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Von: Emsie
Betreff: Guten-Nacht-Geschichte für Katzis ... lang ...
Datum: Samstag, 16. Oktober 1999 11:19
Märchen für Katzis ;)
wenn ich, wie weiland Kevin ;), menschengesellschaftsmäßig gesehen
allein zu Haus bin und ins Bett gehe, in dem mein Fiedje-Katerchen
natürlich schon liegt und pooft ;)) ... auf der aufgeschlagenen Bettdecke
logo, muss ich mir entweder die Wolldecke holen oder sanft an derer
Zudecke ziehen, um ein Stückchen frei- und abzubekommen. Dann steht er
zumeist kurz auf, räkelt sich (ich krieg dann genügend Decke, zupf zupf
;))) und er sucht sich mittels Milchtritt ein neues Plätzchen, dichte bei
;)) . Entweder lese ich dann noch - etwas Schönes, nicht gerade den
Spiegel oder so oder aber ich mache das Licht aus, lasse meine Finger mit
seinem Köpfchen und in seinem Fell spielen und erzähle ihm eine
Katzi-Gute-Nacht-Geschichte, er liebt meine Stimme und mag das sehr ...
und wir schlafen derweil meist ein:
--------------------------
Du und ich, wir liegen hier im Dunkeln. Alles ist still. Aber siehst du,
wie die Wand durchsichtig wird und hörst du das leise Summen?
Durchsichtiger und durchsichtiger wird die Wand und ist auf einmal
verschwunden. Ein Windstoß fährt durch dein Fell und mein Haar - doch
wir sind nicht ängstlich. Alles muss so sein. Ich ziehe die Decke etwas
mehr um mich herum, weil mich fröstelt - und dich ein wenig dichter an
mich heran, beschützend.
Dann werden wir hinausgesogen, wir liegen auf weichem Untergrund, obwohl
nichts zu sehen ist. Über uns Millionen Sterne und unter uns Tausende von
Lichtern. Dann ist es, als ob der Wind uns nicht mehr trifft und wenn wir
genau hinsehen, stellen wir durch Lichtspiegelungen fest, dass wir uns in
einer Luftblase befinden, die unsere Zudecke und uns umschließt. Wir sind
im freien Raum und können überall hin, wir sind schwerelos.
Keine Entscheidung wird uns abverlangt. Die Blase weiß, wohin sie uns
bringen soll. Ins Reich der Katzenmenschen. Wir sind sooo müde ...... wir
schlafen ... oder auch nicht ????
Weich landen wir, wir wissen nicht wo, wir waren gerade eingenickt. Oh je,
nun wissen wir den Weg hierher wieder nicht - wir wollten doch dieses Mal
bestimmt aufpassen. Doch das ist nicht wichtig. Es wippt ein wenig.
Gleißende Sonnenstrahlen treffen uns und wecken uns vollends auf. Wir
schauen uns um und erheben uns, doch als wir uns umsehen, können wir
unsere Körper weiterhin tief schlafend unter unserer Zudecke sehen.
Merkwürdig, doch egal - wir schauen uns in die Augen - und deine grünen
verschmelzen mit meinen blauen zu blaugrün. Und dein grauweißer Pelz mit
meinem blonden Haar zu einer Einheit ... ich schrumpfe ... du wächst ...
mir wächst ein Fell, auch im Gesicht, meine humanoiden Gesichtszüge
werden durch feline Details verändert. Deine felinen Gesichtszüge durch
humanoide. Wir schauen uns an und auf einmal verstehe ich, was du sagst,
im Detail. Du sieht aus wie ich und ich wie du - wir sind wie Geschwister.
Du kommst auf mich zu und wir heben unsere Vorderpfoten für eine kurze
Umarmung. Merkwürdig und gewöhnungsbedürftig. Dennoch ist in mir das
Menschliche stärker und in dir das Kätzische. Wir sind auf Kametra, dem
Katzenmenschentrabanten....
Unsere Charaktere haben sich nicht verändert. Du bist der Führer ... und
als du dich unvermittelt umdrehst und davonrennst, folge ich dir. Das ist
ein so anderes Laufen und Rennen, als ich es gewohnt bin. Es kommt darauf
an, sich versteckt zu halten. Wir schlagen Haken und die üppige
Vegetation des Ortes, an dem wir uns befinden, dient uns als Tarnung. Ich
will bei dir sein und fürchte mich allein .... du bist völlig furchtlos.
Mit bebenden Nasenflügeln bleibst du auf einer Anhöhe stehen. Ich setze
mich neben dich, außer Atem, um mich anzulehnen. Wir schauen gemeinsam
hinunter in ein flaches Tal und erkennen weitere Katzenmenschen. Sie
bewegen sich in kleinen Gruppen ... und wir beide wissen, das sind
Familien.
Die Dosis und Dosinen sind durch die wesentlich fahlere, durchscheinende
Färbung gut zu erkennen. Dort ist ein Dosi, allein mit vier Katzis. Er
dachte wohl bisher, er wäre der Boss und wird nun eines Besseren belehrt.
Dort sehen wir eine Dosine, die sich ihrem Kater anzupassen versucht. Da
vorn, oh wie wunderbar, ein sich soo sehr zugetanes Dosipaar mit drei
Katzis, alle ein Herz und eine Seele.
Du schaust mich nicht an, das ist nicht deine Art und auch nicht
notwendig. Das Beben deines warmen Körpers sagt mir, was du dir
wünschst. Wir wollen dabei sein. Wir wollen spielen, jagen ....mit den
anderen.....
Wir laufen den Hügel hinunter ins Tal .... gemeinsam, auf ein stummes
Kommando hörend. Das Tal ist wundervoll. Ein Paradies. Auf einer Wiese
jagt eine Diana-Dosine mit ihrem sanften, aber wehrhaften Kater Mäuse.
Und sie sind wild ... und sie sind gut ... und es ist eine reine Freude...
Du bist wie gebannt. Schwankst zwischen allem, was hier geboten wird. ..
du schaust dich um und siehst in meine Augen. Und kommst zu mir. Sanft
stupsen unsere kurzen Nasen aneinander. Wir sind fasziniert. Ich kann
nicht töten und ich mag keinen Schmerz zufügen .... und du verstehst ...
Wir wählen die Schmetterlingswiese. Bunte Schmetterlinge flattern hier
herum. Es ist wunderschön. die Blumen und der Duft ... spielerisch, wie
Kätzchen, versuchen wir, die bunten Dinger zu erhaschen. Immer wieder
aber jagen wir einander. Bunt ist die Wiese und ein klarer Bach führt
mitten hindurch. Wir angeln nach den silbrigen Fischen - die
Sonnenstrahlen narren uns. Wir müssen nichts fangen, denn wir sind nicht
hungrig...
Dann ist es Zeit, heimzukehren ... in unsere verlassenen terrestrischen
Körper. Wir wissen es. Woher?? Das hier ist ein Märchen .....
Emsie und Fiedje, Oktober 1999


Von: Emsie
Betreff: Fiedje: Kametra-Poem ;)))
Datum: Samstag, 23. Oktober 1999 12:48
KAMETRA - der Katzenmenschentrabant .....
(warum Katzis sich wünschen, dass ihre Menschen
auch mal mit ihnen gehen ..... überall hin ... usw. ..;))))
W a r u m n u r ...
kommst du nicht mit mir..
das ist doch nicht richtig...
W a r u m n u r ...
ist dir das Revier...
gar nicht w i r k l i c h wichtig ...
W a r u m n u r ....
bist du nicht wie ich...
lässt mich alleine gehen...
W a r u m n u r ....
und d a s frag´ ich dich...
kannst du´s nicht verstehen...?
W a r u m n u r ...
muss ich stets allein...
w i l d e Mäuse jagen...
W a r u m n u r ... *seufz*
... aber, Dosi mein...
ich will mich nicht beklagen... :(
W a r u m n u r ...
sind feline Wesen...
einzig draußen und vor Ort ...
W a r u m n u r ...
und du wirst d a s l e s e n ?!!...
bleibst du im Dosi-Hort??
W a r u m n u r ...
kommst du nicht mit m i r ...
ich könnt´ dich vieles lehren ...
W a r u m n u r ...
schließt sich dann die Tür ...
die Rückkehr zu verwehren ...
W a r u m n u r ...
ich würd´ soo gern spielen...
g a n z allein mit dir ..
W a r u m n u r ...
sind wir in den Zielen...
n u r Mensch und n u r ein Tier...???
Fiedje, Oktober 1999


Von: Emsie
Betreff: Fällt mir nix zu ein...
Datum: Mittwoch, 27. Oktober 1999 22:19
Fiedjes Hommage an den, nach 250 Jahren nunmehr Verteufelten, GOETHE:
FLURKÖNIG
Wer schleicht da früh morgens
durchs Treppenhaus,
das ist der Kater
der will jetzt hinaus....
"He Kater, Kater", sieh mich mal an,
es darf doch nicht sein, was nicht sein kann,
du willst doch nicht an diesem Morgen,
deiner Dosi verursachen richtige Sorgen?
"Du, Dosi" - das verstehst du nicht -
da draußen graut das Morgenlicht.
Ich muss hinaus - vielleicht auch jagen..
Es geht um Ehre - nicht um den Magen.
"Mein Kater, mein Kater", so bleib´ doch hier,
ein Recht auf Leben hat jedes Getier.
Sei ruhig, ...liebe Dosi ..., - mich ruft die Natur
Wiese, Tannen, Feld und Flur....
Es whispered aus Bäumen und aus dem Wind,
hallo, liebes Katerkind,
alles soll so fein für dich sein -
so stolz auf dich sind die Kätzelein.....
"Dosi, Dosi" und siehst du nicht dort,
den fluglahmen Vogel am dämm´rigen Ort.
"Fiedje, Fiedje": Der wird wieder fly...
wir werden ihn retten - doch vorbei ist vorbei.
Ich liebe dich "Dosi", mich reizt dein Duft,
und bist du nicht willig, markier ich die Luft.
Ich hab´ keine Angst - nur d u wirst leiden..
bist du doch unfähig, mich zu meiden.
Der Dosi grauset´s, sie wär´ gerne fort,
doch diese Welt ist World-einzigster-Ort,
so fügt sie sich drein.....wie soll sie auch sein...
in dem geheimen World-Katzen-Tort...
Fiedje, August 1999


Von: Emsie
Betreff: Katzis haben spart viiel Geld .. ;))
Datum: Samstag, 30. Oktober 1999 11:25
KATZIS HABEN SPART VIIEL GELD ;))
Alsoooo ... ihr Lieben ...
Katzis haben, spart doch auch viel Geld, das muss ja nun auch mal gesagt
werden. Schon alleine, was man alles n i c h t anschaffen
muss, z. B.
- Wärmflaschen
- Plüschtiere
- Waschlappen
- Wecker
- Buchstützen
- Fitnessgeräte
- Rheumadecken
- Dekos für die Fensterbänke
- Fliegenfänger
Außerdem:
- ab und an gibt´s per Milchtritt ´ne kostenlose Massage
- wenn man auch nur´n büschen sammelt, kann man sich nach jedem
Fellwechsel einen Pullover stricken
- teure Psychologen-Beratung entfällt
- dann auch noch Hilfe beim computern ... jawohl!!!
- und bei der Hausarbeit .... mhmhmm!!
- Ernährungsberatung for nothing (...das kann man nicht essen, Dosine ...
frag´ mich man nur ...)
Fällt euch doch bestimmt noch mehr zu ein???!!!
Grüße von Emsie
(mit ihrem haushalterisch äußerst ökonomisch zu sehenden Revierkater
Fiedje)


Von: Emsie
Betreff: Fiedje, der Fremdsprachenkorrespondent ...
Datum: Donnerstag, 4. November 1999 20:52
I h r M e n s c h e n d a d r a u
ß e . . .
merket und passet vor allem auf ... denn das Wort "errare humanum
est" kommt schließlich nicht von ungefähr.
Ich, Fiedje/Revierkater, habe mir die Mühe gemacht, eine
Übersetzungsliste human-felin zu erstellen, wie von Susanne (die bei
Tango wohnen darf ;)) eingefordert, denn *seufz*, ein Bedarf scheint zu
bestehen .... und ich bitte meine verehrten Katzenkollegen, dabei
mitzuarbeiten und evtl. Ergänzungen vorzunehmen ... es gibt schließlich
gegendenspezifische Dialekte....
...betonen möchte ich noch, dass die vollständige Liste "The
meaning of meow" copyright by Kronos ist, nur für den menschlichen
Verstand vielleicht etwas zuuu ... genial aufgebaut ist ...;))
1. Dein Katzi sitzt vor gefüllter Futterschüssel, schaut Futter an und
dann wieder dich .. und Futter ... und dich, meint: "Dosi(ne), das
kann man nicht essen, das schmeckt gaar nicht. Gib mir was Neues."
2. Dein Katzi beißt dich ein bisschen, meint: "Du bist meine/r
liebsteste/r Dosi/ne...:))"
3. Dein Katzi rollt mit seinem Bällchen, meint: "Spiel mit mir, du
faule Kruke."
4. Dein Katzi kratzt früh morgens am Teppichboden vor deinem Bett, meint:
"Steh doch bitte auf und fütter mich und lass´ mich ggf.
raus."
5. Dein Katzi rennt vor Besuch weg und schaut dich von der Diele aus an,
meint: "Schick diese Leute weg, ich will die hier nicht haben!!"
6. Dein Katzi kommt bei Besuch angelaufen und setzt sich bei euch hin,
meint: "Hmmm, netter Mensch, darf mich kraulen."
7. Dein Katzi macht bei Besuch einen Buckel, streckt sich kurz und
stolziert langsam gen Wohnungstür, meint: "Ach die schon wieder,
langweilig. Ich geh´ mal draußen nach dem Rechten seh´n."
8. Dein Katzi reibt sein edles Haupt in deiner Hand und an deinem Bein,
meint: "Du bist in Ordnung - ich mag dich sooo gern."
9. Dein Katzi wird von dir auf den Arm genommen und sagt dann:
Maaaaouuu,meint: "Ok, aber lass´ mich jetzt wieder runter."
10. Dein Katzi verharrt in einer Stellung und schaut dich mit großen
Augen an, meint: "Was? Ich versteh´dich nicht. Erklär´ mir
das."
11. Dein Katzi reagiert nicht auf dein Rufen und deine Aufforderungen,
guckt dich nur an ohne eine Regung, meint: "Ich weiß zwar, was du
willst. Will ich jetzt aber nicht. L*** mich am A****...;))"
12. Dein Katzi haut dich mal kurz mit Pfote und sagt evtl dabei: Maao,
meint: "Nun ist genug, lass´ mich in Frieden. I warn you."
13. Dein Katzi kommt angerannt wie ein Springteufelchen, wenn du
heimkommst und stupst dich, meint: "Juhuuu, Dosi/ne ist wieder da.
Ich freu´ mich ja soooo...."
Das hier ist ein Anfang ... denn ich sage euch, alle felinen Dialekte
kenne nicht einmal ich, Fiedje, der Revierkater schlechthin .... redet mit
euern Menschen und klärt das ab ... es wäre ja sooo wichtig ;)))


Von: Emsie
Betreff: Fiedje, der Parkplatzeinweiser .. :) und :((
Datum: Donnerstag, 25. November 1999 22:33
Fiedje, der Parkplatz-Einweiser ...;))...und auch :( ....
... komme ich zurzeit heim, ist es i m m e r schon gaanz dunkel. In der
Regel habe ich Fiedje so gegen 14 Uhr (ganzschnellheimgefahren)
rausgelassen und komme gegen 19/20/21 Uhr nach Hause.
Nun müsst ihr wissen... das ist eine Wohnanlage mit Eigentumswohnungen.
Hinter dem Gebäude: Tannen, Rasen, Wiese, Kinderspielplatz (ein Ärgernis
zwischen Kinder- und Katzibesitzern ... versteh´ ich die Kinderbesitzer
aber sehr ... aber was soll ich machen??? ... und die Kinderbesitzer haben
schon gesagt, gegen Fiedje kann niemand was haben, weil ´ne Menge von den
Kindern auch Emsie- und Fiedje-Friends und -Sympathisanten sind ;))) ...
... aber vor dem Gebäude ....... grooßer Parkplatz ... mit Durchfahrt zu
weiterem Gebäude mit Tiefgarage.
Alsooo, Fiedje hält sich wohl einen Großteil seiner Revierkater-Time
hinten auf und pflegt Kontakte. Aber wenn er denkt, Emsie könnte ggf.
jetzt heimkommen, wartet er vorne, auf dem Nebenparkplatz, falls der PKW
da schon steht unter demselben ... ansonsten im Gebüsch... auch am
Parkplatz vorhanden :)...
Alsoo, Emsie kennt das Spiel schon, fährt auf Parkplatz immer mit
Fernlicht. Fiedje springt vor das Auto: "Na endlich, das wird aber
Zeit. Hierher ... da rein..." rennt zurück in Parklücke. Emsie
rückt zentimeterweise vor. Fiedje, mitten auf Parkplatz: "Hiiierher..."
Emsie wieder zentimeterweise vorgerückt. Emsie hat eingeparkt und steigt
aus. Fiedje kommt an: "Mauuuu ... wird Zeit ... warte schon soooo
lange..." Emsie begrüßt erfreut Fiedje: "Scheißwetter heute,
Katerchen ... hab´ dir auch was mitgebracht ..;))) ...
Einkäufe ausgeladen und ab-in-die-wohnung-im-ersten-stock ...
... und dann fein rumschmusen und Feierabendgestaltung in jeglicher
Richtung und soooo ...
Bin ich verantwortungslos? Fiedje wird 2000 fünf Jahre alt ... er wohnt
seit November letzten Jahres bei mir .. und das ist sein Revier....
seitdem er ganz klein war....
Wie auch immer ... ich könnte ihm nichts abschlagen ... ich vertraue dem
Schicksal, dass meinem wirklich sehr geliebten und verwöhntem Kater nix
passiert ...
eure Emsie


Von: Emsie
Betreff: CHRISTKATZ´ - Fiedje zum 1. Advent 1999 :-)
Datum: Samstag, 27. November 1999 15:40
CHRISTKATZ´
Denkt euch, ich habe die Christkatz´ geseh´n,
sie kam aus dem Walde,
das Fell voller Schnee,
mit rotgefrorenem Näschen,
die kleinen Pfötchen,
die taten ihr weh,
denn sie trug einen Sack,
der war gar schwer
und schleppte und polterte hinter ihm her.
Was drin war, möchtet ihr wissen?
Nix Naseweise und Schelmenpack,
ich erzähl euch jetzt mal
was drin ist im Sack ;))
Katzenminze und Markenkonserven
und ein Kratzbrett
zum Krallenschärfen,
Viele Leckerlis und Bällchen
und auch Katzi-Karamellchen...
Fellmäuschen noch außerdem
und ein Katzbett, superbequem.
Eine Angel mit Federn dran,
womit man so fein spielen kann.
Ein riesengroßer Kratzbaumtraum
ganz oben seh´n uns die Dosis kaum.
Hühnerbrust und Joghurtsorten,
konnte ich da auch noch orten.
Ein Aquarium als Katzi-TV,
ein Vogelhaus für die Vogelschau.
Katzentunnel und Höhlenverstecke
und eine Kopie von Beuys Fettecke ;))))
Drum, ihr Katzis, hört mal her,
ich bin ganz sicher, es weihnachtet sehr ;))))))))
Fiedje, zum 1. Advent 1999 ...
*gewidmet Forrestinchen aus der Schweiz ...
die so bezaubernd fusselt ...;)))*
---------
PS: Ihr Katzi-Kumpels und -Kumpelinen da draußen,
hat noch wer von euch die Christkatz` erspäht ...
und ist da vielleicht n o c h mehr drin ...
in dem Sack ...?????


