subject:
Vorstellung
author: Tanja Marschall
date: Freitag, 4. Februar 2000 17:31
forum: news:de.rec.tiere.katzen
Hallo, liebe NG´ler.
Ich bin neu hier und möchte mich erstmal vorstellen. Ich heiße
Tanja, bin 26 und habe 4 Katzen:
'Samantha-Josephine':
BKH/EKH-Mix, schwarz mit weißem Latz, 12 Jahre,
'Barnabas': Perser/EKH-Mix, rot mit weißem Latz/Pfoten, ca. 11
Jahre,
'Paul': EKH, s/w, 9 Jahre und mein Nesthäkchen
'Duchesse': MC/BKH-Mix, 2 Jahre.
All diese Katzen habe ich aus 2. Hand (Notfälle) zu mir
genommen. Sie leben zusammen mit mir und meinen beiden Dobermännern
in meiner großen Wohnung (ohne Freilauf). Die Tiere haben ein
eigenes Zimmer, in dem ich sie füttere und wo sie sich mal zurückziehen
können, aber meistens wuseln sie mir um die Füße herum und
stellen irgendeinen Blödsinn an ;-).
Am Montag ist mein OKH-Katerchen Pjotter im Alter von 14 Jahren
und 7 Monaten gestorben. Er ist in seinem Körbchen einfach für
immer eingeschlafen. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet,
denn sein bester Freund, der Kater 'Kater', den ich vor genau einem
Jahr einschläfern lassen mußte, ist immerhin fast 22 Jahre alt
geworden.
Ich hoffe, daß die beiden jetzt im Katzenhimmel zusammen sind
und wieder so miteinander kuscheln, wie sie es immer getan haben.
Liebe Grüße
Tanja + Kleintierzoo


subject: Badekater
author: Tanja Marschall
date: Dienstag, 8. Februar 2000 20:19
forum: news:de.rec.tiere.katzen
Hallo, Katzenfans.
Meine 'Katerstrophe' Paul hat mich doch glatt wieder mal in
Erstaunen versetzt. (Nicht zu fassen, er schafft das immer noch.)
Ich stehe nichtsahnend unter der Dusche (Wanne mit Vorhang), Wasser
gerade abgedreht.
In der Wanne gut 20 cm warmes, schaumiges Wasser (Stöpsel drin).
Paul springt auf den Wannenrand und motzt mich an. Wahrscheinlich,
weil das Wasser abgedreht ist, er liebt fließendes Wasser,
allerdings bisher nur an der Spüle.
Plötzlich ein Satz, ein Platsch, und Paul steht neben mir in der
Brühe. Kopf und Schwanz ragen noch aus dem Wasser. Ich denke:
Gleich geht das Gekreische, Gefauche und die wilde Flucht los. Und
was passiert? Nichts! Paul hebt die eine Socke aus dem Wasser,
sieht, wie sie tropft, probiert kurz, schüttelt die Pfote mit
angewidertem Gesichtsausdruck und stellt sie seelenruhig wieder ins
Wasser. Steht da völlig entspannt und zufrieden in der warmen Brühe
rum.
Ich ziehe gaaanz vorsichtig den Stöpsel raus, und greife unauffällig
ein Handtuch, aber zu spät. Kaum ist das Wasser abgeflossen und ich
bin mit dem Handtuch in Kater-Nähe, macht er einen Satz an mir
vorbei und rast in seinem Zustand quer durch die Wohnung.
Das Abtrocknen entfiel dann kurzfristig, ich hätte ihn eh´
nicht gekriegt. Statt dessen war Aufwischen und Wohnung trockenlegen
angesagt. Paul ist übrigens der einzigste, der zu mir ins Bad
kommt, Barny läuft den ganzen Tag auf 3 Beinen, wenn ihm nur eine
Tropfen Wasser auf die Pfote spritzt.
Hat jemand von Euch auch so eine(n) Wassermiez?
Nasse Grüße von
Tanja + Kleintierzoo


subject:
Rechnungen/Anwälte + Paul, Antwort
author: Tanja Marschall
date: Freitag, 11. Februar 2000 18:40
forum: news:de.rec.tiere.katzen
Hallo Katzen- und Paul-Fans.
Paul ist wirklich als Serientäter einzustufen, und das meine ich wörtlich.
Einer meiner Nachbarn hat sogar einmal die Polizei gerufen, weil er
an einen richtigen Einbruch glaubte, die sind gleich mit
Spurensicherung usw. angerückt. Haben aber nur Pauls Pfotenabdrücke
gefunden. DAS war übel. Er begnügte sich allerdings auch nicht
damit, die Menschen, die ihn ertappt hatten anzugreifen. Wenn Tiere
(egal ob Hund, Katze oder sonstwas) im Haus waren, wurden die sämtlich
übelst zugerichtet. Paul hat mal einen Bobtailmix im eigenen Haus
dermaßen zugerichtet, daß seine Besitzer mit dem armen Kerl zum
Tierarzt mußten. Dieser Hund hatte für den Rest seines Lebens
Panik vor Katzen.
Hunde waren (und sind) sowieso seine Leidenschaft. Er war mal mit
mir und meinem alten Dobi spazieren. Das hat er früher (als er
Freigänger war) oft gemacht, manchmal über Strecken von 5 und mehr
Kilometern. Immer vorm Hund, hinterm Hund, unterm Hund durch, sah
echt spaßig aus. Ich ging mit Hund über die dafür vorgesehene Brücke,
Paul mußte natürlich quer über die A 1. Mir blieb fast das
Herz stehen. Paul saß auf dem Standstreifen, schaute nach links,
wartete eine Lücke ab und schoß bis zum Mittelstreifen. Dort
setzte er sich wieder hin, wartete eine Lücke ab, wetzte über die
Fahrbahn, die Böschung rauf und kam mir siegessicher entgegen. Ich
war völlig fertig mit den Nerven, aber er schien das schon öfter
gemacht zu haben.
