wieder "unten" im Nenzinger Himmel - der Zither-Spielerin zuhören.

Tschofferl war angetan von den Klängen, sprang auf die Bank, lauschte den Tönen und beobachtete das Fingerspiel der Wirtin. Da vergaß er sogar die feschen Hündinnen und die paar Rüden rund um sich. Er wedelte mit dem Schwanz - naja: zwar nicht im Takt - aber immerhin vor Freude.

Am Abend drehen wir noch eine Runde durch das liebliche "Städtle" Bludenz. Weit und breit kein Wasser für den Hund. Also rein mit ihm in den Nepomuk-Brunnen mitten in der Fußgeherzone. Er genießt das Bad in der Menge. Leute bleiben stehen. Lachen. Freuen sich. Freuen sich mit dem Hund, der pritschelnaß wieder rausspringt und - sich beutelnd - ein paar Liter Wasser an die Umstehenden verspritzt.

War da nicht einmal eine Diskussionen über Vorschriften? Mit Maulkörben, die die Hunde schon allein deswegen aggressiv machen, weil sie nicht schnuppern, riechen, Kontakt aufnehmen können? Oder das mit den kurzen Leinen, die jegliche Sozialisierung von Hunden unterbinden?

Naja. Mit dem Maulkorb hat Geoffrey auch so seine Erfahrung. Am nächsten Tag geht's nämlich von der wunderschönen Ortschaft Sonntag im Großen Walsertal mit der Seilbahn auf den Berg. Viele Touristen. Viele Kinder. Kleine Kinder. Klar doch, daß auch ein Rettungshund - sicher ist sicher - einen Maulkorb bekommt. Die Gondel kann schaukeln. Ein Kind kann in der Enge auf den Hund steigen. ...

Bin ich jetzt ein Tierquäler? Manche Leute schauen mich so an. "Der arme Hund!" Tschofferl gefällt sich in der Märtyrer-Rolle. Nix da! Sicherheit muß sein! Ein (deutscher Touristen-)Vater mit ein paar Kindern meint: "Ich find' das toll! Sie sind der Erste, der mit seinem Hund auf andere Rücksicht nimmt".

Einerseits freu' ich mich über das Lob - andererseits ärger' ich mich über meine vielen, vielen Hunde-Freunde, die offenbar manchmal nicht überlegen, daß es noch andere Menschen "außer uns Hundianer" gibt. Leute, die vielleicht vor Hunden Angst haben - gerade in der Enge einer Seilbahn-Gondel. Oder in einer belebten Straße.

Raus aus der Gondel - rauf auf die Alpe Oberpartnom: Geoffrey rennt auf und ab, wälzt sich - kommt wieder zu uns - umkreist uns fröhlich laufend. Er setzt sich hin - und schaut ins Tal. Er springt. Der Schwanz wedelt. Die Ohren wippen auf und ab - und Hugo (unser heutiger Bergführer) bleibt begeistert stehen: "Schaut's Eich den Hund an! Wie sich der g'freit!!! Der lacht richtig!"

In der Tat sitzt Geoffrey immer wieder vor uns am oder neben dem Weg. Er hat das Maul offen. Die Zunge hängt ihm zum freudigen Hecheln raus. Mit dem Schwanz klopft er freudig auf den Alm-Boden. Er grinst. Nein! Er lacht!

Am Abend bekommt er von Josef Morik und seiner Nichte Michaela für seine Leistungen im Blockhaus des Campingplatzes Nenzing seine Medaille umgehängt. Geoffrey ist nun "Held der Berge". Von dem "großen schwarzen Hund" gibt es dafür für den Chef des Platzes einen großen feuchten Zungen-Schleck über das Gesicht. Und der entpuppt sich als echter "Kampf-Mensch" - er kämpft mit den Lach-Tränen.

Wieder rein in den Flieger - Fernseh-Pater Paterno sitzt neben uns, streichelt kurz den Hund und meint zur sommerlichen Hunde-Diskussion: "Da sieht man halt, was der Mensch auf dieser Welt alles mißbraucht - auch Hunde....". Womit wir dennoch viele lustige Hunde-Geschichten aus unserem Leben austauschen.... bis unter uns Wien liegt und der Jet kreist. All die sogenannten Argumente - für und wider Hunde - kehren ins Gedächtnis zurück. Nur eines bleibt bei Geoffrey und seinem "Chef" sicher haften: Schöööön war's in der Alpenregion im Ländle.

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