Von: Emsie
Betreff: Altersstatistik Dosis/Dosinen, vorläufiges Ergebnis ;))
Datum: Dienstag, 30. November 1999 16:41
Altersstatistik Dosis/Dosinen, vorläufiges Ergebnis ;)))
Also, nach den zahlreich eingegangenen Antworten auf Markus Posting ist
mir persönlich Folgendes jetzt ganz klar:
1. Dosinen
Die typische erwachsene Dosine ist zwischen 16 und 88 Jahren alt,
hochintelligent, eloquent und rhetorisch bewandert, großzügig,
liebevoll, hat Kinder oder nicht, kennt sich hervorragend mit
Computertechnik aus und ist natürlich nebenbei noch bildschön ...;))))
2. Dosis
Der typische erwachsene Dosimann ist zwischen 16 und 85 Jahren alt (die
sterben eher, die Dreibeine ;)), liebevoll, erfolgreich, tolerant,
zärtlich, ist entweder schon Vater oder noch nicht, auch er ist relativ
intelligent ;))), kommt ganz gut mit dem PC klar und ist...natürlich.....
S E X I
...!!!;)))
3. Die Katzis und Katers
Die Katzis und Katers sind in der Regel zwischen 0 und 35 Jahren alt (35
ist lt. Spiegel das dokumentirte Höchstalter für Katzis) und das
Typische an ihnen ist eigentlich, dass es nichts Typisches an ihnen gibt.
Sie entziehen sich im Grunde jeder Einordnung. Evtl. könnte man noch
sagen, dass sie alle eines gemeinsam haben: Sie sind die Creme der Erde,
ihren jeweiligen Dosis
und Dosinen in jeder Hinsicht weit überlegen und sie werden, da nicht mit
dem Jahr-2000-Problem behaftet, am 01.01.2000 um 00.01 Uhr die
Weltherrschaft übernehmen ...;)))
Emsie (Fiedje pennt und Christian kommt gegen 21.00 Uhr .... und morgen
gehen wir alle in das Pferdemusical Zauberwald ... außer Fiedje, der
wollte sich Hitchcocks Klassiker "Die Vögel" auf Video angucken
;))


Von: Emsie
Betreff: Katzenfeindlicher Besuch - was tun? ;)
Datum: Donnerstag, 2. Dezember 1999 23:27
Wie man Leuten ohne Katzen (und ohne Benimm) auf die Nerven geht
...;))
Ein jeder von uns kennt das Problem. Es gibt auf dieser Welt, frau/man
fasst es nicht, Menschen, die nicht von den göttlichen Katzis gefesselt
sind ... *ohneverständnisguck*. Die sich, jaja, glaubt es mir, von
simplen Allergien, die ja teilweise auch uns plagen, davon abhalten
lassen, bei einer Katze zu wohnen .... ;))
Nun ... letztere, Allergiegeplagte, kann frau/man ja noch verstehen (da ja
tolerant).... aber da gibt es auch diiieese...
1. "Findest du die ganzen Katzenhaare nicht eklig?"
Antwort zu 1.: "Eigentlich ja, soll ich ihn mal kämmen? Dann siehst
du, dass man da gar nix gegen tun kann. die fliegen dann nur so ..."
*eilfertigweglaufundkammhol* ...hähähä
2. "Wie oft saugst du eigentlich?"
Antwort zu 2.: Mein Staubsauger ist kaputt .... *eilfertigweglaufstaubsaugerbeutelausstaubsaugerrausnehmen*
... Besuch unter die Nase halten: "Woran liegt das nur?" *unschuldiguck*
... hähähä
3. "Iiih .. da sind Katzen-Fußspuren auf dem Tisch!!!"
Antwort zu 3.: "Das war nicht mein Kater, das war der von
nebenan.." *schnüffelschnüffel*: "Der markiert hier immer
alles..." ... hähähä
4. "Naja ... und in Urlaub fahren kannst du ja nun wohl auch nicht
mehr spontan..."
Antwort zu 4.: "Nächsten Monat sind wir wahrscheinlich nicht da. Wir
haben bei einem Preisausschreiben in der Zeitschrift "Geliebte
Katze" einen Zwei-Wochen-Trip in die Karibik gewonnen ... die
Betreuung für Fiedje während dieser Zeit ist mit drin .."
...hähähä
5. "Viecher würden miiir nicht ins Haus kommen..."
Antwort zu 5.: "Im vorvorletzten Spiegel stand, dass Leute ohne Tiere
zu 80 % wahrscheinlicher ganz früh Alzheimer-gefährdet sind ...
sag´ mal, warum hast du mir immer noch nicht auf meine Frage im Telefonat
von vorgestern geantwortet ...???" *unschuldigguck* ... hähähä
6. "Katzen sollen eine Menge Krankheiten einschleppen..."
Antwort zu 6.: "Dem muss ich widersprechen. Es ist wissenschaftlich
erwiesen, dass Babies, die mit Katzen aufwachsen, schon in diesem zarten
Alter wesentliche Abwehrstoffe entwickeln ... " (Anm. für die
NG-Leser: Fragt mal Katharina Rosner ;))) "... und von daher
wesentlich resistenter
gegen jede Art von Viren sind, sag´ mal, ist Malte (Konstantin, Sören
und-wie-sie-sonst-so-heißen) nicht ein bisschen blass ....?" *besorgtguck*
... hähähä
7. "Du hast die Katze angefasst, hast du dir danach die Hände
gewaschen?"
Antwort zu 7.: "Oh, sorry, nee, das hab´ ich jetzt ganz
vergessen...." ...keine Anstalten zum Händewaschen machen ... nur *strahlendguck*
an der Hose abwischen ... hähähä
8. "Der Kater wird doch wohl mal ein Wochenende alleine klarkommen
..."
Antwort zu 8.: "Da sprecht ihr einen wunden Punkt an: Sagt mal, wir
sind doch verwandt (bzw. sooo gut befreundet... eher selten, dieser Fall
:o)), nächstes Wochenende, könnte ich ihn dann zu euch bringen oder
könntet ihr euch um ihn kümmern ... ich mache euch auch einen ganz
genauen Plan..." *flehendguck* ...hähähä
9. Ganz schlimmer Fall (Family im weiteren Sinne): Emsies blitzblankes
Spülmaschinen-Glas mit spitzen Fingern angefasst und angeguckt: "Ich
kann einfach hier nichts zu mir nehmen ..."
Antwort zu 9.: "Komm, ich spüle das jetzt ganz heiß aus und gieße
dir neu ein, du sollst dich hier schließlich wohlfühlen." Glas
genommen - in der Küche lautstark gespült, reingekommen und ganz neues
Küchentuch aus Schublade geholt ... damit gewedelt und Glas poliert... *freundlichguck*
wieder in die Küche, dort das Glas unauffällig von außen mit drei bis
fünf Katzenhaaren präpariert. Wieder ins Wohnzimmer, eingegossen, Glas
strategisch günstig überreicht und gleich das eigene gehoben:
"Prost ... auf uns ..." ...hähöhöhähä
Emsie will sich ja nicht verkrachen, weil, die geh´n ja *göttinnenseidank*
(ihr wisst schon: copyright bei Katharina Bleuer) auch wieder wech....
aber Ärger kann sich auch anstauen ... und das ist bei Emsie ganz viel
gefährlich .... weil, wenn böse, dann hinterhältig ... *diabolischguck*
... ;))))
.... komm´ ich nu´ ümmers noch innen Regenbogenhümmel oder bin ich
ausgeschlossen vonwegen teuflischer Aktivitäten ???? *bangeguck* ;))
Euer aller Emsie ....


Von: Emsie
Betreff: Eine schlafende Katze ...
Datum: Montag, 6. Dezember 1999 14:05
DIE SCHLAFENDE KATZE....
eine schlafende Katze ...
bedeutet: Keine Gefahr.....
Ruhe... Frieden...
eine schlafende Katze ...
signalisiert Harmonie
keine Gefahr....
eine schlafende Katze ...
gibt uns inneren Frieden
weil ... sie schläft....
eine schlafende Katze ...
heißt: Ich schlafe ...
alles ist im grünen Bereich...
eine schlafende Katze ...
träumt auch manchmal ...
beobachte ihre Träume....
eine schlafende Katze...
ist ein träumendes Wesen..
Träume sind unterbewusste Aufarbeitung....
eine schlafende Katze...
hat also ein Unterbewusstsein...
... ein intensiveres als mancher Mensch....
Sind Katzen intelligente Wesen..???
Blöde Frage ....ja....
EMSIE ...... und Fiedje schläft ......
Ergänzung:
Von: Emsie
Betreff: Danke für die lieben Antworten :-) = Nacht der verwunschenen
Katze
Datum: Freitag, 10. Dezember 1999 17:11
Hallo ihr ganz ganz Lieben :o),
ich soll mich im Namen von Fiedje für die vielen netten Antworten ganz
herzlich bedanken. Er und ich haben uns bei jeder neuen Antwort ganz doll
gefreut :o)... da macht das Schreiben umso mehr Spaß.
Und dann habe ich noch eine Bitte: Könnt ihr nicht ein gutes Wort bei
Fiedje für mich einlegen? Ich sollte nämlich Korrektur lesen und da habe
ich übersehen, dass am Anfang die Story an einem Montag spielt und
mittendrin ist plötzlich Samstag :( ... und dann wird aus dem Sohn der
Freundin plötzlich eine Tochter :( ... Fiedje war ja außer sich ...
wollte mich schon feuern. Ist sofort auf den Computerstuhl gesprungen,
Pfoti auf Tastatur, NG aufgerufen: "Miao, ignorante Dosine, schau
hier. Supernette talentierte Dosinen und Dosis ohne Ende, alle als
Coautoren geeignet. Manche probieren das Dosenfutter, bevor sie´s ihren
göttlichen Katzis kredenzen. Tust du das vielleicht?!! Einige kochen für
ihre Herrschaft, gerade habe ich etwas von Gemüsecreme-Suppe mit Sahne
gelesen.... nein, Emsie, so geht das nicht. Und was war heute morgen? Da
musste ich zwei (zwei !!!) Mal sagen, dass ich dieses Futter an dem Tage
eben nicht schätzte, bevor du dich bequemt hast, mir etwas anderes
anzubieten. Und heute Abend? Du willst wieder auf Tour. Längst gemerkt.
Sage ich vielleicht etwas dagegen? Bin ich nicht nachsichtig und liebevoll
zu dir? Alsoo ... sieh´ zu, dass das nicht wieder vorkommt, sonst muss
ich Konsequenzen daraus ziehen ...*fauch*..."
Ich war ganz fertig und deprimiert ...*schluchz * ...
Kommt nicht wieder vor, Fiedje, bitte bitte verlass´ mich bloß nicht
;))))
... nachher muss ich deinetwegen noch in eine Talkshow *grusel* ;)))
Emsie