Auf dem Rückweg, es war schon dämmerig, kam uns eine Frau mit
freilaufendem Altdeutschem Schäferhund entgegen. Schmale Straße
mit wenigen Laternen und ein Stichweg (Sackgasse) ins Dunkle. Paul
sieht den Hund, stellt sich genau in den Lichtkegel einer Laterne
und miaut. Der Schäfer schießt hinter Paul her, der fullspeed in
die Sackgasse rast. Das Schäfer-Frauchen ruft und ist völlig
verzweifelt: "Hoffentlich erwischt er die arme Katze
nicht". Ich (im stillen grinsend) hoffte das Gegenteil. Leider
vergeblich. Aus dem Dunkel tönten Schreie, Mauzen, Fauchen und Kläffen,
dann kamen sie. Der Schäferhund rannte mit blutiger Nase um sein
Leben, Paul hintendran: Zwei Sprünge, ein Schlag auf den
Hunde-A.... Ein Bild für die Götter. Paul hat nun wirklich
lebenslang Wohnungsarrest wegen seiner Einbrüche und seiner vielen
anderen Unarten. Es passt ihm nicht, mir auch nicht, aber wir werden
damit leben müssen. Er ist der Umwelt wirklich nicht zuzumuten.
Ansonsten ist er wirklich ein Prachtbursche. Ich komme jedenfalls
gut mit ihm aus, er betrachtet mich wohl wirklich als seine Mutter.
Ich habe ihn ja auch mit der Pulle großgezogen, seine verwilderte
Mutter war überfahren worden. So, ist schon länger geworden, als
vorgesehen, aber einen Paul + Hund-Streich muß ich noch dranhängen.
Wieder ein Spaziergang mit Hund und Paul, Paul war ein paar Meter
hinter mir. Uns entgegen kommt eine Frau mit Fahrrad und
freilaufendem Husky. Ich rufe die Frau an: "Jagt ihr Hund
Katzen?" Sie, etwas verwirrt (sie konnte Paul noch nicht sehen,
aber ich hörte sein Glöckchen hinter mir) "Ich weiß nicht,
warum?" Ich: "Mein Kater kommt gleich hier um´s
Eck." Daraufhin warf sie einen Ball weit in die Wiese, der
Husky hinterher. Zum Anleinen war es schon zu spät gewesen, denn
Paul hatte uns schon fast erreicht. Leider hatte der Husky Paul
entdeckt und raste nun quer über die Wiese auf Paul zu. Paul saß
auf dem Weg und harrte der Dinge, die da kommen. Er hielt es nicht
einmal für nötig, zu fauchen, oder Buckel zu machen. Darüber
verwirrt, legte der Husky eine Punktlandung hin, er kam direkt vor
Paul zum Stehen und starrte ihn in Lauerstellung an. Gaaaanz langsam
hob Paul daraufhin die linke Vorderpfote, aus seinen Augen sprühte
die Botschaft: "Noch ein Schritt, und Du bist tot!". In
dieser Stellung verharrten die beiden ca. 2 Minuten. Plötzlich
drehte der Husky ab, rannte wieder auf die Wiese, zurück zu seinem
Ball, legte sich dort hin und kaute ganz verlegen auf dem Ball rum,
während Paul mich und meinen Hund mit Köpfchen begrüßte um mit
uns zusammen weiterzugehen. Das Husky-Frauchen war völlig baff,
sowas hatte sie auch noch nicht erlebt.
Das ist Paul, wie er leibt und lebt.
Viel Freude mit Euren - hoffentlich unkomplizierteren Krallenträgern
Tanja + Kleintierzoo


subject: Paul und die
Telekom (lang)
author: Tanja Marschall
date: Donnerstag, 17. Februar 2000 19:46
forum: news:de.rec.tiere.katzen
Hallo Katzenfans.
Letztens hatte ich netten Besuch von einem Telekom-Monteur, weil
mein Telefon mal wieder gestreikt hat. War echt nett: Er klingelt,
ich mache die Haustür auf. Die Hunde bellen, die Katzen miauen
hinter der Wohnungstür und nach einem Blick auf das Türschild
(Hier wachen
wir - mit Dobermann-Aufkleber) bittet mich der erblasste Mann, die
lieben Hundis doch besser wegzusperren. Na klar. Ich schnappe mir
die Beiden am Halsband und verfrachte sie ins Wohnzimmer. Dabei geht
von denen noch die geringste Gefahr aus!
Darauf er (inzwischen reingekommen): 'Oooch, wie süüüüß. Ich
habe auch zwei Katzen zu Hause.' Alle meine Miezen scharwenzeln um
den Fremden herum und wollen schnuppern.
Ich zu ihm: 'Den schwarz-weißen bitte nicht anfassen, der ist
hinterhältig. Ich sperr ihn besser ein'. Er: 'Ach was, nicht
einsperren. Ich mag Katzen, das merken die.' Und streckt die Hand
aus.
Nun ist Paul ja wirklich einer von der ganz fiesen Sorte. Er
hatte den guten Mann schon beschnüffelt, und als jetzt die Hand
kam, machte er brav einen Fragezeichenschwanz und gab gaaaaaanz lieb
'Köpfchen'. Dazu muß ich allerdings sagen, das macht er immer so.
Nur ein zweites Mal anfassen darf man ihn nicht, da hat er
entschieden was dagegen.
Leider wußte das der Telekom-Mann nicht. Er kniete inzwischen
vor der Anschlußdose und fummelte dadran rum, als Paul ihm wieder
vor die Finger kam. Ich kam gerade aus der Küche zurück und konnte
nur noch rufen: 'Nicht anfasssssss.....'.
Schon passiert. Paul hatte sich in seiner rechten Hand zwischen
Daumen und Zeigefinger festgebissen , umklammerte mit den
Vorderpfoten das Handgelenk und bearbeitete mit den Hinterpfoten den
Unterarm. Gut, daß ich überall Fliesen und Laminat habe, so hat
mir das ganze Blut wenigstens nicht den Teppich versaut.
Nachdem ich Paul fast schon operativ von des armen Mannes Arm
entfernt hatte, habe ich so ziemlich einen halben Meter Pflaster
gebraucht, um den armen Kerl wieder zusammenzuflicken.
Er hat die Schmerzen aber tapfer ertragen und die Zähne
zusammengebissen. Ich hatte ihn ja gewarnt, aber wer nicht hören
will..... nicht wahr? Übrigens, mein Telefon ist wieder gängig.
Ich bin mal gespannt, ob meine Paul-Haftpflicht-Versicherung
wieder in Aktion treten muß, bis jetzt habe ich noch nichts weiter
gehört. Und ich könnte schwören, daß Paul, nachdem der Kerl weg
war, den ganzen Abend gegrinst hat. Es sei ihm gegönnt, dem armen
eingekerkerten. Ich bin ja schon froh, wenn er seinen Frust nicht an
mir abläßt, aber gewöhnlich begnügt er sich damit, bei Frust-Anfällen
meinen armen Trux (42-kg-Dobermann) zu verprügeln und quer durch
die Wohnung zu scheuchen.
So, falls Paul neue Untaten begeht, teile ich Euch das natürlich
gerne mit.
Viele Grüße
Tanja + Kleintierzoo


subject: Paul´s Story,
Teil 1 (vorsicht, lang!)
author: Tanja Marschall
date: Montag, 21. Februar 2000 21:58
forum: news:de.rec.tiere.katzen
Alles begann mit dem verhängnisvollen Anruf meiner besten
Freundin im April 1991: "Hier ist gerade eine Katze überfahren
worden, und ein paar Arbeiter behaupten, die hatte hier irgendwo
Junge."
Hier irgendwo bedeutete ein Industriegebiet in Unna, dort liefen
viele verwilderte Katzen herum. Ich fuhr sofort hin. Die tote Katze
war von irgendwem weggeschafft worden und wir machten uns auf die
Suche. Nach ca. 2 Stunden wurden wir fündig, unter einem
Europaletten-Stapel miaute es ganz dünn und fiepsig. Nachdem wir
den dortigen Arbeitern das Aussehen der Mutterkatze beschrieben
hatten, war klar: Es sind ihre Babys.
Als wir die Paletten vorsichtig entfernten, kamen 4 etwa 3 Wochen
junge Katzenbabys zum Vorschein. Wir packten die Rasselbande in
einen Karton und brachten sie erstmal zu meiner Freundin, da bei mir
ein 9jähriger Dobermann wohnte, der mit Katzen nicht vertraut war,
während bei meiner Freundin schon 2 Katzen lebten.
Ich holte bei einem Tierarzt Katzenbabynahrung und Fläschchen
und ließ mir die Pflege erklären, während meine Freundin ein Wärmflaschen-Lager
zurecht machte.
Es waren drei Kater und ein Kätzchen. Alle schwarz-weiß, wie
die Mutter. Zwei Katerchen glichen sich völlig, sie sahen aus, wie
Felix aus der Katzenfutter-Reklame. Einziges Unterscheidungsmerkmal
war ein schwarzer Fleck auf der linken Vorderpfote. So bekam der
eine den Namen 'Fleck', den anderen taufte ich 'Paul'. Das Kätzchen
bekam den Namen 'Paulinchen'. Der dritte Kater starb leider in der
ersten Nacht, aber die drei verbliebenen entwickelten sich prächtig.
Meine Freundin und ich wechselten uns mit der Pflege der Babys ab.
6 Wochen später suchten wir dann neue Besitzer für die Kleinen,
da die Katzen meiner Freundin inzwischen extrem eifersüchtig
reagierten und ich große Bedenken wegen Dober-Opa Charlie hatte.
Fleck und Paulinchen fanden dann auch ein schönes Zuhause, nur
Paul wollte niemand haben, also entschloß ich mich, es einmal zu
versuchen. Wider erwarten klappte das erste Zusammentreffen so gut,
Charlie ertrug die Attacken des Mini-Tigers mit Würde und Fassung,
daß ich mich entschloß, Paul zu behalten.
Er entpuppte sich als Wildfang reinster Sorte. Schon nach kurzer
Zeit waren ich und meine Einrichtungsgegenstände völlig zerkratzt.
Er ging nicht nur an Gardinen und Tapeten hoch, sondern auch über
die sprichwörtlichen 'Tische und Bänke'.
Bereits im zarten Alter von 5 Monaten begann er sein Revier
-meine Wohnung- zu markieren. Es stank furchtbar und so ließ ich
ihn mit 6 Monaten kastrieren und tätowieren. Das Markieren ließ
daraufhin nach, nicht aber die Wildheit. Er war mit einem Leben als
reiner Wohnungskater nicht ausgelastet, aber auf Grund der
Verkehrssituation konnte ich ihn nicht rauslassen. Also beschloß
ich, ihm einen Kumpel als Spielpartner zuzugesellen. Bei einer
kleinen, privaten Tierschutzorganisation wurde ich fündig, die
erste Begegnung mit Barnabas auf einer Pflegestelle war Liebe auf
den ersten Blick, allerdings nur von meiner Seite.
Barny, ein ca.1 1/2jähriger roter Persermischling, hatte schon
Besitzer gehabt und war völlig verstört. Er war ängstlich und
aggressiv, anfassen konnte ich ihn nicht, aber mir war klar: Der muß
es sein. Ich nahm ihn mit.
(Fortsetzung folgt, wenn Interesse vorhanden) Gruß, Tanja
Kleintierzoo


subject: Paul´s Story,
Teil 2 (wieder lang)
author: Tanja Marschall
date: Dienstag, 22. Februar 2000 20:41
forum: news:de.rec.tiere.katzen
Da saß ich nun, mit 2 Katertieren und Hund. Barny war direkt
nach der Ankunft unter einen Schrank geflüchtet und fauchte alles
an, was sich ihm näherte. Paul freute sich über den neuen
Spielkameraden, und verstand überhaupt nicht, warum der Neue denn
nicht mit ihm spielen und toben wollte. Es dauerte 3 Tage, bis Barny
zum ersten Mal unter dem Schrank hervorkam. Ich hatte ein Katzenklo
an den Schrank geschoben und Futter- und Wasserschüsselchen
hingestellt. Er traute sich erst hervor, nachdem Paul ihn als
'langweilig' deklariert hatte und ihn infolgedessen gar nicht mehr
beachtete.
Die beiden machten kleine aber stetige Fortschritte und kamen
sich immer näher. Etwa 3 Wochen später hatten sie sich aneinander
gewöhnt und tobten gemeinsam durch die Wohnung. Mit Charly gab es
auch keine Probleme, der ignorierte die Katzen einfach und war froh,
wenn sie ihn in Ruhe ließen. Der Wermutstropfen: Barny war zu mir
(und zu jedem anderen Menschen) immer noch wie eine Furie, anfassen
war nur mit Lederhandschuhen möglich, wenn überhaupt. Ich beschloß,
es Paul gleichzutun und Barny einfach zu ignorieren und so lebten
wir das nächste halbe Jahr nebeneinander her. Paul kam schmusen,
Barny nicht. Paul ließ sich streicheln, Barny fauchte und kratzte.