Von: Emsie
Betreff: Die Nacht der verwunschenen Katze... X-mas-Story modern
Vorsicht..lang!
Datum: Donnerstag, 9. Dezember 1999 10:23
Die Nacht der verwunschenen Katze... X-mas-Story modern
... es weihnachtete wieder einmal ... und zwar richtig. Ich meine nicht
die September-Weihnachterei mit den Schokoladen-Weihnachtsmännern in den
Supermärkten. Nein, es war schon heftig ... der dritte Advent nahte mit
Riesenschritten...
Sandra ging an diesem Montag Abend durch das riesengroße Kaufhaus. Mama
und Papa, die Oma (Opa war vor zwei Jahren gestorben), die Schwester und
deren Tochter, die Freundin und deren Sohn, wollten bedacht sein.
Sandra war seit acht Monaten allein. Sie hatte drei Jahre und vier Monate
gedacht, dass es die große Liebe sei. Doch dann hatte die Kollegin, der
sie immer so geholfen hatte, auch finanziell, ihr gestanden, dass sie und
Sandras Freund sich "liebten" und dass Sandra doch bitte nicht
so egoistisch sein und sich zurückziehen möge. Sandras Freund hatte
zuerst geleugnet ...
aber die Kollegin hatte Sandra Fotos gezeigt, die ihr ohne Umweg bis ins
Kleinhirn drangen. Sie hatte sich sehr cool gegeben. Ich ziehe aus ...
hatte sie gesagt ... und, fast nur mit ihren Klamotten, ihren Papieren und
den persönlichen Dingen, die große Wohnung verlassen. Geweint hatte sie
bei ihrer Freundin und deren Mann. Lange ... und fast nichts mehr essen
hatte sie können. Die Mutter hatte immer genug mit den eigenen Problemen
zu tun und war schon ärgerlich, wenn Sandra am Telefon einmal sagte:
"Du, Mom, heute kann ich nicht..." Zum Vater hatte sie noch nie
viel Vertrauen gehabt.... da war sie zu oft enttäuscht worden... und der
Oma ging es nicht so gut ... da lächelte Sandra lieber und erzählte
etwas von einer verschleppten Bronchitis ...
Sandras Freundin half Sandra wo sie konnte .. und deshalb war es Sandra
gelungen, die Sache irgendwo in ihrem Kopf zu Grabe zu tragen ... und
dieses Grab auch verschlossen zu halten, obwohl Sandras Ex immer wieder
versuchte, am Punkt davor wieder anzuknüpfen.
Jedenfalls hatte Sandra zwischenzeitlich wieder eine eigene kleine Wohnung
und auch der Schmerz war nur noch wie ein leises Wehen, dass sie manchmal,
wenn sie allein war, verspürte.
Kehren wir zurück in das Kaufhaus. Es war ein Samstag ... und an einem
Samstag vor Weihnachten kaufen die Leute wie verrückt. Dementsprechende
Menschenfülle herrschte in allen Gängen. Überall glitzerte es und
Weihnachtsmusik dudelte pausenlos. Es war kurz nach 16.00 Uhr und draußen
fing es allmählich an zu dämmern.
Da wurde Sandras Aufmerksamkeit von einem kleinen Tumult in der Koffer-
und Taschenabteilung aus ihrem Sinnen gerissen.
"Haltet sie, da ist das Biest..." Zwei beanzugte Substituten und
eine ebensolche in weiblich, alle mit hochroten Gesichtern, rannten durch
die Gänge. Da sah Sandra den Grund der Aufregung. Es war eine kleine,
struppige, getigerte Katze, mager, wie Sandra selbst in diesem kurzen
Augenblick sehen konnte, die pfeilschnell an Sandra vorbei hinter einem
Wühltisch in der Hut- und Mützenabteilung verschwand. Die Verfolger
unermüdlich hinterher. Und wieder hatten sie sie aufgespürt und
-geschreckt... die wilde Jagd ging weiter. Die kleine Katze stürmte auf
den Ausgang zu ... die Türen waren gerade dabei sich zu schließen ...
sie witschte noch hindurch, aber ganz schaffte sie es nicht ... ihre
Schwanzspitze wurde eingeklemmt. Zwar öffnete sich die Tür sofort
wieder, aber der Schmerzensschrei war nicht zu überhören...
Schwer atmend blieb einer der Verfolger neben Sandra stehen: "Na, das
wird sie sich merken. Ich habe das Biest gestern schon zweimal
rausgeschmissen..." ...zustimmungsheischend sah er Sandra an und
wischte sich den Schweiß von der Stirn....
Sandra war wie erstarrt .... sie legte die Diddle-Mouse, die sie für die
Tochter ihrer Freundin kaufen wollte, zurück in den Regalaufbau .... dann
eilte sie auf den Ausgang zu ...
Draußen schneeregnete es, inzwischen hatte die Dunkelheit fast völlig
den Rest des Tageslichtes verdrängt. Sandra sah sich gehetzt um ...
Menschen ... überall Menschen ... mit teilweise missmutigen Gesichtern,
mit Tüten beladen .... Düfte und Wohlgerüche vom nahen Weihnachtsmarkt.
Aber .. keine Katze.
Sandra wusste nicht, wo sie suchen sollte. Etwas albern kam sie sich vor,
dennoch ging sie an den kleinen bepflanzten Grüninseln vorbei, Miezmiez
rufend. Teilweise verwunderte oder sogar spöttische Blicke trafen sie.
Ein älteres Ehepaar blieb stehen: "Suchen Sie Ihre Katze?"
Verständnisvoll sah die gepflegte ältere Dame Sandra an. Der Mann hatte
seinen Arm um die Schultern seiner Frau gelegt ... Sandra konnte ihre
innere Verbundenheit fast körperlich spüren.
"Ja ... nein ... ich meine ... es ist eigentlich nicht meine
Katze..." Die unerwartete Freundlichkeit löste bei Sandra etwas
längst verschüttet Geglaubtes aus .. sie weinte ... sie konnte absolut
nichts dagegen machen.
Die Frau ging zu Sandra und hakte sie unter: "Kommen Sie, wir wollten
ohnehin gerade einen Kaffee trinken gehen, Sie sind eingeladen." Sie
lächelte Sandra an. Sandra ließ sich gerne mitziehen.
In dem gemütlichen kleinen Restaurant (Kaufhaus-Caféterias sind mir ein
Greuel, hatte die Dame gesagt) nahe dem Kaufhaus bestellte die Dame
(Sandra war irgendwie immer noch nicht ansprechbar), heiße Suppe und,
nach einem kurzen Blick auf Sandra, für alle ein Glas Wein. Sandra wollte
lächeln, aber noch konnte sie nicht ... allerdings hatte sie das Gefühl,
dass ihr im ganzen Leben noch nieniemals etwas so gut geschmeckt hatte wie
die heiße Hühnersuppe und der Wein.
Sandra erzählte den beiden sympathischen Menschen, die sich als Ottmar
und Wilma M. vorstellten, von der Kaufhaus-Katze und der Verletzung, die
sich diese ganz offenbar durch die automatische Schließtür zugezogen
hatte.
Wilma und Ottmar hatten selber zwei Katzen, allerdings reine
Wohnungstiere, verwöhnt und geliebt. Ihre Anteilnahme war sehr groß. Im
Verlaufe des Gespräches stellte sich außerdem heraus, dass Sandra nur
zwei Straßen von Wilma und Ottmar, die einen Sohn in Sandras Alter
hatten, entfernt wohnten. Adressen und Telefonnummern wurden ausgetauscht.
Sandra fuhr in ihrem gebrauchten Renault Clio, Bj. 1991, einer der ersten,
nach Hause. Ach ja ... der gehörte eigentlich auch mal wieder in die
Inspektion ...
Zu Hause versuchte sie, es sich gemütlich zu machen. Sie zündete zwei
Kerzen am Adventskranz an. Sie legte eine CD mit André Rieu ein ... sie
nahm sich ein Buch .... aber sie konnte sich nicht konzentrieren. Nachdem
sie dieselben acht Seiten das dritte Mal gelesen hatte, ohne etwas
mitzubekommen, legte sie das Buch beiseite. Sinnend saß sie im Halbdunkel
und dachte an die Katze...
Um 11.45 Uhr hielt sie es nicht länger aus. Sie bewaffnete sich mit einer
Taschenlampe, neue Batterien hatte sie gottseidank da, denn die
Lampenleistung ging schon auf dem Zahnfleisch. Und fuhr dann durch nunmehr
fast freie Straßen durch Regen, Wind und nasse Kälte in die Innenstadt.
Der Clio war brav, sprang immer sofort an und war schließlich auch auf
der Autobahn immer viiiel schneller, als andere erwarteten.
Der Parkplatz vor dem großen Kaufhaus, sonst proppedickevoll, fast leer
... drei einsame Autos standen dort. Sandra stieg aus.
Erleuchtet war schon alles, aber merkwürdig still. Jedes Geräusch war
wahrnehmbar ... eine völlig andere Welt als im Nachmittagsgedränge. Ein
bisschen unheimlich war Sandra zumute ... aber sie dachte an die Katze....
Zwanzig Minuten hatte sie schon gesucht. Nichts. Sandra fror. Die Nässe
hatte sich auf ihre Haut gelegt, auf ihre Haare...
Da war eine Nebenstraße ... und in dieser "fast-Stille-des-angehaltenen-Universums"
hörte sie es. Eine Männerstimme: "Miezmiez.." Sandra folgte
der Stimme.... eine dunkle Gestalt, mit einem großen Behälter in der
linken Hand, knieend vor ein paar Mülltonnen.... Sandra näherte sich
vorsichtig ... der Mann drehte sich um .........
"Ach, du bist´s Sandra ... Wilma hat´s nicht ausgehalten und mich
losgeschickt, das Kätzchen retten ... das ist auch da vorne ... zwischen
den Mülltonnen ... aber es will partout nicht rauskommen..." Es war
Ottmar, der neue Freund vom Nachmittag .... Ottmar sah etwas verwirrt,
aber seehr lieb drein.... Sandra musste lächeln....
Sie näherte sich der Szenerie, in ihrem Herzen spürte sie Wärme und
Glück, sie war nicht alleine... sie glaubte fast, ihr eigenes Herz
glühen zu fühlen...
Da war das Kätzchen .. im Scheine von Ottmars Taschenlampe sah Sandra
feuerspeiende, gelbe Augen ... und .. sie wusste nicht, woher sie die
Gewissheit nahm ... sie wusste, dass dieses Kätzchen ihres sein würde,
dass es nur auf sie, Sandra, gewartet hatte...
Sandra ließ sich auf die Knie nieder: "Kommmmmmm ... kommmm ....
kommmzusandra..." ... und das Wunder geschah ... zögerlich kam die
kleine Katze aus ihrem Versteck .... Sandra wagte fast nicht, zu atmen ...
Ottmar im Hintergrund rührte sich kein bisschen .... klugerjunge ....
Das Kätzchen stupste Sandras Finger an und fing an zu schnurren ......
alsoooooo, ich sage euch, tausend Spinnräder hätten nicht diese
Lautstärke .....
Sandra streichelte das Kätzchen und riskierte es dann, es auf den Arm zu
nehmen ... nur eine Sekunde setzte das Schnurren aus, um dann mit
womöglich noch mehr Intensität fortgeführt zu werden.......
Die Schwanzspitze des Kätzchens war abgeknickt, das Fell am Hals blutig
verkrustet. Das ganze Katzi kaum ein Kilo schwer..... struppig und
verwahrlost ...
Ottmar fasste, sich räuspernd, zusammen: "Also, Sandra, auf die
Transportbox können wir evtl. verzichten, die kleine Katze scheint dich
ja gesucht und gefunden zu haben... und weißt du was? Wir fahren jetzt in
die Tierklinik, gemeinsam. Und dein Auto hole ich nachher mit meinem Sohn
ab. Und ich sage nur eben kurz Wilma Bescheid, damit die sich keine Sorgen
macht..." ...sprach´s und informierte Wilma mittels Handy....
Sandra hielt die kleine Katze, die unablässig schnurrte, in einer schier
unglaublichen Lautstärke... vertrauend sah sie zu Ottmar auf ... "Jaaa,
danke ...." Sandra war ob des kleinen, lebendigen, warmen und
schnurrenden Körpers an ihrem Herzen total durcheinander ....
Sie gingen zum Parkplatz. Die kleine Katze machte keinerlei Anstalten zu
fliehen oder sich aus Sandras Armen zu befreien. "Ich denke, wir
können es so probieren.." meinte Ottmar, ein wenig zweifelnd
schauend... "Stress hatte das arme kleine Ding nun wohl wirklich
genug..."
Die Tierklinik, untergebracht in einem alten, denkmalgeschützten
Gebäude, nichtsdestotrotz, wie Sandra von einer Freundin wusste, mit den
modernsten Mitteln der Tiermedizin ausgestattet und jederzeit, auch
nachts, notrufmäßig konsultierbar, war von außen beleuchtet.
Sandra hielt das Kätzchen, das unablässig schnurrte, wie ein kleiner
Motor, ganz fest und doch locker in ihrem Arm. Sie spürte neben der
Körperwärme den Herzschlag des kleinen Wesens, fast analog zu ihrem
eigenen...
Nach dem Klingeln verging eine kurze Zeit, Ottmar wollte schon sein Handy
zücken. Doch da ging die Tür auf. Eine hübsche junge Frau im offenen
weißen Kittel stand da... "Guten Abend ... was ist los....???"
Wache Augen taxierten den Istzustand.
Sandra wollte gerade anfangen, die Situation zu schildern, aber Ottmar
nahm es ihr ab. In kurzen Worten schilderte er das Schicksal der kleinen
Katze, ließ durchblicken, dass das hier ein absoluter Sonderfall war ...
und dass das Kätzchen bereits ein neues Zuhause gefunden hatte.
"Kommen Sie herein... " Die junge TÄ führte Sandra plus
Kätzchen und Ottmar in einen Behandlungsraum. Nur zögernd ließ Sandra
das Kätzchen los, das, zusammengekauert auf dem kühlen, metallenen
Behandlungstisch, verharrte .... das Schnurren war noch da ... aber schon
ein bisschen verhaltener .... Sandra spürte die steile Sorgenfalte
zwischen ihren Augen...
Die energisch-sanfte TÄ stellte fest, dass die Schwanzspitze gebrochen
war. "Eine Schienung bringt absolut nichts ....das hält
nicht.." ... war die Aussage...."aber eine Amputation scheint
mir hier, im Schwanzspitzenbereich, da auch offensichtlich keine wichtigen
Nervenstränge angegriffen sind, nicht erforderlich.... wenn sie mit einer
Knickschwanz-Katze leben können..??!"
Sandra lachte unter Tränen: " Eine Knickschwanzkatze wünschte ich
mir schon immer ... hat sie Schmerzen??"
Die fachmännische Aussage lautete NEIN........
Die TÄ entflohte dann noch Sandras Katze... Impfungen,
Sterilisation/Kastration auf später verschiebend...... "Der
Allgemeinzustand ist eher schlecht ... aber Sie wollen das Kätzchen, ist
sicher noch kein Jahr alt, ja wohl aufpäppeln...?"
Aufpäppeln ... ja, das wollte Sandra gerne....!!!!
Als Sandra mit der kleinen Katze und Ottmar, als starkem Beschützer,
wieder in das große Auto stieg, flatterte ihr Herz vor Glück....
"Also, Sandra, ich fahre euch zwei, dich und die Katze, jetzt zu dir
... ich fahre heim und beruhige Wilma ... dann werden Wilma und ich
schauen, was du bis Montag brauchst .... Katzenstreu und -futter und so
... und gib mir eben deinen Autoschlüssel ... Kai wird dir dein Auto und
den Katzi-Kram bringen..."
Sandra sagte .........."Jaaaaaaa...." ...ihr Intellekt hatte
ganz offensichtlich kurzfristig ausgehakt ..... ;))) ..... und die Katze
schnurrte...
Daheim stieg Sandra aus, Ottmar ließ sein Fahrerfenster herunter.
"Ich warte noch, bis du drin bist. Kai, mein Sohn, müsste (Blick auf
die Uhr) so in ca. einer Stunde bei dir sein. Du bist dann doch sicher (Augenzwinker)
noch wach?"
Es war schon 03.30 Uhr, sonntagmorgens, als Sandra endlich wieder ihre
Butze enterte, mit der schnurrenden Katze auf dem Arm.
Das Kätzchen schaute sich sofort neugierig in der ganzen Wohnung um ...
hielt Ausschau nach kuscheligen Plätzchen und prima Verstecken... Sandra
mischte etwas Dosenmilch mit heißem Wasser ... hmmm ... lecker .. war
ruckzuck weg... auch der Thunfisch im eigenen Saft, serviert in einer
Suppentasse, würde wohl das Tageslicht nicht mehr erleben... ;))
Sandra fühlte sich irgenwiiiie ..... schwebend ... unwirklich ....nebensichstehend
.....
Gerade hatte Sandra es sich mit dem Schnurr-Kätzchen auf dem Arm auf der
neuen Couch (hätte sie sich eigentlich momentan gar nicht leisten
dürfen) bequem gemacht, als es klingelte. Kurz nur ...und einmal ...
Sandra sprang auf ...
Sprechanlage: "Jaaa?" ..."Ich bin´s, Kai-Uwe M. - ich
bringe die Baby-Erstausstattung und die Autoschlüssel." Der
Türöffner wurde betätigt ...
Vor der Wohnungstür wartete Sandra. ..
Drei Stufen auf einmal nehmend stürmte ein junger Mann durchs
Treppenhaus... schwer beladen ... aber nichts desto trotz strahlend
...."Hi ... da hattest du aber Glück ...ich kam gerade nach Hause
... ja sag einmal ... kannst du nächstes Mal die Waisenkinder nicht unter
der Woche zu christlichen Zeiten einsammeln ;)) ?"
Kai betrat die kleine Wohnung wie ein Sturmwind ... und füllte sie ...
total und umgehend ... mit ... Leben ... oder wie soll man das sonst
beschreiben???
Sandra und Kai und das Kätzchen, letzteres nunmehr tief schlafend auf dem
Sofa zwischen ihnen, sahen an diesem Sonntagmorgen die Sonne gemeinsam
aufgehen ... oder, sagen wir einmal, um bei der Wahrheit zu bleiben, das
Tageslicht dämmern... leider war zwischenzeitlich keine Sternschnuppe in
Sicht ...;))
Sie hatten über Gott und die Welt geredet ... und viele Gemeinsamkeiten
entdeckt. Kätzchens Name war ein echtes Thema. Knicki, (wegen des
Knickschwanzes) und *******, nach dem Kaufhaus, wurden verworfen. Millenia,
Rufname Milli ..... das würde Kätzchens Name sein .......
FIEDJE, Revierkater und stud.human.päd ... und sein unbedeutender Anhang
... im Dezember 1999
- Diese Geschichte ist eine fast reine Fiktion. Jede Ähnlichkeit mit
lebenden oder bereits verstorbenen Personen wäre rein zufällig und nicht
beabsichtigt. - FIEDJE: "Naja, die Kumpels und Kumpelinen erzählen
mir schon so manche Story ... ganz so erfunden ist das wohl doch nicht
;)))" -








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D e r S t r e u n e r
KAPITEL 1
Er hatte zwei Geschwister. Geboren wurde er in einem alten
Abbruchgebäude. Seine Mutter, eine große, graugetigerte Katze,
kümmerte sich hingebungsvoll um ihn und seine beiden Geschwister.
Eine Schwester und ein Bruder. Sie säugte und säuberte sie. Und
sorgte sich um ihre Sicherheit. Es war Mai und draußen war es
freundlich.
Wenn sie wegmusste, um sich selber Futter zu beschaffen, packte
sie ihren Nachwuchs nacheinander am Nackenfell und schleppte sie in
die Mitte einer großen Röhre, die im hintersten Winkel des alten,
ebenerdigen Gemäuers lag.
Nachdem die Kätzchen die Augen geöffnet hatten und noch ein
bisschen größer geworden waren, nahm ihre Mutter sie in der
Abenddämmerung und in den frühen Morgenstunden mit auf ihre
Streifzüge. Sie lehrte sie das Mäusefangen und mit drei Monaten
sahen sie schon aus wie richtige kleine Tiger. Er war schwarz mit
einem kleinen weißen Fleck auf der Brust und kräftig, sein Bruder
war auch schwarz, viel kleiner als er und sehr schreckhaft, die
kleine Schwester sah aus wie die Mutter, graugetigert. Ihre
hervorragendste Eigenschaft war die Neugierde. Alles musste sie
untersuchen. Sie waren immer beisammen. Wenn ihre Mutter sie allein
ließ, spielten sie miteinander und rissen sich um die Reste des
Futters, das ihre Mutter gebracht hatte.
Doch eines Abends kam die Mutter nicht zurück. Sie warteten die
ganze Nacht. Aber am nächsten Tag gegen Mittag trieb der Hunger sie
aus ihrem Versteck. Noch nie hatten sie die Draußen-Welt bei so
hellem, gleißenden Tageslicht gesehen. Sie blinzelten. Dann stakste
die Schwester als erste los. Er folgte ihr rasch. Er wähnte sich,
da der Größte und Stärkste des Wurfes, als deren Anführer.
Zögerlich folgte der kleine Bruder.
Ach, wie groß diese Welt war und wie spannend. Da war ein Zaun.
Aber die drei Winzlinge fanden schnell eine Lücke zum
Hindurchkriechen. Ein Rasen und Blumen. Und da hinten, was war das
denn? Seltsame zweibeinige Wesen, die herumrannten und merkwürdige
Leute von sich gaben. Die Geschwister duckten sich in ein Gebüsch.
Aber irgendetwas roch sooo gut und sie hatten solchen Hunger.
Die neugierige kleine Schwester stakste als erste los. Ein
kleiner Schrei und die merkwürdigen Zweibeiner gingen auf das
Kätzchen zu und gaben seltsame Laute von sich, die aber durchaus
vertrauenerweckend klangen. Sie bückten sich und machten sich damit
ganz klein. Und sie nahmen etwas von dem Tisch. Ein Schälchen und
füllten etwas hinein. Er sah ungefähr eine Minute lang zu, wie
sich seine Schwester an etwas wohl unvergleichlich Köstlichem
gütlich tat. Dann hielt er es nicht mehr aus und näherte sich
vorsichtig.
Zuerst wollte er wieder zurückspringen. Aber die merkwürdigen
Wesen versuchten nicht, ihn zu ergreifen. Stattdessen stellten sie
noch ein Schälchen auf dem Boden. Mhmmmm, das war lecker. Immer
wieder vorsichtig sichernd hochsehend schleckte er die Milch. Sein
kleiner Bruder hielt sich im Hintergrund und traute sich nicht
näher.
Auf einmal erschienen zwei weitere Zweibeiner, viel größer als
die ersten beiden. Er zog sich sofort zurück. Seine kleine
Schwester jedoch ging ohne Scheu auf die Zweibeiner zu. Eines der
kleineren Wesen hob seine Schwester jetzt hoch und es schien ihr
nichts zu passieren. Dann gingen alle durch eine große Tür in das
dunkle Innere eines Gebäudes. Er stand wie erstarrt. Sein Bruder
kauerte im Gebüsch hinter ihm. Dann kamen die beiden kleinen Wesen
wieder heraus. Sie trugen eine Schüssel, die sie mitten auf den
Rasen stellten und gingen dann wieder bis zur Tür zurück. Schon
nach kurzer Zeit siegte der Hunger über Vorsicht und Furcht. Er
näherte sich dem gefüllten Napf und fraß, bis er nicht mehr
konnte. Sein kleiner Bruder jedoch wagte sich nicht heran. Als die
beiden kleinen Zweibeiner aber wieder näher kamen, drehte er, jetzt
satt, ab und stob davon.
KAPITEL 2
Die beiden Brüder strichen durch die Gärten der Umgebung. Er
war jetzt satt, aber sein Bruder war nunmehr furchtbar hungrig. Nach
Einbruch der Dämmerung jagten Sie, wie ihre Mutter es sie gelehrt
hatte und sie erbeuteten auf einer großen, verwilderten Wiese,
umgeben von alten Bäumen, mehrere Mäuse. Satt und zufrieden
rollten sie sich, aneinandergeschmiegt, unter einem Holzstoß
zusammen, um zu schlafen.
Der Morgen dämmerte, als sie durch ein alarmierendes Geräusch
geweckt wurden. Ein wildes Tier umtanzte hechelnd den Holzstoß,
unter dem sie die Nacht verbracht hatten und stieß dabei diese
merkwürdigen, beängstigenden Laute aus. Wildklopfenden Herzens
drängten sie sich aneinander. Dann kam so ein zweibeiniges Wesen
näher an ihren Holzstoß heran. Dieses hier aber erschien ihm
größer und bedrohlicher, als die bisher kennengelernten.
Vielleicht lag es an den großen Füßen, die sich mit schrecklicher
Zielstrebigkeit unaufhörlich näherten. Vor dem Holzstoß hielten
sie inne. Ein Kopf beugte sich hinunter und spähte zwischen die
aufgestapelten Scheite.
Sein kleiner Bruder schoss aus dem Versteck, panisch und kopflos.
Er selber drängte sich noch tiefer in die Nische. Da ... ein
entsetzlicher Knall. Sein Bruder stürzte, sich überschlagend, aus
vollem Lauf. Der furchtbare Zweibeiner bewegte sich, einen
rauchenden, langen Stock in der Hand auf seinen Bruder zu. Er
verließ sein Versteck und rannte auf die schützenden Bäume zu.
Dort angelangt, verhielt er, sich in ein Gebüsch duckend.
Sein Bruder hob schwach den Kopf und versuchte, immer wieder
stürzend, auf seine Beine zu kommen. Da kam aus dem
gegenüberliegenden Waldstück in vollem Lauf ein weiterer,
kleinerer, wild gestikulierender Zweibeiner, welcher mit sehr heller
Stimme irgendetwas rief. Neben diesem Zweibeiner her lief ebenfalls
ein bellendes Wesen, mit diesem verbunden durch ein dunkles Band ...
so jedenfalls sah er es. Neben seinem Bruder trafen die beiden
Zweibeiner aufeinander. Sie schienen furchtbar zu streiten. Beide
Vierbeiner bellten und knurrten wie verrückt. Der große Zweibeiner
mit dem furchtbaren, knallenden Stock hielt seinen Begleiter an
irgendetwas, das dieser um den Hals trug, fest.
Dann sah er, wie das zweite, kleinere zweibeinige Wesen sein Fell
auszog, sich niederbeugte und seinen Bruder sanft dort
hineinwickelte. Er hörte dessen klägliches und schmerzerfülltes
Miauen. Gleichzeitig nahm er wahr, dass die helle Stimme sanft mit
ihm redete. Brüsk kehrte das zweite zweibeinige Wesen dem ersten
den Rücken und ging raschen Schrittes, seinen Bruder auf dem Arm,
begleitet von dem nunmehr ruhigen Vierbeiner, fort.
Der große und angsteinflößende Zweibeiner kehrte brummend zum
Holzstapel zurück. Als er darunter nichts mehr entdeckte, kein
weiteres glühendes Augenpaar, leinte er seinen Vierbeiner an und
verschwand nach kurzer Zeit, verschluckt von den Bäumen, in der
anderen Richtung.
Er saß noch eine gute halbe Stunde in dem Gebüsch. Angstvoll
auf jedes Geräusch achtend. Er war nun, das erste Mal in seinem
Leben, ganz allein.
KAPITEL 3
Es war Sommer. Das ist eine sehr günstige Zeit für einen jungen
Kater, um auch alleine auf sich gestellt zu überleben. Er jagte.
Und er war ein guter Jäger. Und er lernte jeden Tag dazu.
Es dauerte nicht lange, bis er Gefahren einzuschätzen lernte. Er
wurde zu einem Meister der Tarnung und des Anschleichens.
Er wusste, welche Geschöpfe Beute waren und welchen er besser
aus dem Weg ging. Er erkannte auch, dass manchmal auch Gefahren aus
der Luft über ihm lauerten. Zweimal musste er erleben, wie ein
solch geflügeltes Wesen, überraschend herabstoßend aus dem
Himmel, ihm seine sichere Beute vor der Nase wegschnappte. Nur einen
Schatten hatte er wahrgenommen. Er wusste, dieser dunkle Schatten
bedeutete nicht nur Konkurrenz, sondern auch reale Gefahr für Leib
und Leben.
Freunde fand er keine. Und er vermisste auch keine ... bis zu
jenem Tag.
Er stand in hohem Gras auf einer Lichtung und sog flehmend die
Luft ein. Ein Duft, den er noch niemals aufgenommen hatte, füllte
sein gesamtes Wahrnehmungsvermögen und berauschte ihn. Wusste
er...??? Ahnte er ...??? Er folgte dem zwingenden Ruf dieses Duftes,
der ihn mit Unruhe und Sehnen erfüllte.
Er lief. Er verließ den Wald, der ihm trotz aller Gefahren
Nahrung und Schutz geboten hatte. Er überquerte eine Straße. Eine
breite Straße. Er wusste nicht, um welch Haaresbreite er dem
Verkehrstod entging. Er hatte einen Schutzengel ....
Da war er wieder ... dieser Geruch nach Zweibeinern. Zwiespältig
waren seine Gefühle, diesen Wesen gegenüber. Er war zur Vorsicht
entschlossen.
Dann wurde der wunderbare, lockende Duft so stark, dass er ihm
fast den Verstand raubte. Und dann sah er SIE. Ein Wesen seiner Art.
Hell und dunkel und golden. Nur zwei bis drei Katzensprünge von ihm
entfernt, lag sie in der Dämmerung in einem Gebüsch und rief ihn
lockend. Sie warf sich auf den Rücken und wälzte sich hin und her.
Als er einen Augenblick glaubte, sie sähe ihn gerade nicht an,
näherte er sich ihr weiter.
Wie wunderbar war dieses Liebesspiel. Mit einem Nackenbiss hielt
er sie fest, als sie eintauchten in ihre Instinkte. Wild griff sie
ihn kurz danach an, so dass er sich nur durch einen Sprung retten
konnte, nur um ihn gleich darauf wieder mit lockenden Rufen zu neuen
Liebesspielen aufzufordern.
Erst als die Morgendämmerung schon fast dem hellen Tag gewichen
war, trennten sie sich. Er war erschöpft und glücklich.
Nach einigen Stunden Schlaf weckte ihn nagender Hunger.
Dunkel in seinem Unterbewusstein erinnerte er sich an Zweibeiner,
die ihn und seine Geschwister mit köstlicher Nahrung versorgt
hatten ... und er machte sich auf die Suche.
KAPITEL 4
Alles hier erschien ihm altvertraut.
Die Zäune und Hecken und die Allgegenwärtigkeit der Zweibeiner.
Die vielen Artgenossen, die seiner Dominanz zumeist wichen. Er
verströmte den Duft des wilden Lebens. Er war ganz Kater.
Schnell hatte er herausgefunden, dass er und seinesgleichen in
dieser Welt zu einem großen Teil wohlgelitten waren ... die
Kehrseite lernte er leider auch kennen.
Da war dieser Zweibeiner, der ihn an dunkle Erlebnisse erinnerte.
Er hielt sich so gut es ging fern von ihm, nur ... das Grundstück
gehörte zu seinem Revier. Es musste markiert werden.
Da waren diese lärmenden Zweibeiner, die in Rudeln auftraten.
Die in Kästen schrecklichen Lärm mit sich herumtrugen.
Aber da waren auch diese kleinen Zweibeiner, die er liebte ...
bis zu einer gewissen Länge hatte er keine Probleme damit. Vor
allem, wenn sie helle Stimmen hatten und sich noch kleiner machten,
niederknieten, um mit ihm zu kommunizieren. Natürlich war er kein
Schmusetier. Aber er spürte Respekt und Zuneigung und gab beides
zurück.
Viele Kämpfe musste er durchstehen ... aber er blieb stets der
Sieger. Er akzeptierte die Unterwerfung. Und er wusste .......!!!!
Er registrierte die Stellen, an denen ihm Gutes widerfuhr. Er
merkte sich die Zweibeiner-Behausungen, die ihn mit wohlschmeckendem
Futter sponserten.
Aber er blieb was er war ...... ein Streuner.......
KAPITEL 5
Es kristallisierte sich eine Futterstelle heraus, die seine
Zustimmung fand.
Jeden Abend fand er sich dort ein. Es waren Zweibeiner da,
manchmal. Allabendlich suchte er diesen Garten auf. Manchmal waren
sehr viele Zweibeiner da und es herrschte ein entsetzlicher Lärm.
An solchen Tagen ging er wieder, hungrig. Doch wenn er in der
Morgendämmerung zurück kam, war die Nahrung erwartungsgemäß da,
seine Schüssel gefüllt.
Meistens jedoch waren nur wenige Zweibeiner da. Zwei mit hellen
Stimmen, einer mit einer dunklen Stimme.
Er fürchtete sich bald nicht mehr. Doch blieb er vorsichtig. Die
Stimmen lockten ihn, doch niemals näherte er sich soweit, dass er
hätte berührt werden können. Und die Zweibeiner schienen das zu
akzeptieren und zu respektieren. Also akzeptierte und respektierte
auch er sie. Er entwickelte eine Zuneigung, die seine Freunde zu
erspüren vermochten , auch wenn er stets auf Distanz blieb.
Er lernte menschliche Laute zu deuten. Er bemerkte durchaus, dass
einige Laute seine eigene Sprache, sein felines Vokabular, zu
imitieren versuchten. Und er bekam einen Namen. Tramp ....
Landstreicher.
KAPITEL 6
Tramp riefen sie ihn ... oder auch Trampi ... er lernte, darauf
zu hören. Oft lag er entspannt auf dem Rasen und döste. Allerdings
sprang er jedes Mal sofort auf, wenn einer der Zweibeiner versuchte,
sich ihm zu nähern. Zu tief waren die frühen Erlebnisse der wilden
Existenz in seinem Gehirn verwurzelt.
Es herbstete nun sehr. Viel kälter war es, vor allem während
seiner üblichen Jagdzeit. Später Abend, früher Morgen.
Er war hungriger als sonst. Sein Fell wurde dicker. Er hatte
verschiedene Unterschlüpfe. Doch niemals schlief er wirklich tief.
Sein Gehör, seine Nase, sein Geruchssinn waren stets aktiv. War er
ein wildes Tier...? Nein, aber ein Tramp...
Trotz der Tatsache, dass die Zweibeiner nun niemals mehr auf der
Terrasse saßen und ihm zusahen, änderte sich dennoch nichts an der
Zuverlässigkeit ihrer nahrungsmäßigen Zuwendung. Stetig und zur
gleichen Zeit fand er dort Futter.
Wie wichtig das war, merkte er spätestens an jenem Tag, als er
früh morgens aus dem alten Schuppen, in dem er Zuflucht gesucht
hatte, heraustrat ... und die ganze Welt über Nacht weiß geworden
war. Witternd hob er sein Näschen, aber auch die Luft war so rein
und fast geruchlos. Ein merkwürdiges Gefühl war es, als er
vorsichtig hinausschritt. War das noch dieselbe Welt?
KAPITEL 7
Es wurde Winter. Er lebte sein Leben. Er jagte, er fraß, er
lebte. Die Zweibeiner traten in den Hintergrund. Er war allein. Das
Leben war nicht einfach. In einer Nacht fror alles um ihn herum zu
fester Masse. Eine Nacht, in der auch er fror. Instinktiv bewegte er
sich, obwohl müde .... soooo müde. Er schlief nicht.
Doch nachdem, spät, die Sonne aufging, dieses lebensspendende
Himmelgestirn, wurden auch seine Lebensgeister wieder erweckt.
Er schlief jetzt am Tage ... wenn auch eher unruhig. Ohne die
gute Ernährungslage durch seine zuverlässige Futterstelle hätte
er es aber wohl kaum geschafft.
Auch Vierbeiner haben zuweilen Schutzengel ...
KAPITEL 8
Aber jeder Winter hat einmal ein Ende, so wie auch jeder Kummer.
Es war zwar noch kalt, dennoch, die Zeit des Lichts währte
länger, von Tag zu Tag.
Dann jedoch passierte etwas. Tramp hätte nicht sagen können,
was es war. Aber es veränderte alles. Es veränderte sein
Universum.
Kein Licht leuchtete mehr spätabends an seiner Futterstelle,
oder nur kurz. Die beruhigenden Stimmen, die er stets wahrgenommen
hatte, durch sein außergewöhnliches Empfindungs- und
Hörvermögen, hatten sich verändert. Beunruhigend war das, was er
wahrnahm. Er flehmte. Doch sein Geruchssinn brachte ihm nichts. Die
Türen waren geschlossen.
Acht Tage lang bekam er kein Futter. Mehr schlecht als recht
ernährte er, der sich zwischenzeitlich gewöhnt hatte, an die
Zweibeiner, die ihn Tramp riefen, sich während dieser Zeit,
gewöhnt an die Zuverlässigkeit der Fütterungszeiten.
Sein Instinkt sagte ihm, das irgendetwas so ganz und gar nicht in
Ordnung war.
Doch sein Überlebenswille ließ ihn andere Ernährungs-Quellen
erschließen.
Er lebte ... und er überlebte.
Obwohl ein starker Husten ihn seit langem quälte.
KAPITEL 9
Dennoch suchte er täglich, zur gewohnten Zeit, die Wohnstätte
seiner Zweibeiner auf. Und er vermisste vor allem die eine helle
Stimme. Das Mädchen.
Wer hätte sagen könne, woher er wusste, dass dieses zweibeinige
Wesen ein Mädchen war? Dutzende Male hatte das Mädchen versucht,
ihn zu sich zu rufen. Er hatte widerstanden. Er war so frei und
unabhängig ... und so voller Argwohn.
Aber seine Sensoren signalisierten, dass in seiner (seiner?)
Familie nunmehr etwas ganz und gar nicht in Ordnung war.
Unruhe erfasste sein Innerstes. Unabhängig von der körperlichen
Missbill, der er ausgesetzt war.
Tramp war voll von unterbewusster Furcht ... um die, die er
instinktiv mochte .... für die er fühlte ....
KAPITEL 10
Ein alter Kater in der Nachbarschaft hatte sich vor langer Zeit
schon mit Tramp angefreundet. Tramp hatte sich für Flix schon
einmal geschlagen. Flix und er verstanden sich.
Flix half Tramp beim Überleben. Großzügig trat Flix zurück,
vom Futternapf. Wenn Tramp im Gebüsch wartete, ausgehungert.
Tramp dachte und fügte zusammen ... er dachte ........
.... und täglich suchte er die Behausung seiner Zweibeiner auf.
Und eines Abends, es war ein heller und sehr warmer Apriltag
gewesen, der Frühling hatte sich im Gewand des Sommers behutsam in
diese Welt geschlichen, hatte er Erfolg.
Die Türen waren weit geöffnet.
Und in einem merkwürdigen Stuhl saß da ein Zweibeiner auf der
Terrasse. Ein Zweibeiner? Es war das Mädchen.
Aber es rief ihn nicht. Irgendetwas war anders. Versteckt im
Gebüsch wartete Tramp. Dann wagte er sich vor. Ja, es war das
Mädchen. Aber es wendete nur den Kopf. Es rief ihn nicht, lockte
ihn nicht. Es blieb stumm.
Tramp war verstört. Er setzte sich.
Dann kam eine weitere Zweibeinerin aus der hellerleuchteten
Türöffnung. Auch ihren Duft identifizierte Tramp. Die Mutter des
Mädchens.
"Tramp... schau, Tina, da ist Tramp......"
Tina reagierte bestürzt und wendete sich ab von Tramp, der zu
einem Leben gehörte, dass vorbei war, dem sie sich nicht mehr
zugehörig fühlte.
Tina hatte einen schweren Unfall gehabt. Tina war gelähmt von
der Hüfte abwärts.
KAPITEL 11
Täglich wurden nun die Tage länger. Tramp hatte die alten
Gewohnheiten wieder aufgenommen.
Täglich besuchte er seine Familie. Oft war das Mädchen
draußen, aber es beachtete ihn nicht. Das verwirrte ihn anfangs.
Stets war sie auf ihn zugelaufen, hatte spielerisch versucht, ihn zu
fangen.
Und jetzt .... nichts mehr.
Manchmal war die Terrasse voll, mit fremden Menschen. Er hielt
sich dann im Hintergrund.
An anderen Tagen waren nur ein oder zwei fremde Menschen
anwesend.
Aber alles, was er spürte, war die Traurigkeit und
Hoffnungslosigkeit des Mädchens. Sie kämpfte nicht mehr. Sie lebte
nicht mehr wirklich und bewusst ..... sie hatte aufgegeben.
Und eines Tages überwand er seine Angst, die Angst des wilden
Tieres vor der Zivilisation.
KAPITEL 12
Es war nun hoher Sommer. Juli. Es war warm. Alles blühte und
grünte voller Pracht.
Futter gab es reichlich. Aber Tramp verbrachte seine Zeit, seine
Tage, bei dem Mädchen. Er hatte sich ihr unaufhörlich und
schrittweise genähert. Jetzt lag er ihr jeden Tag zu Füßen.
Stundenlang. Unberührt von ihren feinfühligen Eltern. Aber sie
streckte keine Hand nach ihm aus, was sie doch durchaus hätte tun
können...
Er blieb täglich bei ihr, bis in der Dämmerung der Rollstuhl
ins Haus geschoben wurde und die Jalousien sich schlossen ... ihn
ausschlossen....
Nur des Nachts, alleine, suchte er wieder die Freiheit. Und in
einer solchen Nacht passierte es...
KAPITEL 13
Er kam dabei, eigentlich wie jede Nacht, auch auf das Grundstück
des Katzenhassers. Es war wie ein Zwang, seine Duftmarke auch hier
hinterlassen zu müssen. Seine Gegenwart und seinen Besitzanspruch
dadurch zu dokumentieren.
Er nahm nicht eigentlich wahr, was wirklich geschah. Da war diese
Schlinge, in der er sich verfing. Und dann dieser riesige, dunkle
Schatten. Der Schlag auf den Kopf.
...... Nacht, dunkle Nacht .... und kein Morgen........
....... und doch ein Erwachen ......
KAPITEL 14
... aber ein Erwachen, das voller Schmerzen war. Ein Erwachen auf
einer Müllkippe.
Tramp war auf einem Auge blind. Alles um ihn herum drehte sich.
Er hob kraftlos halb seinen Kopf.
Da hörte er lautes menschliches Rufen. Es drang in sein Hirn.
Nochmals hob er den Kopf. Zum letzten Mal?
Da wurde er ergriffen. Sein zerschundener Körper lag erstmals in
seinem Leben, kraftlos, in menschlichen Armen. Im letzten Moment war
er davor bewahrt worden, unter Müll begraben zu werden. Behandelt
wie Müll. Menschlicher Abfall. Aber durch einen Menschen auch
gerettet. Und durch einen Menschen, der groß war und eine tiefe
Stimme hatte.
Tramp befand sich das erste Mal in seinem Leben in
tierärztlicher Obhut.
Unabhängig von seinem Eindruck von Zweibeinern, auch durch
Zufügungen, die seinen zurzeitigen desolaten Zustand verursacht
hatten, hatte Tramp ja, außer der Erkenntnis, dass Zweibeiner auch
liebevoll sein können, niemals richtig Vertrauen fassen können, zu
dieser Spezies. Dieser zweibeinigen, zweistimmigen Spezies ....
Doch er genas .......
KAPITEL 15
Schon nach relativ kurzer Zeit, noch sterbensschwach, erkannte er
die Vorteile der neuen Behausung.
Was vorher Schreckliches geschehen war, lag für ihn im gnädigen
Dunkel der Vergangenheit und des Vergessens.
Er verlor die Angst ..... vor der tiefen Stimme, vor der großen
Statur ... vor dem männlichen Menschen. Er erkannte, dass Menschen
menschlich sind ...
Es war eine Zeit des Wandels.
Aber dennoch war in seinem Kopf stets gegenwärtig das eine Bild,
er hätte nicht sagen können, warum ... das Bild des Mädchens im
Rollstuhl.
Markus, sein neuer Freund, hatte eigentlich wenig Zeit für ihn.
Er hatte vielfältige Interessen. Aber er hatte auch viel Mitgefühl
für Schmerzen, die andere empfanden, egal ob Mensch oder Tier.
Tramp erholte sich täglich mehr. Sein neuer Freund Markus rief
ihn stets "Schach" ... und das wurde zu seinem zweiten
Namen.
Tramp-Schach lernte eine Katzentoilette zu benutzen, er lernte,
dass Eingesperrtsein und Eingesperrtsein zwei verschiedene Dinge
sind.
Tramp-Schach war aber trotzdem nicht glücklich ... und er wurde
unglücklicher, je mehr seine Genesung voranschritt...
Es fehlte ihm etwas.
KAPITEL 16
Markus wusste nicht mehr, was er noch machen sollte. Schach
drängte es in das Draußen. Er drängte sehr eindrucksvoll,
begleitet von allen, einem Kater zur Verfügung stehenden
Möglichkeiten, nach draußen.
Schach markierte die gemeinsame Wohnung. Nicht nur die Tür...!!!
Er markierte den Toaster und den Computer und er zerfetzte jedes
Blatt Papier, dessen er habhaft werden konnte.
Er benutzte jedes Möbelteil als Kratzfläche ... und das
strapazierte Markus Geduld natürlich aufs Äußerste.
Schach gewann den Nervenkrieg natürlich ....
Da war dieser Tag im Spätsommer ... ... Anfang September.
Markus kam nach Hause, er hatte einen anstrengenden Tag gehabt.
Es war schon spät. Markus war total genervt. Weder die Kollegen,
noch die Kunden, noch die sogenannten Vorgesetzten waren an jenem
Tag auch nur in irgendeiner Weise kooperativ gewesen.
Er fühlte sich ..... hmmmm ...... voll shit..... er war sauer
...
Dann war da Schach, auch unzufrieden. Gesund und kräftig
inzwischen.
Schach begrüßte ihn maunzend. Aber Markus hatte kein Auge für
ihn. Markus registrierte die neuerlichen Verwüstungen seiner
Wohnung.
Da war sein Computerturm. Markiert..... :-(
Und Markus schrie: " Schach, du Mistvieh ... alles habe ich
für dich getan ... du willst nicht bei mir bleiben??? Du willst
zurück ins Abseits .... in den Müll ......na, bitte
....???!!!"
Er riss die Tür auf, unbeherrscht ...... und Schach entwich
......blitzschnell, eingeschüchtert durch den Ausbruch seines
Vertrauensmenschen, der für ihn überraschend und nicht einzuordnen
war ......
KAPITEL 17
Markus war an diesem Abend absolut nicht in der Lage, klar zu
denken.
Aber mitten in der Nacht erwachte er, voller Reue.
Zwei Minuten später stand er auf und zog sich an. Mit der
Taschenlampe bewaffnet zog er los, um Schach zu suchen.
Still hoffte er, Schach vor der Tür sitzend zu finden. Eine
Hoffnung, die sich nicht erfüllte.
Noch dreimal ging Markus diese Nacht hinaus, hoffend, seinen
Fehler wieder gutzumachen. Erfolglos. Schach war und blieb
verschwunden.
KAPITEL 18
Tramp war verwirrt. Aber er war auch froh, wieder frei zu sein.
Frei. Keine beengenden Wände. Keine Türen, die, geschlossen, ihn
am Kommen und Gehen hinderten.
Und er witterte und er wusste .... in welche Richtung er sich
wenden musste.
Heim ...... zu seinem Mädchen ..... seiner Familie...
KAPITEL 19
Tina saß, hoffnungslos wie jeden Tag, in ihrem Rollstuhl.
Tina war voller Zorn, den sie aber niemals zeigte.
Tina war unleidlich geworden. Sie hasste die Mitleidsbekundungen
ihrer Klassenkameraden. Sie verabscheute die bedauernden
Äußerungen der Verwandtschaft, so gut sie auch immer gemeint sein
mochten. Keiner wusste, wie sie sich fühlte. Wie denn auch ????
Das Schlimme dabei war, dass Tina sich schuldig fühlte für ihre
Gefühle, als ginge es ihr nicht gerade auch ohne das schon schlecht
genug ...
Und Tina war allein ... in ihrem Innersten.
KAPITEL 20
Tramp folgte seinen Sinnen. Den Geräuschen und Gerüchen,
weniger den visuellen Eindrücken. Und er fand den Weg.
Und eines Nachmittags war er wieder da, so, als wäre er niemals
fortgewesen. Es war Oktober, ein Oktober mit vielen schönen Tagen.
Tramp begrüßte alte Freunde. Flix zum Beispiel, der ihn im
ersten Moment kaum erkannte, dann aber mit Tramp tollte, als wäre
er selber noch ein junger Kater. Hier fraß Tramp sich auch
erstmalig wieder satt.
Dann war da der Garten, sein Garten, seine Familie ..... und auch
sein Mädchen saß dort. Still. In sich gekehrt.
Tramp näherte sich und legte sich, wie immer in gebührendem
Abstand, auf den Rasen.
Drei Monate war er nicht hier gewesen, verschollen.
Und tatsächlich, als das Mädchen den Kopf wandte und ihn
erblickte, drang ein Schrei der Überraschung, dunkel, heiser, aus
ihrer Kehle. Sie streckte in vollkommener Verblüffung die Hand aus
.... und Tramp tat, was er noch nie zuvor getan hatte. Er sprang auf
und lief auf die Hand zu. Eine Sekunde zögerte er noch, bevor er
seine empfindliche Nase mit den ausgestreckten Fingern in Kontakt
brachte. Dann tat er es.
Es war als wäre ein Damm gebrochen, für beide, Mensch und Tier.
Tramp drängte sich in diese Hand, nach deren Berührung er sich
unbewusst gesehnt hatte. Tina weinte. Sie hatte Tramp für immer
verloren geglaubt, drei lange Monate waren vergangen, seit Tramp das
letzte Mal auf dem Rasen vor der Terrasse gelegen hatte.
Tina fühlte Glück ... und Tramp fühlte Glück ... und beide
genossen die Nähe ...
KAPITEL 21
Tinas Lähmung wurde auf den Unfallschock zurückgeführt. Aber
kein Spezialist hatte ihr bisher helfen können. Sie war apathisch,
verhielt sich ablehnend. Allen und allem gegenüber.
Weder ihre Eltern, noch ihre verbliebenen, wirklichen Freunde,
hatten es bisher geschafft, diesen Panzer aufzubrechen.
Aber jetzt gab es wieder Momente, in denen Tina lachte, sie
lachte ..... und Tinas Lachen war etwas absolut Einmaliges.
Wenn Tina lachte, war die Welt perfekt.
Tinas Lachen löschte unlösbare Probleme der
zwischenmenschlichen und auch anderen Art einfach aus dem Universum.
Und jetzt .... lachte Tina wieder. Sie lachte.
Und Tramp hörte ihr Lachen und es war wie früher.
Und Tinas Lachen ließ sein Hirn arbeiten ... er hätte es
ohnehin nicht verhindern können.
KAPITEL 22
Tina und Tramp veränderten sich.
Nach drei Tagen folgte Tramp Tina ins Haus. Nach allen Seiten
sichernd, sprungbereit. Als sich eine Tür unvermutet öffnete, war
er mit einem Satz wieder in der Dunkelheit verschwunden.
Tinas Eltern aber waren voller Geduld. Zu sehr waren sie
beeindruckt von der Veränderung zum Positiven, die sie an ihrer
einzigen Tochter bemerkten.
Eines war klar, Tramp liebte Tina ...
KAPITEL 23
... und Tina liebte Tramp ....!
Epilog:
Tina lernte wieder laufen. Sie fiel ungefähr
einemillionzweihundertdreiundsiebzigmal hin, bevor sie es packte.
Aber sie schaffte es.
Die Streuner-Tramp-Story ist unvollständig. Vielleicht könnt
ihr sie fortführen, variieren,
Es würde mich ... uns ... freuen
Emsie
uuund Fiedje ..... Autor ;))) |