Also ließ ich ihn in Ruhe.
Eines Abends, etwa 6 Monate nach Barnys Ankunft, saß ich mit
Paul auf dem Schoß und Charly auf den Füßen vorm Fernseher. Paul
stand kurz auf, um eine lebensmüde Motte zu erlegen, auf einmal
sprang mir der rote Teufel auf den Schoß. Wir erstarrten beide zur
Salzsäule.
Nach ein paar Minuten war der Bann gebrochen. Barny fing an, zu
treteln, schnurrte lautstark und gab mir ein 'Köpfchen' unters
Kinn, daß ich beinahe K.O. ging. Von diesem Moment an war Barny wie
ausgewechselt. Als hätte man einen Schalter umgelegt, er schmuste
und kuschelte wie ein Weltmeister. Es war phantastisch.
Kurz darauf stand ein Umzug an, wir zogen in eine kleine
Dachgeschoß-Wohnung, die sofort von Hund und Mini-Tigern inspiziert
und für gut befunden wurde, denn dort hatten die Katzen einen
Spitzboden für sich allein, zu dem eine für Charlie viel zu steile
Treppe führte. Dort oben konnten die Kater herumtollen und an den
Balken die Krallen wetzen, ein wahres Katzenparadies.
Wir blieben zwei Jahre dort, doch allmählich bekam Charlie
Arthrose in den Beinen und konnte die Treppen nicht mehr laufen.
Deswegen suchten wir uns ein klitzekleines Knusperhäuschen im Grünen,
mit etwas Garten dabei und zogen wieder um.
Das neue Zuhause hatte einen großen Wintergarten, in dem sich
die Kater mit Wonne stundenlang die Sonne auf den Pelz scheinen ließen.
Dort wurden sie im Sommer auch zum ersten Mal mit der großen weiten
Welt konfrontiert, denn ich nahm sie an schönen Tagen (nur dann) am
Geschirr und einer 5-m-Flexi mit in den Garten. Die Leinen band ich
an einer Wurzel am Gartenteich fest. Die Kater fanden das
superklasse, sie konnten es jedesmal kaum erwarten, bis das Geschirr
umgelegt war. Sie wehrten sich nicht gegen Geschirr und Leine,
sondern genossen ihren doch sehr beschränkten Freiraum, fraßen
Gras, schauten den Goldfischen im Teich zu und lagen auf der
Terrasse. Mitte September 1996 fuhr ich für 14 Tage mit einigen
Freunden nach Italien. Meine Mutter hatte sich gerne bereiterklärt,
meine Tiere für diese Zeit bei sich aufzunehmen. (Sie ist ganz
vernarrt in meine 'Viecher') Sie nahm sich extra Urlaub, um ganz für
die Tiere da zu sein und deckte sich mit Katzen- und Hundeleckerlis
ein, die für ein ganzes Jahr gereicht hätten. Schließlich sollten
meine Babys ja auch Urlaub haben. Allerdings hatte ich meine Tiere
noch niemals länger als 2 Tage allein gelassen, also ging Paul
infolgedessen am 3. Tag meiner Abwesenheit auf die Suche nach
Frauchen. In nur 2 Stunden, in denen meine Mutter eine Versammlung
besuchte, gelang ihm die Flucht. Das Küchenfenster war auf Kipp
gestellt, allerdings hatte meine Mutter die Jalousie
heruntergelassen, so daß diese auf der Außenfensterbank auflag. Es
waren nur die Schlitze offen.
Paul war es aber gelungen, mit Hilfe der Gardinenstange, die er
bei dieser Aktion herunterriß, auf den oberen Rand des Kippfensters
zu gelangen. Dann hat er sich zwischen Fenster und Jalousie fallen
lassen und hat dann - keiner weiß, wie er das geschafft hat - die
Jalousie an einer Seite hochgeschoben, so daß sie sich in der Führung
verkeilte. Durch diesen Spalt ist er entfleucht.
Es sollte eine lange Reise werden, viel länger als dieser 2.
Teil der Story, also: Fortsetzung folgt
Gruß, Tanja + Kleintierzoo (Paul ist ganz begeistert, daß so
viele Dosis seine Lebensgeschichte lesen wollen. Barny schließt
sich dem auch an.)


subject: Paul´s Story,
Teil 3 (immer noch lang)
author: Tanja Marschall
date: Mittwoch, 23. Februar 2000 21:42
forum: news:de.rec.tiere.katzen
Paul war nun also weg. Nicht mehr da. Unauffindbar. Meine Mutter
war völlig aufgelöst. Sofort brachte sie eine ganze Hilfslawine
ins Rollen, informierte Tierheime, Tierärzte, Nachbarn. Sie hing
Zettel aus und fuhr auch zu meiner Wohnung, um dort die Nachbarn zu
informieren. Stundenlang war sie in der Siedlung unterwegs, rufend
und Leckerlipackung schüttelnd, doch alles vergeblich. Kein Paul,
weit und breit. Barny war untröstlich. Er schrie den ganzen Tag und
bestand darauf, daß man ihm jede Tür und jede Schublade öffnete,
damit er dort nach Paul suchen konnte. Er fraß fast nichts mehr und
trauerte sehr.
Als ich Anfang Oktober von meiner Reise zurückkam, eröffnete
mir meine Mutter unter Tränen, was passiert war. Nun war ich völlig
am Boden zerstört und lief und fuhr tagelang durch die Gegend, auf
der Suche nach Paul, aber er war wie vom Erdboden verschluckt.
Barny hatte sich Mitte November noch immer nicht beruhigt.
Mittlerweile waren 8 Wochen verstrichen, ohne ein Lebenszeichen,
schweren Herzens fand ich mich damit ab, daß Paul wohl nicht mehr
lebte. Als reiner Wohnungskater war er vielleicht vor ein Auto
gelaufen, oder im Wald erschossen worden. Für den trauernden Barny
mußte also ein Paul-Ersatz her.