subject: Der
Streuner, Teil 2, auch lang....
author: Katharina Rosner
date: Freitag, 18. Februar 2000 21:02
forum: news:de.rec.tiere.katzen
Kapitel 1
Der Morgen dämmerte. Träge schob sich die Sonne, wie eine
blutrot glühende Scheibe, über den Horizont. Es war November, und
graublaue Nebelschwaden hingen in Fetzen über den Wiesen,
verschleierten das erste Licht dieses kühlen Tages in ein Mysterium
aus fließenden Farben. Tramp öffnete sein verbliebenes Auge,
blinzelte verschlafen und gähnte herzhaft. Er lag heimelig warm auf
Tinas Bettdecke, er hörte wie sie atmete, und wie sie atmete sagte
ihm, daß sie noch tief und fest schlief. Langsam streckte er seine
langen Läufe, dehnte alle Muskeln, alle Sehnen, bis sie sich
geschmeidig und durchblutet anfühlten. Es war noch still im Haus,
niemand hantierte in der Küche mit dem Frühstücksgeschirr,
niemand duschte...sie alle schliefen noch. Lautlos glitt Tramp von
Tinas Bett, nur wer sehr feine Ohren hatte, hätte das leise Tappen
seiner Ballen hören können, als er zur angelehnten Türe ging. Er
drehte sich noch einmal kurz um und warf einen Blick auf sein
Mädchen, dann verschwand er, wie ein Schatten, bei dem man sich nie
sicher sein konnte, ob man ihn tatsächlich gesehen hatte.....
Kapitel 2
Die Novemberluft schlug ihm mit eisigen Fingern ins Gesicht, der
Wind fuhr ihm ungestüm durch sein Fell. Tramp hob die Nase, sog
diese frische, klare Luft ein und all die Botschaften, die sie ihm
brachte. Er roch das Laub, ein modriger, brauner Geruch, der zu
dieser Zeit die Duftlandschaft dominierte. Er roch den kommenden
Schnee, der in ein paar Tagen wieder alles in glitzerndes Weiß
tauchen würde. Und da war auch dieser stechende, bläuliche Geruch
den das Auto absonderte, das in der Einfahrt stand.
Er machte sich auf den Weg. Es galt, sein Revier zu markieren,
Eindringlinge fernzuhalten, nach dem Rechten zu sehen. Tramp hatte
versucht, sich von dem Grundstück des Katzenhassers fernzuhalten.
Lange hatte er einen Bogen darum gemacht, doch nach einiger Zeit
hatten sein Stolz und, nicht zuletzt, seine Instinkte die Oberhand
gewonnen, und er hatte begonnen seine Kreise enger zu ziehen. Stets
wachsam, stets bereit die Flucht zu ergreifen, sollte es auch nur
das kleinste Anzeichen von Gefahr geben. Heute sollte der Tag
kommen, an dem er das Grundstück seinem Gebiet wieder einverleiben
würde. Es war sein Revier, das war es immer schon gewesen und das
würde es wieder sein. Nicht viel mehr als ein flüchtiger Schemen
war zu erkennen, als er im Schatten voranhuschte, lautlos,
unsichtbar beinah. Noch ein kleines Stück, noch ein paar Meter
mehr, jetzt, ja jetzt hatte er es geschafft. Er war am richtigen
Platz und ließ seine Nase die zurückgelassenen Botschaften anderer
Kater ausfindig machen, er kannte die meisten Gerüche und wußte,
wer sich hier herumgetrieben hatte. Aber nicht mehr lange, denn ab
jetzt war es wieder sein Territorium. Er setzte seine Duftmarke
über alle anderen ab, damit auch jeder Bescheid wußte, daß er,
Tramp, wieder da war. Es war getan, er war zufrieden und wollte
schon seinen Weg fortsetzen, als der Wind sich plötzlich drehte und
ihm einen neuen, alarmierenden Geruch in die Nase wehte......
Kapitel 3
Tramp erstarrte mitten in der Bewegung, die Pfote noch erhoben, alle
Sinne konzentrierten sich auf diesen Geruch....es war ein
süßlicher Duft, der einen metallischen Geschmack auf seinem Gaumen
hinterließ, er färbte blitzschnell alle anderen Gerüche ein, als
wäre er eine klebrige Masse, die über alles gegossen worden wäre.
Es roch zäh, massiv, durchdringend....es roch nach Tod....
Kapitel 4
Langsam, sehr langsam, als würde sein Körper nicht seinem Gehirn
Folge leisten wollen, begann er, sich schrittweise in die Richtung
zu bewegen, aus der der Tod ihm entgegenschwelte. Sein Herz begann
schneller zu pochen, seine Muskeln waren aufs äußerste gespannt,
bereit, jederzeit zu reagieren. Tramp schlich, er duckte sich, sein
geschmeidiger Leib glitt lautlos durch das hohe Gras, das ihm
Deckung bot. Meter für Meter dem Geruch folgend, der mittlerweile
so intensiv war, daß er ihn förmlich an der Kehle packte und mit
sich zog. Und noch ein Duft mischte sich in diesen Cocktail, er
kannte ihn, und er wünschte, er würde ihn nicht kennen. Vor seinem
inneren Auge formte sich ein grausames Bild, er wollte es nicht
sehen, doch der Geruch zwang ihn hinzusehen. Und er wußte, daß es
wahr war, noch bevor er um die Ecke kam, noch bevor er mit seinem
verbliebenen, gesunden Auge den leblosen Körper sah, der da
ausgestreckt lag. Nein, es sah nicht aus, als würde er friedlich
schlafen. Es lag noch der Schrecken des Todeskampfes in seinen
Zügen, die Pfoten verkrampft angezogen, die Augen weit geöffnet
starrten sie in die Unendlichkeit, die ewige, einsame
Unendlichkeit....
Kapitel 5
"Tramp?", hallte eine helle Stimme durch die Kälte des
Morgens. Und nocheinmal:"Tramp? Traaamp!" Natürlich
kannte er Tinas Stimme, er wußte, er sollte jetzt zu ihr laufen,
aber er konnte nicht. Zu sehr zog der Schmerz an seinem Herzen, zu
sehr würgten ihn Wut, Zorn, Trauer. Er konnte einfach nicht zu ihr
gehen. "Tramp, wo bist du schon wieder?" -Stille-
"Tramp?" Er hörte wie sich Schritte näherten,
leichtfüßig lief sie, registrierte er nebenbei. Dann fiel ein
Schatten auf ihn, Tinas Schatten, die in ihrer leichten Weste
fröstelte. "Na, du Streuner?", sagte sie, an der Melodie
ihrer Stimme erfühlte er Wärme und Liebe, die ihn wie ein goldenes
Licht einhüllten. Tramp sah noch einmal auf den Leichnam und
verabschiedete sich von seinem besten Freund Flix, für den er sich
schon einmal geschlagen hatte, und der ihn so viele Male vor dem
Hungertod errettet hatte.....
Kapitel 6
Tina wollte sich gerade bücken um Tramp auf ihren Arm zu nehmen, um
ihn nach Hause ins Warme zu bringen und ihm Frühstück zu geben.
Das Bücken machte ihr manchmal noch ein wenig Schwierigkeiten,
Nachwirkungen ihrer "Zeit auf Rädern", wie sie diesen
Abschnitt ihres Lebens gerne nannte. Sie verharrte jedoch in ihrer
Bewegung, als sie einen Schatten im Gebüsch sah. Sie trat einen
Schritt näher, sah genauer hin...dann sog sie kurz und heftig die
Luft ein, packte Tramp, presste ihn an sich und rannte nach Hause so
schnell sie konnte....
Kapitel 7
Tramp hatte sich auf seinen Lieblingsplatz, das oberste Fach eines
Regals, zurückgezogen. Tramp trauerte. Er hatte keinen Appetit auf
sein Frühstück gehabt, aber das war ja auch kein Wunder. Er
fühlte in sich hinein und spürte eine große Lücke in seinem
Leben, die sich so leicht wohl nicht wieder schließen lassen
würde. Er hatte jemand verloren, nein, falsch, es war ihm jemand
genommen worden, der sehr wichtig für ihn gewesen war. Tramp
spürte Schmerz, der heiß und pochend durch ihn hindurchwallte, und
er spürte Zorn, hilflosen, verzweifelten Zorn.... Den ganzen Tag
hörte er aufgeregte Stimmen, die von Tina, die manchmal schluchzte,
die ihrer Mutter, die sich durch eine ganz eigene Melodie leicht von
allen anderen abhob, die ihres Vaters, dunkel und leise. Es wurde
viel telefoniert, das merkte Tramp an dem leisen "Klick",
wenn gewählt wurde. Und das Telefon läutete auch oft. Aber es
kümmerte ihn eigentlich nicht, es war ihm, als hätte er mit Flix
damals alles gehabt, und jetzt war er nicht mehr da, und es verlor
alles an Bedeutung.....
Kapitel 8
Am späten Abend dann, die Sonne hatte ihren Lauf schon längst
beendet und war in dem gleichen Himmel versunken, der sie am Morgen
über den Horizont geschoben hatte, wurde seine Aufmerksamkeit dann
doch noch erregt. Seltsame blaue Lichter zuckten durch die Fenster
herein, liefen an den Wänden entlang, flackernd, blitzend. Er sah
seine Familie im Garten stehen, Tina in ihre Weste gehüllt, eine
dunkle, zarte Silhouette, zwischen ihren Eltern. Sie sprachen mit
einem Mann den Tramp noch nie gesehen hatte, er konnte ihre Mutter
hören, ihre Stimme schwoll an und verebbte wieder, sie
gestikulierte heftig. Ihr Vater schien dem was sie sagte
zuzustimmen, das erkannte Tramp an der Melodie seiner Stimme. Der
fremde Mann schrieb einige Sachen auf einen Notizblock, dann
grüßte er, drehte sich um und ging zu einigen anderen Männer, die
genauso gekleidet waren wie er. Sie gingen zu dem Haus, wo der
Katzenhasser lebte.....
Kapitel 9
Tramp hatte nie genau herausfinden können, was da in jener Nacht
passiert war. Feststand, daß es in dem Haus seitdem ruhig blieb.
Nur noch selten sah der den Katzenhasser rein- oder rausgehen. Aber
Tramp hielt sich fern, zu lebhaft stand ihm noch der kalte Körper
des armen Flix vor Augen, zu schaurig noch die Erinnerung an diesen
klebrigen Geruch, der sich in sein Bewußtsein eingebrannt hatte. Er
beobachtete. Nichts was dort geschah, entging ihm. Er sah, wie der
Katzenhasser viele Sachen aus dem Haus brachte, aber nichts
hineintrug. Er sah wie ein großes, eckiges Auto beladen wurde und
dann wegfuhr. Einen Tag später sah er, wie der Katzenhasser in ein
Auto stieg und ebenfalls wegfuhr....aber er sah ihn nicht wieder
zurückkommen. Tramp konnte sich nicht erklären, warum er nicht
mehr hier war, aber es interessierte ihn auch nicht, solange das
Sicherheit und Freiheit bedeutete. Er hatte einmal gehört, wie
Tinas Mutter davon sprach "ihn vergrault" zu haben. Das
verstand er nicht, Graulen war doch was Angenehmes,...andrerseits,
wer sollte einen so bösartigen Zweibeiner schon graulen wollen?
Doch sicher nicht Tinas Mutter, hmmm.....
Liebe Grüße, Katharina, die sich vor Emsie und Fiedje verbeugt,
und hofft, mit dieser Fortsetzung den hohen literarischen
Ansprüchen des s.g. Hr. Dr. Fiedje gerecht zu werden. |


subject: DER
STREUNER, Teil 3 ....
author: Emsie
date: Samstag, 19. Februar 2000 20:04
forum: news:de.rec.tiere.katzen
DER STREUNER, Teil 3 ....
Kapitel 1
Tramp lebte nunmehr ein vollkommen anderes Leben. Mancher würde es
eventuell mit zivilisiert deklarieren. Tramp kontrollierte sein
Revier. Sein Misstrauen war allgegenwärtig.
Kapitel 2
Herr K.-H. Schmidt, so hieß der Katzenhasser, war seit dem Besuch
der Nachbarn desorientiert. Er war noch nie in seinem Leben
konfrontiert worden, mit Tierleiden. Aber, er hatte auch einmal eine
Familie gehabt. Sie war ihm genommen worden. Auch hier war ein
unverschuldeter Unfall der Auslöser... Die Männer der
Nachbarschaft hatten geklingelt. Er hatte geöffnet. Er sah sich
Hass gegenüber.
Aber ... da war auch Tinas Vater. Der verstand. Der alte Mann war
nur verwirrt.
Kapitel 3
Die Männer empfanden den alten Mann eigentlich wie ihren eigenen
Vater oder Großvater.
Er erzählte seine Story
Er hatte einst eine Ehefrau. Jung und schön. Und zwei Kinder.
Seine Frau ........ bremste .......... auf einer normalen
Landstraße ...
... erspart uns, das Drama zu schildern ...!!!
Seine Liebe war danach wie eingefroren ....
... muss-nun-wech ....;))))
Mit vielen Grüßen
Emsie ;))
|


subject: Re:
DER STREUNER, Teil 3, ....
author: Emsie
date: Sonntag, 20. Februar 2000 13:09
forum: news:de.rec.tiere.katzen
Liebe Katharina,
Katharina Rosner schrieb in Nachricht ...
>
>Emsie schrieb in Nachricht <88mpu6$qvk$1@news.nwn.de>...
>>DER STREUNER, Teil 3 ....
>
>
>>Herr K.-H. Schmidt, so hieß der Katzenhasser, war seit dem
>Besuch >>der Nachbarn desorientiert.
>
>He, Emsie, das gilt ja gar nicht. Ich habe den Typen ja schon
wegziehen >lassen! Was mach ich denn nu?? >Ihn wieder
einziehen lassen?!?
>
>Ratlose Grüße, Katharina
.........
Liebe Katharina,
entschuldige bitte, du hast ja recht.
Aber ich hatte auf einmal so eine Angst, dass die Nachbarn dem was
angetan haben, dem Katzenhasser ...... das liegt aber an deiner
eindringlichen Art zu schreiben. Ich bin an gar nix schuld ;)) ....
und da dachte ich, mach´ ich ihn ganz rasch, zwischen Tür und
Angel, etwas sympathischer ...;))
Gut ... er ist weggezogen ... aber ... hmmm, sagen wir mal, als die
Nachbarn dort auftauchten, war Matthäi am letzten. Der Katzenhasser
lebte auf einem Müllberg.
Chapter 1
Der Unfall, dem seine zweite Frau und sein kleines Kind zum Opfer
fielen, war durch eine über die Straße laufende Katze ausgelöst
worden. Die Frau hatte gebremst, ein LKW war aufgefahren ....
natürlich war nicht eigentlich die Katze schuld. Der LKW-Fahrer
war, geknechtet von unmenschlichen Arbeitsbedingungen (stand im
SPIEGEL), übermüdet und einen Moment nicht Herr seiner Reaktionen.
Aber in seinem verwirrten Gehirn manifestierte sich die Schuld der
Katze. Immer mehr driftete er ab vom normalen Leben. Flix war ihm
nicht zugelaufen. Ein weggezogener Untermieter hatte ihn nicht
mitgenommen. Dennoch hatte der alte Mann den Kater gefüttert. Doch
sein verstörtes Denken hatte immer mehr der Überzeugung
stattgegeben, dass dieser Kater schuld sei. Schuld an allem ....
sein Hass wuchs ... in Hilflosigkeit ....
Die Nachbarn, eigentlich zornerfüllt, ergriff angesichts der ganz
offensichtlich uneinordbaren Situation, Anteilnahme. Der alte Mann
war selber fast verhungert. Er war verdreckt, ohne es selber zu
merken. Er wurde in ein Krankenhaus eingewiesen.
Chapter 2
Tina war es, die, aus eigener, leidvoller Erfahrung, ihrem Mitleid
nachgab. Sie besuchte ihn, im Krankenhaus. Obwohl das Betreten
dieser Institution ihr schwer fiel. Der Geruch, die Geräusche .....
Der alte Mann reagierte merkwürdig auf Tina. Er nannte sie Helga
....
Chapter 3
Tina fand heraus, dass aus der ersten Ehe des alten Mannes ein Kind
hervorgegangen war. Eine Tochter. Helga .... Weitere Nachforschungen
ergaben, dass diese Tochter einen US-Bürger geheiratet hatte. Es
war nicht einfach, jemanden mit dem Geburtsnamen Smith (Schmidt) in
USA zu finden. Aber das Internet machte es möglich. Der
ausgefallene Name ihres Gatten, der hier nicht Erwähnung finden
soll, brachte den Erfolg.
Die Tochter Helga aus erster Ehe lebte in USA, Florida. Sie hatte
zwei erwachsene Kinder. Einen Sohn, eine Tochter. Und sie wollte
ihren Vater .....
So kam es, dass der Katzenhasser heimkehrte, heimkehrte in die
Fremde ..... denn da, wo du geliebt wirst, bist du daheim!
.............
puuuh ... alle gerettet?? ;))
Liebe Grüße
Emsie ... :o)
|


subject:
Bernstein was: Der Streuner
author: Katharina Rosner
date: Sonntag, 20. Februar 2000 13:27
forum: news:de.rec.tiere.katzen
Kapitel1
Der alte Mann saß im Wohnzimmer seines neuen Hauses, umgeben von
Kartons, die sich zu unübersichtlichen Türmen aufstapelten. Er
hatte auf einem dieser stabilen Kartons Platz genommen, und trank
eine Tasse Instantkaffee, der furchtbar schmeckte, aber zumindest
heiß war. Es war Dezember, kurz vor Weihnachten. Er sah aus dem
Fenster, das von Eisblumen bedeckt war, seine Gedanken wanderten in
die Vergangenheit....wie so oft. Weihnachten...er hatte nicht mehr
Weihnachten gefeiert, seit seine Frau und die Kinder
diesen....Unfall....gehabt hatten. Zwei Uniformierte hatten an
seiner Tür geläutet, seine Frau hatte auf der schneeglatten
Fahrbahn gebremst, wegen einer Katze. Es war unfaßbar für ihn
gewesen, er hatte seine Familie verloren. Wegen einer Katze. Mit
einem Schlag hatte er alles verloren und eine kalte Leere breitete
sich in seinem Leben aus, die alles, was es an guten und schönen
Dingen gab, gierig verschlang. Nach und nach ergriff sie auch von
seinem Herzen Besitz und alles, was sie hinterließ, waren
Bitterkeit und Schmerz. Jetzt gab es niemanden mehr in seinem Leben,
außer ihn selbst und den Haß auf Katzen. Er hatte sie gejagt,
gefangen und getötet. Er wollte sie auslöschen, ausradieren, so
wie diese Katze seine Familie ausgelöscht hatte. Dieser Haß war
es, der ihn antrieb, der ihn am Leben hielt. Aber jetzt meldete sich
eine kleine, spöttische Stimme in seinem Kopf, die flüsterte: Wie
viele Katzen hast du getötet, großer Kämpfer? "Viele",
dachte er, "sehr viele". Und hat es irgendetwas besser
gemacht? "Nein, es hat nichts besser gemacht." Er saß auf
der Kiste, die Tasse in beiden Händen haltend, und schüttelte den
Kopf, langsam und müde. "Nein", dachte er wieder,
"es hat nichts besser gemacht."
Kapitel 2
Weihnachten war vorbei. Wie jedes Jahr hatte er sich zu den
Festtagen zurückgezogen, verschanzt regelrecht. Er ertrug es nicht,
die feierliche Stimmung, die weihnachtliche Musik in allen
Kaufhäusern, der Schmuck, die Lichter....er ertrug es einfach
nicht. Wozu Weihnachten feiern, wozu an einen angeblich barmherzigen
Gott glauben, der ihm dennoch alles genommen hatte, was ihm lieb und
teuer war. Er hatte sein Haus beinah fertig eingerichtet. Eine
mühevolle, anstrengende Arbeit, da er niemand hatte, der ihm half.
Aber er hatte es auch alleine geschafft. Alles in seinem Leben hatte
er alleine geschafft, also warum nicht auch dies.
Kapitel 3
Es war der 1. Jänner, der erste Tag des neuen Jahres. Er war, wie
immer, früh aufgestanden und schlurfte nun in Pantoffeln und
Morgenrock in seine Küche um sich Kaffee zu machen. Instantkaffe.
Er haßte ihn, er wußte gar nicht, warum er ihn immer wieder
kaufte. Wahrscheinlich aus Gewohnheit. Seine Frau hatte den besten
Kaffee gekocht, den man sich nur vorstellen kann. Damals. Er
erinnerte sich an die heiteren, sonnigen Morgenstunden, wie der
Kaffeeduft sich aromatisch im ganzen Haus ausgebreitet hatte, es war
wie ein Versprechen, daß es ein guter Tag, ein lebenswerter Tag
werden würde. Ein Schluck von der heißen Brühe in seiner Tasse
holte ihn abrupt wieder in die Wirklichkeit zurück. Angewidert
verzog er das Gesicht, als wäre es Gift, das er da schlucken
müßte. Nach einem kurzen Moment des Nachdenkens, schüttete er den
Rest in den Ausguß, und nahm sich vor, morgen richtigen,
anständigen Kaffee zu kaufen. Lächerlich, höhnte ein Teil in
seinem Inneren, Kaffee ist Kaffee. "Nein, nicht
lächerlich", widersprach er vehement und ein zaghaftes
Lächeln huschte über seine Gesichtszüge. "Etwas verändert
sich", dachte er, "ich spüre es. Ich beginne mich zu
verändern."
Kapitel 4
Der Jänner hielt, was der Dezember versprochen hatte. Er deckte
alles mit einer dicken Schneeschicht zu. Er hatte in seinem neuen
Haus noch einige Veränderungen vorgenommen. Es war ihm in den Sinn
gekommen, die Küche in einem sonnigen, warmen Gelb auszumalen. Er
hatte neue Vorhänge gekauft, und Teppiche. Er wunderte sich über
sich selbst. Heute hatte er einen guten Tag. Selbst seine Knie
schmerzten nicht so sehr wie sonst. Er saß in seiner Küche und
trank eine Tasse Kaffee, richtiger Kaffee, dessen Aroma sich im
ganzen Haus wohlig ausbreitete. Versonnen blickte er aus dem Fenster
in seinen verschneiten Garten, und überlegte, ob er im Frühjahr
Blumen pflanzen sollte. Als ob er diesen Gedanken verscheuchen
wollte, schüttelte er den Kopf. "Blumen", dachte er,
"lächerlich." Womöglich noch Tulpen, stichelte die
Stimme in seinem Kopf. Tulpen, das waren die Lieblingblumen seiner
Frau gewesen. Gerade wollte er aufstehen, und die Tasse in die
Spüle stellen, als er meinte einen flüchtigen Schatten gesehen zu
haben. Dort beim Zaun. Er hielt inne, setzte sich wieder und sah
nocheinmal hin. Hatte er sich das nur eingebildet? Wahrscheinlich.
Seit er hier eingezogen war, hatte er weit und breit noch keine
Katze gesehen.
Kapitel 5
Am nächsten Morgen sah er dann die Spuren. Kleine Pfotenabdrücke,
die von seiner Veranda zu den Büschen führten, und sich dann dort
im Dickicht seinen Blicken entzogen. Also doch. War es also wieder
soweit. Die Entdeckung machte ihn nervös, unruhig schritt er den
ganzen Tag in seinem Wohnzimmer auf und ab und überlegte, was er
tun sollte. Na?, flüsterte die Stimme in seinem Kopf, na, großer
Kämpfer? Was tust du jetzt. Willst du sie alle töten?
"Ja", sagte er laut in die Stille des Raumes,
"ja." Und wieder spürte er den Schmerz, den Haß heiß
aufwallen. Sag mir, flüsterte die Stimmer weiter, was wird dadurch
besser? Er wußte keine Antwort. Er war verärgert und fühlte sich
auf einmal unsicher.
Kapitel 6
Er beobachtete. Er hatte sie schon einmal gesehen. Es war keiner
dieser großen Kater, mit dickem Fell und Ohren, die von zahllosen
Rangeleien schon ganz ausgefranst waren. Es war nicht mehr als ein
kleiner, orangefarbener Fleck, der da vor seinem Fenster
vorbeigehuscht war. Es mußte noch ein junges Kätzchen sein, ein
paar Monate alt. Der Sturm heulte um sein Haus und riß an den
Fensterläden. Er ertappte sich dabei, daß er darüber nachdachte,
wo dieses Kätzchen jetzt war. Ob es fror und hungrig war, oder ob
es vielleicht schon tot war. Er merkte, daß ihn dieser Gedanke auf
eine Weise betroffen machte, die ihm fremd war. Tag für Tag hielt
er nach dem roten Kätzchen Ausschau. Und wenn er es entdeckte,
spürte er eine Mischung aus Erleichterung und Ärger, die ihn
irritierte. Jeden Tag schlich es um sein Haus, und er konnte sich
doch nicht dazu aufraffen, hinauszugehen und es zu verjagen. Es wird
den Winter ohnehin nicht überstehen, dachte er, ohne jemanden der
ihm hilft. Etwas versetzte ihm einen kleinen Stich in der
Magengrube. "Ich könnte ihm helfen", dachte er,
"aber ich tu es nicht. Warum tu ich es nicht?" "Weil
ich Katzen hasse." "Und? Hat es irgendetwas besser
gemacht?" "Nein." "Nein."
Kapitel 7
Es war fast eine Woche vergangen, und er hatte die kleine Katze
nicht mehr gesehen. Jeden Tag hatte er in seinen Garten gespäht,
einmal war er sogar rausgegangen und hatte in den Büschen
nachgesehen. Nur um sicherzugehen, daß das Biest endgültig weg
war, wie er sich selbst einredete. Tief in seinem Inneren wußte er
es besser. Da gab es einen Ort in seinem Herzen, wo er sich Sorgen
machte und insgeheim wünschte, die Katze würde wieder auftauchen.
Doch sie blieb verschwunden.
Kapitel 8
Nach 15 Tagen, ja, er hatte mitgezählt, es waren 15 Tage gewesen,
saß sie aufeinmal wieder in seinem Garten. Mitten auf dem Weg, so
als wäre sie nie woanders gewesen. Als er sie sah, machte sein Herz
einen heftigen Sprung. Was sollte er jetzt tun? Er stand am Fenster
und beobachtete sie. Und er hatte das Gefühl, daß sie ihn
ebenfalls beobachtete. Warum läuft sie nicht weg? Wußte sie nicht,
daß er Katzen nicht ausstehen konnte? Nein, natürlich wußte sie
das nicht. Wie dumm, sowas zu denken. Sie ist einfach nur eine
kleine Katze, sie weiß nichts von mir, nichts von meiner Familie,
die sterben mußte, weil meine Frau einer Katze auszuweichen
versuchte. Sie weiß von alldem nichts. Sie ist einfach nur eine
Katze.
Plötzlich stand sie auf, drehte sich um und machte sich wieder
davon. "Nein", rief er laut aus, "nein!" Er lief
zur Tür und riß sie weit auf. Die Katze zuckte zusammen, drehte
sich um und verharrte. Da standen sie, er in der geöffneten Tür,
sie im Garten, und sahen sich an. Einen langen Augenblick, in dem
die Schneeflocken lautlos auf den Boden sanken, und auf den kleinen
Kopf dieser kleinen Katze. "Lauf nicht weg", flüsterte
er, mehr zu sich selbst, als zu sonst wem. Dann ging er in die
Küche zurück, er beeilte sich, eine Untertasse mit Milch zu
füllen. Immer wieder warf er einen nervösen Blick aus dem Fenster,
ob sie auch noch da wäre. Ob sie warten würde. Unsicher
balancierte er die Untertasse, die randvoll war, nach draußen.
Einmal schwappte die Milch über und tropfte auf den Boden. Sachte
stellte er die Untertasse auf den Boden seiner Veranda, dort fiel
zumindest kein Schnee hin. Dann ging er wieder zurück, schloß die
Tür und wartete....
Kapitel 9
Von diesem Tag an stand jeden Morgen eine Schale mit Milch auf
seiner Veranda. Fast verlegen war er vor sich selbst, als er im
Supermarkt einige Dosen mit Katzenfutter in den Einkaufswagen legte.
Die Katze besuchte ihn jeden Tag, pünktlich wie ein Uhrwerk.
Irgendwann ließ er sich sogar dazu hinreißen, einen seiner
überaus stabilen Umzugskartons mit alten Handtüchern auszulegen
und fühlte sich zu seinem Erstaunen überglücklich, als er
bemerkte, daß die Katze dieses Angebot angenommen hatte. Er fand
ihre orangefarbenen Haare darin, er legte seine Hand in die Mulde,
die dieser weiche Katzenkörper in die Handtücher gedrückt hatte,
und er lächelte, breit und übers ganze Gesicht.
Kapitel 10
Irgendwann schmolzen auch die hartnäckigsten Überreste des Schnees
dahin. Der Frühling kündigte sein Kommen mit heftigen, lauen
Winden an. Er hatte seine Türe offengelassen, während er im Garten
mit der Schaufel hantierte. Er war gerade dabei, Blumen zu pflanzen.
Tulpen, genaugenommen gelbe und weiße Tulpen. Als er sich einmal
kurz umdrehte, sah er wie die Katze, er hatte sie
"Bernstein" getauft, gerade aus der Wohnung spazierte. Sie
rieb sich am Türstock, so als wäre sie verlegen, daß sie einfach
so hineingegangen war. "Geh nur rein, Bernstein", murmelte
er, "drinnen steht Futter für dich." Dann dachte er:
"Naja, dann werd ich wohl eine Katzentür montieren
müssen." Und einmal mehr lächelte er, ein breites,
fröhliches Lächeln und er fühlte sich so gut, wie schon lange
nicht mehr. Sogar seine Knie schmerzten nicht so sehr wie sonst....
Na, Emsie?
Liebe Grüße, Katharina |