Ich entschied mich im Tierheim für eine 8 Jahre alte schwarze
BKH-Mix-Kätzin, die einen sehr verschüchterten, aber irgendwie
majestätischen Eindruck auf mich machte. Sie war eine reine
Wohnungskatze und teilte sich im Tierheim mit ca. 8 weiteren Katzen
einen winzigen Raum von 7 oder 8 qm, der mit 3 Kratzbäumen,
Katzenklos und einigen Körbchen regelrecht vollgestopft war. Ich
nahm sie an einem Samstag mit nach Hause. Schon auf der Heimfahrt
erbrach sie sich mehrfach, doch ich nahm an, daß das die Aufregung
war. Doch auch zu Hause erbrach sie häufig und hatte sehr starken
Durchfall. Sie fraß mit Heißhunger, doch alles kam postwendend
vorne und hinten wieder heraus. Sie ließ sich nicht gerne anfassen,
schon gar nicht hochnehmen und litt still vor sich hin. Schon nach
wenigen Stunden duldete sie Barnys Annäherungsversuche und so saßen
die beiden ziemlich bedröppelt auf der Couch.
Als ihre Beschwerden auch am Montag noch nicht weg waren, rief
ich beim Tierheim an und berichtete ihren Zustand. Man sagte mir,
das wäre die Aufregung, ich solle abwarten, manchmal würde das
Wochen anhalten. Als am Dienstag immer noch keine Besserung in Sicht
wäre, rief ich wieder an. Mir wurde gesagt, ich solle mich nicht so
anstellen, das würde schon wieder weggehen. Wenn nicht, sollte ich
nächste Woche mal kommen, dann wäre der Tierheimtierarzt da und würde
sie sich mal ansehen. Ich rief direkt danach meinen Tierarzt an, der
sagte mir, ich soll sofort kommen, da die Katze austrocknen könne.
Also bin ich hin. Folgendes wurde festgestellt (knappe Tage, nachdem
ich sie aus dem Tierheim geholt hatte):
Die angeblich gesunde, geimpfte und entwurmte Samantha-Josephine
war von Band- und Spulwürmern massiv befallen. Sie hatte Cockzidien
(einzellige Darmparasiten). Der hintere linke Pfotenballen bestand
fast nur aus rohem Fleisch und Eiter. Durch das Lecken an dieser
Wunde hatte sich die Entzündung auf Maul, Speiseröhre, Magen und
Darm ausgebreitet. Zudem bestand Leukose-Verdacht.
Die Pfoten-Entzündung hatte ich nicht zu erkannt, weil nur der
Ballen betroffen war, die Katze sich nicht berühren ließ und sie
die Pfote völlig normal belastete! Allerdings bewegte sie sich
extem wenig, ich sah sie so gut wie nie herumlaufen. Auch bemerkte
der Tierarzt bei einem Blick in den Impfpass, daß die Katze nicht
Tollwut-Geimpft war. Es folgte eine sehr langwierige,
kostenintensive und nervenaufreibende Behandlung. Ich informierte
sofort das Tierheim, dort besaß man allerdings die Frechheit, zu
behaupten, daß die Katze bei Abgabe gesund gewesen wäre. Gegen
Tollwut würden sämtliche Tierheimtiere natürlich nicht geimpft,
das wäre zu teuer.
(Ich habe für Sammie-Joe 90 DM bezahlt, meine Freundin hat dort
für einen 10jährigen völlig verfilzten Cocker mit Augen- und
Ohrenentzündung 350 DM bezahlt, auch ohne Tollwut-Impfe wie sich
herausstellte. Auch wurde mir ein Persermischling mit
kotverschmiertem Hinterteil für 350 DM angeboten!) Weiterhin wurde
behauptet, daß Sammie-Joe sich die Würmer und Cockzidien bei
meinem Kater (der völlig gesund war!) geholt hätte. Und
Leukose-Tests wären überhaupt viel zu teuer, das würde nie
gemacht. Außerdem hätte der Tierarzt am Dienstag vor der
Vermittlung eine entzündete Pfote sicherlich bemerkt und die
Tierpfleger hätten auch gemerkt, wenn Sammie-Joe Dünnschiß gehabt
hätte. Auf meine Frage, wie jemand die Schisse von 9 Katzen auf
Klos den einzelnen Katzen zuordnen könne, wurde nicht geantwortet.
Eine Übernahme der Tierarztkosten wurde rigoros abgelehnt. Einziges
Zugeständnis: Ich könne die Katze ja zurückbringen. Den Kaufpreis
würde ich zwar nicht wiederbekommen, aber dann hätte ich ja auch
keine Behandlungskosten mehr.
Ich hatte die Schnauze gestrichen voll und habe die Behandlung
selbst bezahlt. Nach 4 schlimmen Monaten hatte Sammie-Joe ihre
Krankheiten auskuriert (der Leukose-Verdacht bestätigte sich glücklicherweise
nicht) und sie entwickelte sich zu einer gesunden und lieben Katze,
die nichts so sehr genießt, wie eine gefüllte Futterschüssel.
Wie dem auch sei, unser Zusammenleben war wieder wie gewohnt
harmonisch, Sammie-Joe, Barny und Dobi-Opa Charlie hatten sich sehr
gut aneinander gewöhnt, als ich im September 1997 wieder einen
Anruf bekam. Ein Bekannter fragte mich, ob ich nicht eine Rassekatze
haben wolle, sie sei zwar schon älter, hätte aber Papiere und
alles. Die Besitzerin hätte keinen Bock mehr darauf und weil sie
kein Auto hat, solle er das Tier jetzt ins Tierheim bringen, und das
würde ihm so leid tun. Ich ließ mir die Telefonnummer der Frau
geben und rief dort an. "Ja, den Pjotter könnte ich haben,
aber wenn, dann müßte er auch sofort weg, mein Bekannter könne
ihn ja gleich mitnehmen. Den anderen könnte er ja dann auf dem Weg
ins Tierheim bringen." Auf meine Frage, was denn für ein
`Anderer`, sagte sie: "Ach, das ist nur ´ne gewöhnliche
Hauskatze, und schon 19 Jahre alt, der macht eh´ nicht mehr lange.
Den müsste ich mir ja nicht ans Bein binden."
Ich beauftragte meinen Bekannten, mir die beiden Katzen sofort
mitzubringen, was er dann auch versprach. Mit banger Erwartung sah
ich der Ankunft der `Neuankömmlinge` entgegen. Was würden Barny
und Sammy-Joe davon halten? Wie würden die beiden `alten
Herrschaften` auf den Hund reagieren? So ganz wohl war mir bei der
Angelegenheit nicht, aber gesagt ist gesagt, und so harrten wir der
Dinge, die da kommen sollten.
(Fortsetzung folgt...)
Ach ja, Paul und Sammie-Joe möchten doch, daß ich noch einmal
betone, daß dies ein Tatsachenbericht ist, eine Biografie
sozusagen. Ich habe zwar bestimmt einen Teil aller Ereignisse
vergessen (Dosis vergessen ja immer irgendwas, mein Napf ist auch
schon wieder leer), aber das, was ich bisher geschrieben habe und
das, was ich als Fortsetzung von 'Paul´s Story' noch schreiben
werde ist absolut wahr und so passiert. Alle meine Samtpfoten lassen
herzlich grüßen, natürlich auch Tanja + Kleintierzoo


subject: Paul´s Story,
Teil 4 (lang, lang, lang)
author: Tanja Marschall
date: Donnerstag, 24. Februar 2000 20:31
forum: news:de.rec.tiere.katzen
Der Moment war also nun gekommen, die beiden unbekannten 'Neuen'
waren endlich da. Ich hatte sicherheitshalber Hund und Katzen ins
Haus verbannt und meinen Bekannten gebeten, die Körbchen in den
Wintergarten zu stellen. Dann machten wir auf. Aus dem einen Körbchen
kam laut protestierend ein Wesen zum Vorschein, also, vom ersten
Eindruck her hätte ich nicht auf Katze getippt. Eher auf Alien 3.
Spindeldürr, feuerrot, Ohren Marke 'ein Windstoß und er hebt ab'.
Riesen-Augen, ein Bullterrier-ähnlicher Kopf, nur spitzer. Kurz
gesagt, ein Orientalisch Kurzhaar. Ich hatte einen Vertreter dieser
Rasse vorher noch nie gesehen und mußte erstmal schlucken. Pjotter
(er hieß so, wie er aussah) stellte sich direkt vor mich, sah zu
mir hoch, röhrte mir ein unendlich tiefes und lautes
"Maaaauuuuu" entgegen, dann stütze er sich mit der einen
Pfote an meiner Hose ab, und klopfte mit der anderen gegen meinen
Oberschenkel. Freie Übersetzung: "Streichel mich gefälligst!"
Innerhalb von Sekunden hatten wir beide ein Bombenverhältnis
zueinander, es hatte regelrecht 'gefunkt'. Pjotter machte sich auch
gleich neugierig daran, die neue Umgebung zu erkunden, alles
lautstark kommentiert, versteht sich. Etwa 10 Minuten später kam
auch der andere zum Vorschein. 'Kater', so sein Name, war ein Bomber
von EKH, für seine 19 Jahre bewegte er sich noch erstaunlich
geschmeidig, wenn er auch die neue Umgebung vorsichtiger unter die
Lupe nahm, als Pjotter.
Eine Stunde später wurde es dann Ernst: ich öffnete die
Verbindungstür. Kater verschwand fauchend hinter der Couch, Pjotter
latschte auf den erstbesten zu, schnuffelte und meckerte. Er hatte
absolut keine Probleme mit den anderen. Kater beruhigte sich nach
oder 3 Tagen auch, nachdem er gemerkt hatte, daß ihm niemand etwas
tut. Die beiden 'Neuen' fügten sich nahtlos ins neue 'Rudel' ein.
Ziemlich genau 4 Wochen nach dem Einzug von Kater und Pjotter
folgte ein Ereignis, mit dem ich im Traum nicht gerechnet hätte.
Eine ehemalige Nachbarin, aus dem Haus, wo ich 1991 gewohnt hatte,
rief mich an und sagte, daß an der Haustür ein Zettel gehangen hätte,
mit der Aufschrift: "Paul ist wieder da" und einer
Telefonnummer. Ich glaubte spontan an einen ganz üblen Scherz, denn
Paul war inzwischen seit 13 Monaten verschwunden. Trotzdem rief ich
dort an. Es war eine Tierarztpraxis, genauer gesagt, die
Tierarztpraxis, in der ich 1991 Paul Kastrieren und Tätowieren ließ.
Ich war mit ihm nur dieses einzige Mal dort gewesen, und wir
schrieben ja inzwischen das Jahr 1997! Paul war plötzlich dort
aufgetaucht, hatte sich vor die Praxistür gesetzt, und sich nicht
dort wegbewegt. Sie hatten ihn dann mit hereingenommen. Er war völlig
verwahrlost, verfloht, verwurmt und seine Pfoten waren bis aufs rohe
Fleisch durchgelaufen. Die Tierarzthelferin bemerkte die Tätowierung
und sie machte sich daran, sämtliche Karteikarten schwarz-weißer
Kater nach dieser Täto-Nummer durchzuforsten. So kam sie an meine
uralte Adresse, aber: Volltreffer! Wie Paul zu dieser Praxis kam,
unbekannt, die Praxis liegt mitten in der Innenstadt (100 000
Einwohner). Die Wohnung meiner Mutter ist von dort ca. 15 km
entfernt. Meine eigene Wohnung auch ca. 15 km, aber in der
entgegengesetzten Richtung. Völlig unerklärlich ist auch, warum
Paul sich ausgerechnet dieses Haus aussuchte, um gefunden zu werden.
Also, für mich ist das ein echtes Wunder.
Wie dem auch sei, ich fuhr hin, sie holten ihn in einem Metallkäfig
aus der Quarantänestation, machten den Deckel auf.... und Paul flog
mir aus 2 m Entfernung laut schnurrend in die Arme. Er hätte sich
am liebsten in mich hineingekuschelt und wollte um keinen Preis von
meinem Arm runter. Ich habe geheult, gelacht und war völlig
fassungslos, aber hyper-glücklich. Als ich mit Paul auf dem Arm vor
meinem Auto stand, hatte ich ein Problem. Paul haßte Autofahren,
und ich hatte keine Transportbox dabei. Allerdings saß Charlie in
seiner Hundebox im Heck, da war ja eigentlich genug Platz .... also,
Klappe auf, Paul rein, Klappe zu und gucken, was passiert: Charlie
lag. Paul beschnupperte Charlie, Charlie beschnupperte Paul und dann
gab Paul dem armen Hund ein 'Köpfchen', daß ich dachte, er hat ´nen
Kieferbruch. Charlie resignierte und fing an, Paul die Ohren zu
lecken. Paul war wieder zu Hause!