subject:
Der Streuner - Variation oder Fortsetzung (auch seehr lang) ;-)
author: Anja Tomczak
date: Dienstag, 22. Februar 2000 19:41
forum: news:de.rec.tiere.katzen
Liebe Leute,
nun habe ich hier auch eine kleine Fortsetzung zur Streuner-Story
geschrieben, die allerdings auf einer ganz anderen Schiene läuft
als die bisherigen Beiträge. Aber ich hoffe, das macht nix, es
hieß ja auch „variieren“. ;-))
Ich hoffe, ihr habt Lust, sie zu lesen und Freude daran. Ich hatte
beim Schreiben jedenfalls beides :-)
Der Streuner (Anschluß an Emsie’s Teil 1?)
Kapitel 1
Tramp lag dösend im hohen Gras des Gartens. Es war einer jener
Sommertage, an denen der Himmel in makellosem Blau erstrahlt und die
Luft schwer und süß vom Duft der Blumen ist. Die hellen
Sonnenstrahlen schienen durch das Geäst der kleinen Buche, in deren
Halbschatten Tramp lag, und hinterließen bizarre Muster auf seinem
Fell.
Eine Biene, noch trunken vom Nektarbad in einem Blütenkelch,
taumelte summend auf den Liegeplatz des Katers zu und umschwirrte
wagemutig seinen Kopf. Tramp zuckte mit den Ohren. Doch das Summen
wurde lauter. Er öffnete sein verbliebenes Auge einen Spalt breit
und blinzelte in die Sonne. Mit einem beiläufigen Pfotenschlag
brachte er das lästige Insekt zum Verstummen.
Einmal wach, beschloß er, sich auf die Pfoten zu machen. Seine
innere Uhr sagte ihm, daß es sowieso Zeit sei, denn Tina mußte
bald von der Schule nach Hause kommen.
Tramp gähnte herzhaft und begann, sich ausgiebig zu dehnen und zu
strecken, wobei er seine Krallen genüßlich in den weichen
Grasboden bohrte. Dann drehte er den Kopf und brachte rasch mit
seiner Zunge einige durch den Schlaf zerzauste Haare auf seinem
Rücken in Ordnung.
Auf dem Weg durch den Garten genehmigte er sich noch einen kleinen
Schluck herrlich grün schmeckendes Wasser aus der Regentonne und
setzte sich dann an dem kleinen Gartentor nieder, um dort, wie jeden
Tag, auf Tina zu warten ...
Kapitel 2
Tina saß im Bus und strahlte. Sie war schon immer ein fröhlicher
und gutgelaunter Mensch gewesen, aber heute hätte sie mit ihrem
Lächeln ohne jede Mühe den Preis für das glücklichste Gesicht
des Tages gewonnen!
Als sie aus dem Bus stieg, schwebte sie mehr als sie ging den
schmalen Weg zu ihrem Zuhause entlang. Sie stieß das Gartentor auf
und nahm Tramp, der ihr um die Beine schnurrte, in ihre Arme. „Tramp,
ach Tramp, mein Liebster!“ jauchzte sie und schwenkte ihn in der
Luft herum, während sie sich selbst um ihre eigene Achse drehte.
Gemeinsam tanzten sie über die Wiese.
Nur Tina durfte so etwas mit Tramp machen, jeder andere hätte seine
scharfen Krallen zu spüren bekommen! Aber bei Tina sah er darüber
hinweg, daß ihm von der Dreherei bereits schwindelig wurde. Ihr
hätte er fast alles gestattet, weil er sie liebte und ihr
vertraute.
Atemlos sank Tina mit Tramp in das Gras und setzte ihn behutsam ab.
Sie nahm seinen dicken Katerkopf in ihre schmalen Hände und begann,
seine Wangen zu kraulen. Tramps Schnurren wurde noch um einige Grade
intensiver und er gab sich ganz der Liebkosung hin.
„Tramp, er hat mich eingeladen! ER! Morgen abend haben wir ein
Rendezvous! Oh, Tramp, ich bin ja sooo glücklich!“ Tina seufzte
tief und innig, während sie verträumt in den blauen Himmel
schaute. Tramp war es egal, solange sie nur nicht mit dem Kraulen
aufhörte ...
Kapitel 3
Etwas stimmte nicht! Etwas stimmte ganz und gar nicht! Tramp saß
auf dem Fensterbrett und schaute mißmutig aus dem Fenster. Sein
Schwanz peitschte nervös auf und ab. Er war verärgert und
enttäuscht.
Nun war es wieder passiert, daß Tina nicht zur normalen Zeit aus
der Schule gekommen war und er vergebens auf sie am Gartentor
gewartet hatte.
Seit diesem einen Abend, als sie aufgeregt durch die Wohnung gefetzt
war und seinen Lieblingsplatz auf ihrem Bett durch den vermutlich
gesamten Inhalt ihres Kleiderschrankes belegt hatte (was ihn
allerdings nicht davon abgehalten hatte, sich trotzdem darauf zu
legen), war alles anders geworden.
Ein fremder Besucher war mit einer lärmenden Höllenmaschine
gekommen. Der Bursche hatte lässig in der Haustür gestanden und
für Tramps Begriffe gräßlich nach Zigarettenrauch und Motorenöl
gestunken, während Tina, hochrot im Gesicht, irgend etwas
stammelte, sich einen Helm überstülpte und mit dem Typen
verschwand.
Und das Schlimmste war, sie hatte vergessen, ihm zum Abschied über
den Rücken zu streicheln, wie sie es sonst immer tat!
Dies hatte sich an den letzten Abenden mehrfach wiederholt. Auch kam
sie jetzt nicht mehr mit dem Bus von der Schule, sondern wurde von
diesem Etwas auf seinem brüllenden Ungetüm nach Hause kutschiert,
meist erst Stunden nach der üblichen Zeit.
War Tina da, war sie trotzdem irgendwie abwesend. Wenn sie Tramp
streichelte, flüsterte sie dabei zärtlich einen Namen, der nicht
seiner war. Oder hatte sie ihn etwa auf „Oliver“ umgetauft??
Anstatt mit ihm zu spielen oder durch den Garten zu jagen, lag sie
nun meist träumend auf ihrem Bett. Tramp war verzweifelt und
wütend! Was sollte er bloß tun? Er vermißte die Zuneigung seiner
Tina, sie war ihm Lebensinhalt und er mußte sie zurückerobern!
Kapitel 4
Tina war sich nicht bewußt, daß sie Tramp vernachlässigte. Sie
war zum ersten Mal in ihrem jungen Leben wirklich und wahrhaftig
verliebt, in Oliver, den smarten Jungen eine Klasse über ihr. Es
wurde zwar erzählt, daß er die Mädchen wechsle wie die Hemden,
aber das wollte Tina nicht hören.
Sie war einfach nur glücklich und hielt jede Warnung ihrer
Freundinnen für Neid! ER, der coole und immer trendige Oliver,
hatte sie auserwählt und nun waren sie zusammen! Sie schwebte auf
rosa Wolken und wollte sich durch nichts und niemand ihr Glück
zerstören lassen! Sie richtete ihr Leben ganz nach den Wünschen
von Oliver ein, hatte Zeit, wenn er Zeit hatte und fand Spaß an
Dingen, an denen er Spaß hatte.
In ihrer Verliebtheit merkte Tina nicht, daß Tramp immer trauriger
wurde ...
Kapitel 5
Tramp saß im Garten und starrte betrübt auf die Regentonne, in
deren Wasser einige unachtsame Insekten um ihr Überleben kämpften
und sich an den toten Körpern weniger glücklicher Artgenossen
klammerten, um dem Naß zu entkommen.
Es war Sonntag und er war allein. Alle waren weggefahren.
Gelangweilt beroch Tramp eine kleine Spinne, die vor Schreck starr
am Boden verharrte, als ihn das Geräusch eines näherkommenden
Motors aufmerksam werden ließ. In der Auffahrt des
Nachbargrundstückes hielt ein großer Möbeltransporter. Tramp
erinnerte sich sofort, es war das Grundstück des Katzenhassers, der
seinen Freund Flix auf dem Gewissen hatte. Der Katzenhasser war
jedoch weggezogen und seitdem hatte das Haus leergestanden.
Nun schien sich dort drüben wieder etwas zu tun. Tramp schlich auf
leisen Sohlen zu der dunkelgrünen Ligusterhecke und spähte
aufmerksam durch eine Lücke im dichten Blattwerk.
Nebenan waren mehrere Menschen damit beschäftigt, Möbelstücke aus
dem Transporter in das Haus zu tragen.
Plötzlich bekam Tramp große Augen und erstarrte zur Reglosigkeit.
Sein Schwanz zitterte und sträubte sich unwillkürlich, während er
spürte, wie sich seine Nackenhaare aufrichteten. Auf einem
abgestellten Karton in der Nähe der Terrasse lag einer seiner Art!
Es war ein großer rotgestromter Kater, der sich auf dem Karton faul
in der Sonne räkelte und dem Treiben um ihn herum gelassen
zuschaute. Ein Junge beugte sich gerade über den Kater und
streichelte ihn liebevoll. „Ja, Mephisto, hier wird es uns
gefallen, nicht wahr?“ redete er dem Kater zu, bevor er sich
wieder umdrehte, um seinen Eltern beim Auspacken der Sachen zu
helfen.
Tramp wußte, daß er sich dem Neuen zeigen mußte. Nachdem drüben
der größte Trubel vorbei war und die Leute alle Möbelstücke aus
dem Transporter in das Haus geladen hatten, trat Tramp aus dem
Gebüsch und schritt direkt auf den fremden Kater zu. Schließlich
war das hier sein Revier und der Neuankömmling hatte sich ihm
unterzuordnen!
Als Mephisto ihn bemerkte, sprang er erschrocken auf und blickte ihn
unsicher an. Tramp musterte den Burschen mit einem abschätzenden
Blick von oben bis unten. Nun erkannte er ganz deutlich, was er aus
der Ferne nicht hatte wahrnehmen können. Mephisto war ein Kastrat!
Also keine Gefährdung für sein Revier. Eigentlich konnte der
Ärmste ihm sogar leid tun!
Solchermaßen beruhigt, ging Tramp nun freundschaftlich auf Mephisto
zu und begrüßte ihn. Mephisto, froh darüber, keinen Streit mit
dem Revierkater bekommen zu haben, zeigte sich hocherfreut und schon
bald saßen beide einträchtig zusammen auf der Terrasse und
tauschten Erfahrungen aus.
„Ach, Mephisto, hast Du schon einen Freund gefunden?“ fragte
plötzlich eine angenehm weiche Stimme leise hinter ihnen. Im ersten
Impuls erschrak Tramp bis ins Innerste, er fuhr herum und wollte
flüchten. Aber der Junge, denn um den handelte es sich, hielt
Abstand zu beiden und sah auch gar nicht bedrohlich aus, wie er so
dahockte und freundlich lächelte.
„Du bist aber ein Prachtexemplar!“ lobte er Tramp und blickte
ihn bewundernd an. Mephisto erhob sich von seinem Platz und strich
seinem Dosenöffner maunzend um die Beine. „Ja ja, Mephi, nur kein
Neid! Du bist und bleibst für mich der Schönste!“ beruhigte er
seinen Kater lachend.
„Und Du?“ lockte er Tramp wieder „Willst Du nicht auch ein
paar Streicheleinheiten haben?“ Aber das ging Tramp nun doch zu
weit. So sehr er sich auch nach Zärtlichkeiten sehnte, aber sie
sollten ja von seiner geliebten Tina kommen und nicht von diesem
Jungen, wenngleich er Tramp auch sehr sympathisch war.
Dies erinnerte ihn wieder an sein altes Problem, für das er immer
noch keine Lösung hatte. Traurig wandte er sich um und lief zur
Hecke hinüber. „Komm uns doch mal wieder besuchen, wir freuen
uns!“ rief ihm der neue Nachbar noch hinterher und Mephisto
bestätigte dies durch ein kurzes Mau.
Kapitel 6
Tina kam erst spät nach Hause. Sie war mit Oliver in der Disco
gewesen und es hatte Streit gegeben. Sie konnte nicht verstehen,
wieso es normal sei, daß Oliver mit anderen Mädchen tanzte und sie
sogar küßte, während sie allein am Tisch saß und darauf wartete,
daß er für sie Zeit hatte.
Sie hatte ihm gezeigt, daß sie das nicht gut fand, aber er hatte
ihr deutlich gemacht, daß Flirten für ihn dazu gehöre, dies aber
nix zu bedeuten hätte, da er nur sie liebe. Sie müsse das
tolerieren, so sei er nun mal!
Er hatte ihr vorgeworfen, spießig, überempfindlich und intolerant
zu sein. Sie hatte dazu geschwiegen, denn sie wollte ihn nicht
verlieren. Sie liebte ihn eben mit jeder Faser ihres Herzens! Aber
gerade deshalb taten ihr seine Worte und sein Verhalten so weh...
Müde und traurig öffnete sie die Wohnungstür und knipste das
Licht an. Ihre Eltern waren schon längst im Bett und schliefen. Sie
wunderte sich ein bißchen, daß Tramp ihr nicht wie üblich
entgegenkam, aber vermutlich lag auch er schon auf ihrem Bett und
träumte seine Katzenträume.
Sie zog sich aus und wusch sich. Vor dem Spiegel verharrte sie und
sah sich an. Plötzlich füllten sich die Augen ihres Spiegelbildes
mit Tränen, liefen über die Wangen und tropften geräuschlos auf
den Boden. Sie brauchte jetzt Trost! Sie brauchte jetzt Tramp!
Tina lief ins Schlafzimmer. Dort blieb sie erschrocken stehen, denn
Tramp lag nicht wie sonst in ihrem Bett. Tramp war nicht da!
Sie lief zurück ins Wohnzimmer. Hier war Tramp auch nicht! In die
Küche. Kein Tramp! Tina durchsuchte alle Räume des Hauses und mit
jedem leeren Zimmer wuchs eine schreckliche Angst in ihrem Herzen.
Wo war Tramp?
Schließlich öffnete sie leise die letzte Tür zum Schlafzimmer
ihrer Eltern und spähte hinein. Nein, auch hier war Tramp nicht zu
finden! Tina brach in Tränen aus. Ihre Eltern erwachten und
sprangen besorgt aus den Betten. „Tina, was ist passiert? Warum
weinst Du denn? fragten sie wie aus einem Munde. „Tramp ist weg!“
schluchzte Tina.
Die Eltern schauten sich erschrocken an. „Ist er denn nicht mit
Dir hereingekommen?“ fragte die Mutter bestürzt. „Wir haben ihn
heute morgen noch gesehen, wie er hinausging, aber heute abend kam
er nicht zurück. Wir dachten, er wartet draußen auf Dich, wie er
es sonst immer tut.“
Ein tiefes Schuldgefühl ergriff Tina, als sie diese Worte hörte.
ER WARTET DRAUßEN AUF DICH hallte es in ihrem Kopf wieder und mit
einem Schlag wurde ihr bewußt, wie sehr sie ihren geliebten Kater
vernachlässigt hatte, seit sie Oliver kannte. Wann hatte sie sich
das letzte Mal Zeit für eine ausgiebige Spielstunde mit ihm
genommen? Wann das letzte Mal mehr als nur flüchtig mit ihm
geschmust? Tina wurde das Herz schwer, wenn sie daran dachte, was
sie Tramp angetan hatte!
Sie sprang auf und rannte in den Garten. Verzweifelt rief sie Tramps
Namen, immer und immer wieder. Aber Tramp kam nicht ...
Kapitel 7
Tramp lief über das Getreidefeld. Die Ähren der Gerste waren noch
nicht vollständig reif, hatten aber schon einen goldenen Schimmer
und bewegten sich leicht hin und her schwingend im Wind wie anmutige
Tänzerinnen.
Es war immer noch Sommer und Tramp fiel es nicht schwer, von dem
reichen Nahrungsangebot der Natur satt zu werden, zumal er ein
hervorragender Mäusefänger war.
Aber Tramp war nicht glücklich. Er hatte Tina verlassen, weil er
sich von ihr verlassen gefühlt hatte. Trotzdem vermißte er sie
schrecklich und er war mehr als einmal beinahe wieder umgekehrt.
Ein Geräusch riß ihn aus seinen trüben Gedanken, das Geräusch,
auf welches er die ganze Zeit schon gewartet hatte. Sein Blut geriet
in Wallung, er vergaß seine Sorgen und konzentrierte sich ganz auf
das kleine dunkle Loch vor ihm, aus dem ein verlockender Duft
strömte. Seine weit geöffneten Augen fixierten starr einen Punkt.
Seine Schnurrhaare zitterten. Er spürte, wie sich jeder Muskel
spannte, als das Adrenalin seinen Körper überflutete und sich
seine Hinterbeine zum Sprung sammelten. Dann sprang er!
Bevor die Maus überhaupt begriff, was passierte, hatte er sie
bereits zwischen seinen rasiermesserscharfen Krallen gepackt und
tötete sie sofort mit einem einzigem Biß in den Nacken. Auf
Spielereien hatte er heute keine Lust! Nachdem er die Maus verputzt
hatte, erhob er sich, leckte sich noch ein paarmal links und rechts
über die Schnauze und lief los.
Er war wieder unterwegs, wie früher. Er war wieder ein Streuner,
ein Tramp ...
Kapitel 8
Seit einer Woche war Tramp nun verschwunden. Tina und ihre Eltern
hatten die ganze Umgebung abgesucht, alle Nachbarn befragt und
Steckbriefe an den Bäumen geklebt. Vergebens. Tramp war und blieb
verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt!
Als es klingelte, sauste Tina hoffnungsvoll zur Tür, um zu öffnen.
Vielleicht war es jemand, der etwas über den Verbleib von Tramp
wußte? Aber es war Oliver. Er begrüßte sie wie immer betont
lässig mit einem angedeuteten Kuß auf ihre Wange. „Bist Du
fertig für die Fete bei Birgit?“ fragte er sie.
„Nein, tut mir leid, Oliver, ich kann nicht“ entschuldigte sich
Tina verlegen. „Du weißt doch, Tramp ...“.
Oliver schaute genervt. „Tina! Seit Tagen hast Du nur noch ein
Thema drauf, diese blöde Katze! Sie ist weg. Na und? Vergiß sie
einfach! So eine Katze findest Du an jeder Straßenecke!“
Tina blickte Oliver entsetzt an. „Aber, Oliver ...“ begann sie.
Oliver verzog gelangweilt das Gesicht. „Tina, wozu habe ich denn
eine Freundin, wenn sie nie Zeit für mich hat? Komm, Mädel, mach
keinen Streß und zieh dich um! Wir gehen zur Party!“
„Du könntest ja mit mir gemeinsam nach Tramp suchen“ schlug
Tina leise und mit trauriger Stimme vor. Oliver schnaubte
verächtlich. „Ich renne doch nicht wegen diesem blöden Vieh
durch die Gegend! Ne, nicht mit mir!“
Tina fühlte, wie Wut und Enttäuschung in ihr aufstieg. Nur um
Oliver zu gefallen, hatte sie ihre ganze Zeit mit ihm verbracht und
dabei Tramp vernachlässigt. Und nun sollte sie die Suche nach Tramp
aufgeben, nur weil er zu einer Party wollte? Nein! Das konnte sie
nicht tun! Wenn er sie liebte, würde er das verstehen!
Sie hob den Kopf, sah Oliver fest in die Augen und sagte bestimmt
„ich gehe nicht zu dieser Party, ich suche Tramp!“.
Oliver verzog das Gesicht, dann zuckte er kurz mit den Achseln. „Ist
mir auch egal. Dann gehe ich eben mit Melanie zur Fete. Die steht
schon lange auf mich und ist nicht so zickig wie Du!“ Er grinste
Tina an, die ihn fassungslos anstarrte, dann drehte er sich um und
ließ sie stehen.
Tinas Herz pochte ihr bis zum Halse und Tränen traten in ihre
Augen. Aber es waren Tränen der Wut und der Erleichterung. Wut
über Olivers rücksichtsloses Verhalten. Wie hatte sie nur diesen
Typen lieben können, der sie so eiskalt abservierte, wenn es nicht
nach seinen Wünschen ging?
Sie dachte an ihren geliebten Tramp und plötzlich fühlte sie sich,
als wäre ihr eine große Last von den Schultern genommen worden.
Ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, als sie sich umdrehte und
die Tür schloß.
Kapitel 9
Tramp hatte sich wieder einige Futterstellen organisiert. Er fraß
mal hier und mal dort bei einigen Leuten, aber bei keinem blieb er
länger. Von niemanden ließ er sich berühren. Zu niemandem faßte
er Vertrauen.
Die Sehnsucht in Tramps Herzen nach Tinas Nähe war stark. Aber war
sie auch stärker als die Angst vor einer neuen Enttäuschung?
Kapitel 10
Etwas berührte ihr Gesicht. Es war angenehm weich und kitzelig und
irgendwie vertraut. Tina wagte nicht, sich zu bewegen. Sie atmete
vorsichtig durch die Nase ein. Der Geruch war ebenfalls vertraut,
warm und lebendig. Und plötzlich wußte sie, was sie spürte und
roch. Es war der Geruch und das Fell einer Katze! War es ...
TRAMP???
Tina öffnete die Augen und schaute auf. Sie sah in große grüne
Augen, umrahmt von einem zotteligen rotgestromerten Pelz und just in
diesem Augenblick schnellte eine flinke rosa Katzenzunge aus dem
Maul und erwischte sie an der Nasenspitze.
Lachend wehrte Tina Mephisto ab und kraulte ihm das Fell. Der
schmerzhafte Augenblick der Enttäuschung blieb jedoch in ihrem
Herzen. Es war nicht Tramp gewesen.
Vor ihrem Liegestuhl, den sie im Garten aufgestellt hatte, stand
Marcel, zu dem Mephisto gehörte. „Hey“ rief Tina fröhlich „pfeif
Deinen Löwen zurück!“. Marcel, dessen rotes Haar dem seines
Katers glich, grinste sie freundschaftlich an und nahm ihr Mephisto
aus dem Arm. „Komm, Mephi, die Dame steht nur auf Tiger!“
Tina und Marcel hatten sich kennengelernt, als Tina alle Nachbarn
nach Tramp befragte. Marcel hatte ihr versprochen, bei der Suche
nach dem Kater zu helfen. Er steckte voller Ideen und Ratschläge
und war ihr in den letzten Tagen ein guter Freund geworden, der ihr
Trost und Mut spendete, nicht aufzugeben.
Marcel setzte sich neben Tina ins Gras und sah sie an. „Tina, ich
habe da eine Idee!“. Während Tina erwartungsvoll zuhörte,
begannen ihre Augen vor Freude zu strahlen ...
Kapitel 11
Das Flugzeug kreiste in weitem Bogen über die Stadt. Es zog ein
großes knallgelbes Banner durch die Luft, auf dem eine schwarze
Katze mit weißem Brustfleck abgebildet war. Darunter stand in
riesigen Lettern: Gesucht: TRAMP
Auf der Straße blieben die Leute stehen und schauten zu dem
Flugzeug auf. Plötzlich begann es zu regnen. Es regnete hunderte,
nein, tausende von gelben Flugblättern herab, ein jedes bedruckt
mit Tramps Bild und Beschreibung und der Adresse von Tina.
Die Menschen bückten sich nach den gelben Zetteln und lasen sie.
Viele steckten sie ein, um Freunde und Bekannte nach der Katze zu
fragen.
Das Flugzeug zog noch einen weiteren Kreis und verschwand im blauen
Himmel, auf dem Weg zum nächsten Ort ...
Kapitel 12
Diese Futterstelle war Tramp bereits zur Gewohnheit geworden. Hier
bekam er immer ausreichend Futter und es war stets ein Napf frisches
Wasser vorhanden (auch wenn er abgestandenes Wasser bevorzugte,
konnte er in trockenen Zeiten manchmal nicht wählerisch sein).
Während er sich an dem Futter labte, sah ihm die junge Frau am
Fenster dabei zu. Das störte ihn nicht, denn das tat sie immer. Er
bemerkte nicht, daß die Frau etwas in ihren Händen hielt. Immer
wieder schaute sie auf das gelbe Blatt und verglich den Kater auf
dem Bild mit „Kolumbus“, denn so hatte sie den Streuner heimlich
getauft. Ja, es gab keinen Zweifel, er war es! Seufzend trat sie vom
Fenster zurück und ging zum Telefon ...
Kapitel 13
Nervös stand Tina am Fenster und starrte in die Dunkelheit des
Gartens. Der Abend war schnell hereingebrochen und hatte das Licht
förmlich aufgesogen. Zurück blieb ein undurchsichtiger Schleier
miteinander verwobener Schatten, der es schwer machte, zwischen
Realität und Phantasie zu unterscheiden. Hatte sich da nicht eben
etwas in den Büschen bewegt? Hatte sie nicht das leise Tappen von
herannahenden Pfoten gehört?
Tina stand nun schon den dritten Abend am Fenster der jungen Frau,
die ihren Kater gesehen zu haben glaubte. Die Aktion mit dem
Flugzeug war ein voller Erfolg gewesen. Dabei spielten die
Beziehungen von Marcels Eltern eine wichtige Rolle und mit etwas
Überredungskunst hatten Tina und Marcel es geschafft, daß die
Eltern diese Beziehungen auch nutzten. So hatte die Suchaktion einen
weit größeren Umkreis erfaßt, als es mit Steckbriefen an Bäumen
jemals möglich gewesen wäre.
Und letztendlich hatte dies Tina hierher geführt, an dieses
Fenster. Da stand Tina nun und wartete und hoffte, wartete und
hoffte ...
Kapitel 14
Tramp bewegte sich lautlos über den Rasen, der von dichtem
Buschwerk umsäumt war. Bereits hier konnte er den Duft des Futters
im Napf riechen. Aber neben diesem lag noch ein anderer Geruch in
der Luft, schwach nur, in kleinen Fetzen, fast unkenntlich, aber
irgendwie vertraut! Eine seltsame Unruhe erfaßte Tramp, sein
Schwanz zuckte und seine Schnurrhaare bebten, während er mit
gespitzten Ohren die Umgebung sicherte. Aber es war nichts
Ungewöhnliches zu hören. Schließlich siegte seine Neugier und der
Hunger und er trat aus dem Schutz der Büsche heraus an den
Futternapf.
Kapitel 15
Tina sah ... TRAMP! Sie wollte rufen, locken, brachte aber keinen
Ton über die Lippen. Wie versteinert sah sie zu, wie Tramp sich
über das Futter hermachte. Endlich löste sich der Knoten in ihrem
Hals und sie rief leise seinen Namen: „Tramp“.
Tramp zuckte zusammen! Da war sie, die Stimme, die er so sehr
vermißt hatte! Seine Tina! Sie war da, war zu ihm gekommen! Sie
hatte ihn gesucht und gefunden! Die Freude überwältigte ihn und
ließ ihn alle Enttäuschung vergessen. Mit steil erhobenen Schwanz
eilte er auf Tina zu, die inzwischen auf die Terrasse getreten war.
„Tramp, mein Tramp! schluchzte Tina, während ihr die Tränen
über die Wangen liefen. Immer und immer wieder fuhr sie ihm
liebkosend durch das Fell, während Tramp ihr mit kurzen und langen
Miiiau‘s seine Erlebnisse, seine Sehnsüchte und seine Freude
mitteilte ...
Kapitel 16
Tramp lag dösend im kurzen Gras des Gartens. Es war einer jener
Herbsttage, an denen der Himmel weit und klar und die Luft vom
wirbelnden Tanz des buntgefärbten Laubes erfüllt ist.
Die Sonne wärmte ihm das Fell und er räkelte sich in ihren
goldenen Strahlen. Es war Zeit, sagte ihm seine innere Uhr. Er stand
auf, streckte seine Glieder und bohrte die Krallen dabei in den
weichen Grasboden. Mit seiner Zunge ordnete er schnell ein paar
durch den Schlaf zerzauste Haare an seiner linken Vorderpfote.
Am Gartentor nahm er seinen Platz ein und wartete ...
Er brauchte nicht lange zu warten, bis Tina und Marcel fröhlich
lachend und sich gegenseitig neckend den kleinen Weg entlang kamen.
Erwartungsvoll maunzend stand er auf und wurde von beiden mit
Streicheleinheiten überschüttet.
Gemeinsam rannten sie in den Garten, wo Marcel Tina in die Arme nahm
und durch die Luft schwenkte, während er sich um seine eigene Achse
drehte. Tramp setzte sich mit etwas Abstand daneben und sah dem
Treiben gutgelaunt zu.
Atemlos sanken Tina und Marcel in das Gras. Tramp eilte herbei und
während Tina ihn am Kopf kraulte und Marcel ihm über den Rücken
strich, gaben sich die beiden einen Kuß.
Tramp war es egal, solange sie nur nicht mit dem Kraulen aufhörten
...
Ende
Liebe Grüße
Anja und Charly
|