Auf dem Weg dorthin kamen mir allerdings ernste Bedenken. Paul
kannte Barny, aber er kannte weder Sammie-Joe, Pjotter noch Kater.
Drei fremde Katzen in seinem Revier! Wie würde er sich verhalten?
Wie würden die anderen reagieren? Würde Barny ihn wiedererkennen?
Tausend Fragen schossen mir durch den Kopf. Es gab nur eins:
Ausprobieren!
(Fortsetzung folgt. Es tut mir leid, speziell für Dich,
Katharina, aber es ist nur noch eine Fortsetzung, versprochen. Aber
sonst wird es hier und heute wirklich zu lang.)
Auf Verständnis hoffend, Gruß Tanja + Kleintierzoo


subject: Paul´s Story
(vorerst letzter Teil)
author: Tanja Marschall
date: Freitag, 25. Februar 2000 23:53
forum: news:de.rec.tiere.katzen
Als ich zu Hause ankam, klopfte mir das Herz bis zum Hals. Ich
stellte mich innerlich schon auf die wildesten Szenen ein. Ich hatte
mir Paul unter den Arm geklemmt und schloß den Wintergarten auf.
Alle Katzen strömten auf mich zu, und ich spürte, wie Paul sich
versteifte. Er sprang mir vom Arm und wetzte in die Küche, wo er
erstmal alles vorhandene Katzenfutter in sich hineinstopfte. Wir
anderen waren ins Wohnzimmer gegangen, ich setzte mich auf die Couch
und wartete ab. Nach einer Weile verschwanden alle Katzen in der Küche,
aber es herrschte Totenstille. Was dann kam, war umso erstaunlicher:
Die Katzen kamen in geschlossener Formation zurück ins Wohnzimmer,
Paul zwischen ihnen. Er sprang seelenruhig in den Sessel (sein
Lieblingsplatz) und streckte und wälzte sich dort genüßlich. Kurz
darauf kam Barny dazu und legte sich zu Paul. Pjotter sprang auf die
Sessellehne und beobachtete die beiden neugierig. Kater ging auf
seinen Stammplatz und Sammie-Joe ging zurück in die Küche, gucken
ob die Näpfe auch wirklich leer waren.
Innerhalb einer Stunde hatte Paul sich ins Rudel eingefügt (und
dessen 'Führung' übernommen). Er wurde von den anderen
respektiert, und er verhielt sich einfach so, als wäre er niemals
weggewesen. Es war unglaublich. Ein paar Tage später kam mir Pauls
lange Abwesenheit völlig unwirklich vor, wie ein Traum. Er war da,
er war immer da gewesen, alles war wie immer. Bis auf ein Problem:
Paul war von Stund an unsauber. Er pinkelte überall hin. Ich war
erstaunt, wieviel Pipi so ein kleines Tierchen produzieren kann.
Bald kam ich diesem Verhalten auf den Grund: Er wollte Freigang.
Schweren (und klopfenden) Herzens legte ich ihm ein Halsband um, das
ich mit Name und Telefonnummer beschriftet hatte, und öffnete ihm
die Tür. Er entfernte sich nie sehr weit, kam immer mal
zwischendurch gucken und kam auch sofort, wenn ich ihn rief. Er ging
mit mir und Hund gemeinsam spazieren (was den anderen Spaziergängern
immer reichlich amüsant vorkam), und kam bei Einbruch der
Dunkelheit wieder herein. Seitdem war er wieder total sauber.
Es hätte alles so schön sein können, wenn ...., ja wenn sich
Paul auf seiner Odyssee nich einige ziemlich unangenehme Fähigkeiten
und Gewohnheiten angeeignet hätte, die er jetzt an meinen Nachbarn
perfektionierte. Paul duldete in seinem Außen-Revier absolut keine
andere Katze. Er verdrosch die armen, darunter auch unkastrierte
Kater, derartig, daß deren Besitzer reihenweise zum Tierarzt mußten
(Paul hatte noch nie einen Kratzer), weil ihr Bauch zerfetzt war und
ihnen das Blut aus Mäulchen und Nase lief. Er brach in jedes Haus
ein, wenn er allein war, öffnete er alle Türen und Schränke und
durchwühlte alles. War er nicht allein, brachte den Hausbesitzern
Manieren bei. Das ging so weit, daß meine direkten Nachbarn, wenn
Paul einmal drinnen war, zum Fernsehen die Küchenstühle benutzen
mußten, weil Paul auf der Couch residierte und dort niemanden
duldete. Bei anderen Nachbarn, einem älteren Paar, die sich gerade
an den Sonntag-Mittag-Tisch gesetzt hatten, enterte er über das Küchenkippfenster
den Eßtisch, und hockte knurrend und drohend mitten darauf, den
Sonntagsbraten unter sich.
Telefonisch informiert, mußte ich zur Hilfe eilen. Und das sind
nur einige Beispiele seiner vielen, vielen 'Schandtaten'. Anfang
Dezember 1997 zog ich ins neu erbaute Eigenheim. Paul blieb zur
Eingewöhnung erstmal Drinnen, es war ja noch alles neu und so fügte
er sich erstmal. Er blieb auch sauber. Kurz nach dem Umzug mußte
ich den lieben alten Charlie einschläfern lassen. Er hatte für
einen Dobermann das wirklich erstaunliche Alter von 15 Jahren
erreicht, leider war er schwer krank, und es ging nicht mehr. Es war
ein sehr schmerzlicher Abschied und kurz darauf merkte ich, daß es
ohne Hund nicht geht (wie es auch ohne Katzen nicht gehen würde).
Kurz vor Weihnachten (Zufall!!!) zog also Dober-Welpe Trux bei
uns ein und brachte eine gehörige Portion Aufregung unters
Katzenvolk. Er ignorierte die Katzen nicht, wie Charlie das getan
hatte, sondern wollte ständig spielen und jagen, dabei war er noch
so unbeholfen (und mit 8 Wochen schon 10 kg schwer). Er fand das
alles hochinteressant. Die vereinigte Katzenschaft braucht ungefähr
2 Monate, um sich diesen Rüpel zu erziehen. Die Erziehungsmethoden
(ich habe mich dabei nie eingemischt, sondern immer nur den Hund zur
Ordnung gerufen) reichten von Fauchen über Kralleneinsatz bis hin
zu spontanen Schmuse-Attacken. Trux hatte schließlich eingesehen,
daß er diesen krallenbewehrten Pelzkugeln hilflos ausgeliefert war.