subject:
Tramp/Bernstein ....ab Kapitel 11 ..;)
author: Emsie
date: Freitag, 25. Februar 2000 19:01
forum: news:de.rec.tiere.katzen
Kapitel 11
Die Nachbarn hatten länger nichts mehr von dem alten Mann gehört.
Das war sehr ungewöhnlich. Er war als, freundlich ausgedrückt,
exzentrisch verschrien. Und nicht nur das, auch als Querulant ....
jemand, mit dem man lieber nichts zu tun haben wollte.
Der nahende Frühling ließ die Menschen jetzt wieder mehr in ihren
Gärten sein. An diesem Samstag war auch Tina im Garten. Blumen
pflanzen bereitete ihr Spaß. Sie pflanzte Tulpen. Sie liebte
Tulpen. Tulpen waren Frühlingsboten. Hoffnungsverkünder auf
sonnige Tage. Seit der Genesung nach ihrem schweren Unfall, waren
ihr viele Dinge wichtiger geworden. Dinge, die vorher alltäglich
waren, hatten jetzt eine Bedeutung bekommen. Man könnte sagen, dass
sie all das Schöne rundherum bewusster wahrnahm. Tramp lag auf dem
Rasen und sah ihr zu.
Als Tina aufsah, sah sie plötzlich den alten Mann am Zaun stehen.
ein Zaun, den er gebaut hatte. Irgendwann. Das war schon lange her.
Der Zaun hatte ein Lücke. Irgendetwas, Witterungseinflüsse oder
natürlicher Verfall war daran schuld. Der alte Mann stand da. Ihre
Augen trafen sich.... Tina war wie erstarrt.
Dann sagte er mit brüchiger Stimme: "Da bist du ja wieder,
Kind ..." ... seine Stimme brach. Tina hatte nicht geantwortet.
Der alte Mann war ein Gräuel ihrer Kindheit. Sie hatte gedacht,
dass sie ihn hassen würde ....
Kapitel 12
Tramp sprang auf. Und verschwand ... von Tina unbemerkt. Tramp
kannte seine geheimen Wege. Er schlich auf das altbekannte
Grundstück. Flix gab es hier nicht mehr. Aber ein Neuer war hier
eingezogen. Tramp konnte das riechen. Die Markierungen an allen
Ecken und Büschen sprachen von einem sehr jungen Artgenossen.
Unerfahren.
Tramp war entschlossen, seine älteren Revierrechte zu verteidigen.
Im nächsten Moment sah er sich dem neuen Rivalen gegenüber. Rot
und puschelig für Menschenaugen ... für Tramps Augen .....ALARM
...!!! Bernstein sah Tramp an ... Tramp fixierte Bernstein.... Auf
einmal setzte Tramp sich .... er entspannte .... Bernstein verharrte
kurz und stürzte dann mit wilden Sprüngen auf Tramp zu, um ihn
nach Katzenart zu umarmen. Tramp war verwirrt ..... aber dann ging
er auf das Spiel ein ... erwachsen war er zwar, unter Schmerzen,
geworden, aber die Spiele der Kindheit waren ihm noch immer
gegenwärtig.
Dass Bernstein und Tramp Freunde sein würden, stand fest ....
forever.
Kapitel 13
Der alte Mann sah mit Argwohn dem Spiel der beiden Katzen vom
Wohnzimmerfenster aus zu. "Bernstein ist etwas Besonderes ....
aber dieser schwarze Kater ... mit dem weißen Brustfleck. Das ist
einer wie alle ......" dachte er einen Moment zornig .... doch
er konnte nicht umhin, zu sehen, wie wunderbar beide miteinander
spielten. Und er zog seinen Lieblingssessel vor das Terrassenfenster
und sah nur zu, ohne zu stören ... und hing seinen Erinnerungen
nach ...
Und er dachte auch an Tina. Er hatte Tina immer gern gehabt. Hatte
er doch das Familienleben der nächsten Nachbarn sommerlich immer
zwangsweise mitbekommen. Selber allein .... verlassen ... einsam
....
Kapitel 14
Tina war inzwischen verliebt. Dadurch, dass sie wirklich wieder ganz
gesund war, hatten die natürlichen Körperfunktionen wieder die
Oberhand gewonnen. Ihr Freund war ein ganz besonders lieber Junge.
Mit Idealen. Tina konnte mit ihm über alles reden. Die kurze
Begegnung mit dem alten Mann beschäftigte Tina. Irgendetwas war
unvollständig geblieben. Unausgesprochen.
Kapitel 15
Der alte Mann fing an, auf Bernstein zu warten. Er legte sich nicht
schlafen, bevor er sicher war, dass es Bernstein gut ging. Bernstein
war zwischenzeitlich zu seinem Lebensinhalt geworden .....
.............
Hi Katharina, du Sklaventreiberin .... ;)
Ich bin halt nicht so gut wie du ... :- ) ... aber habe jetzt das
Teil mal
weitergeschrieben.
Ach ja ... ... gelöscht, das was da vorher stand ...;)
Emsie
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