Heutzutage marschieren die Katzen schon mal zum schlafenden Hund
und wuseln sich zwischen die dicken Pfoten, um das Riesenbaby als Körperwärmespender
zu benutzen. Oder sie hangeln sich am Hunde-Futterständer hoch und
rammen mit dem Kopf die Hundeschnauze beiseite, um sich ihren Anteil
zu holen. Andererseits schnappt sich der Rüde auch schon mal einen
wehrlosen Barny, klemmt ihn sich zwischen die Vorderpfoten und
schleckt ihm genüßlich über den Kopf., was vom Kater mit einem
wirklich angeekelten Gesichtsausdruck kommentiert wird.
Aber zurück zur Story: Da jetzt wieder mehr Action in der Bude
war, und draußen das Frühlingswetter lockte, beschloß Paul mit
Hilfe seiner altbekannten Piesel-Methode wieder Freigang zu
erzwingen. Nach einigen Bedenken meinerseits, schließlich ist die 1
hier direkt nebenan und das ganze Gebiet war noch eine riesige
Baustelle, gab ich nach. Halsband um, und raus.
Seine erste Amtshandlung war das Abstecken seines neuen Reviers
und die Säuberung von Fremdkatzen., die für diese wieder mit
Blutverlust einherging. Er hatte sich schnell eingewöhnt und genoß
die exzellente Futterversorgung (er klaute den Bauarbeitern die
Lunchpakete).
Auch baute er seine gezielten Terroraktionen gegen die
Nachbarschaft auf. Daß er dabei zwischendurch mal völlig durchnäßt
(wenn ihn der Inhalt eines 10-l-Eimers mal erwischt hatte) heimkam,
machte ihm nichts aus. Er terrorisierte alle Menschen (und Hunde)
der Umgebung mit einer unnachahmlichen Hingabe. (Einzelheiten habe
ich ja an anderer Stelle schon geschrieben)
Leider litten die nachbarschaftlichen Beziehungen (trotz
Haftpflichtversicherung gegen Paul-Schäden) derartig, daß ich
gezwungen wurde, einen Kompromiß einzugehen. Paul abgeben kam gar
nicht in Frage, also bekam er Hausarrest. Es war für uns alle nicht
schön, aber nach ca. 6 Monaten hatte er dann eingesehen, daß seine
Pinkelei nichts mehr bewirkt. Seitdem ist er wieder so ziemlich
stubenrein.
Im Januar 1999 mußte ich das liebe Katerchen wegen eines plötzlich
auftretenden Kiefer-Abszesses im Alter von fast 22 Jahren einschläfern
lassen. Pjotter schloß sich daraufhin sehr an Barny an, die beiden
waren fast nur noch im Doppelpack zu sehen. Sie kuschelten derartig
miteinander, daß man ganz genau hingucken mußte, ob da jetzt ein
oder zwei Kater im Korb liegen (sie hatten ja auch noch die gleiche
Farbe).
Mitte Juni 1999, Ihr ahnt es schon, bekam ich mal wieder einen
dieser Anrufe, wieder von meiner Freundin. Eine ihrer
Arbeitskolleginnen hatte sich vor Jahresfrist ein supersüßes,
schneeweißes MaineCoon-BKH-Kätzchen angeschafft. Allerdings hatte
sie damals nicht damit gerechnet, daß die langen, weißen Haare
ihre teuren Marken-Pullis verunzieren und auf den Polstermöbeln hängenbleiben.
Auch Kratzspuren in der teuren Sitzgruppe waren schon sichtbar.
Also: Das Vieh muß weg, möglichst gestern! Meine Freundin hätte
sie gerne selbst genommen, aber sie war mit Katzen, Hund und 2
Kleinkindern auch schon ausgelastet, im Gegensatz zu mir hat sie
auch nur eine kleine Wohnung. Also wohin? Na klar, ich hol sie ab.
Duchesse ist jetzt die jüngste im Bunde, ein entzückendes Mädchen,
lieb, schmusig und wunderschön. Sie hat die erste Woche unter einem
Schrank verbracht, aber inzwischen ist sie so selbstbewußt, daß
die arme Sammie-Joe ab und zu mal was auf den Hintern bekommt, wenn
sie ihren Stammplatz vor den Näpfen nicht räumen will. (Natürlich
nicht böse, eher spielerisch) Auch als letzten September die kleine
Dobi-Hündin Yembi einzog, gab es keine Probleme, die Katzen hatten
ja jetzt schon Hunde-Erziehungs-Erfahrung. Zwischendurch hatte ich
auch teilweise über längere Zeit Pflegehunde bei mir, die aber
alle wunderbar mit den Katzen klarkamen.
Letzten Monat starb der kleine, wundervolle Pjotter im Alter von
14 Jahren und 7 Monaten an Altersschwäche. Jetzt besteht mein
kleines Rudel noch aus 4 Samtpfoten und 2 Wuffels, aber wer weiß.
Vielleicht ruft mich ja gleich noch jemand an? Warten wir´s ab.
So, das wars. Paul´s Lebensgeschichte ist jetzt also veröffentlicht.
Wenn mir noch weitere Details oder besonders schöne Streiche wieder
einfallen (ich habe manchmal ein Gedächtnis wie ein Schweizer Käse
;-)), dann schreibe ich sie mir auf und setze sie später mal in die
NG.
Viele liebe Grüße an Alle Tanja + Kleintierzoo
(der sich ehemals auch aus bisher unerwähnten Kleindarstellern
zusammensetzte, die leider alle schon verstorben sind (aber daran
waren die Katzen unschuldig!!!): die Dsungarischen Zwerghamster
Knabber, Krümel und Kralle, die Goldhamster Tom, Jerry, Becky,
Rosaschnauz, Clochard und Blauauge, die Ratten Freddy und Nico, die
Frettchen Wotan und Freddy, das Zwergkaninchen Moppel, ein
Birkenzeisig, ein Zebrafink, und die Wellensittiche Picki und Pucki) |