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Offener Brief Offener Brief von Nina

 

subject: offener Brief von Nina...
author: Vera Duerkop Vera.Duerkop@gmx.net
date: Montag, 16. November 1998 13:02
forum: news:de.rec.tiere.katzen

.... an einen unbekannten Katzenfreund gemailt (was ich hier alles auf meiner Festplatte finde....)

Lieber Fussel, lieber Helmut
(ich hoffe, Du entschuldigst die Reihenfolge, aber als Katze muß ich natürlich meinen Artgenossen an erster Stelle nennen....)

Vielen Dank für die Grüße, natürlich gibt es bei uns kein Whiskas, sondern nur Kitekat. Aber ich habe von Katzenkumpels gehört, die nur Aldifutter bekommen, insofern glaube ich mal, daß es uns noch verhältnismäßig gutgeht - nicht nur, was das Fressen angeht. Mein Kumpel Charly läßt auch zurückgrüssen, er kann nicht schreiben - in mancher Beziehung ist er halt nicht der Allerhellste. (Zum Glück kann er auch nicht lesen, sonst würde er mir jetzt bestimmt schon wieder mit seinen Krallen eins überbraten .....) Unser Mensch weiß allerdings nicht, daß ich schreiben und lesen kann, sie wundert sich nur ab und zu über die Höhe der Telefonrechnung. Aber was soll man als arme Hauskatze auch den ganzen Tag machen, wenn katz so schnöde alleingelassen wird? Immer nur schlafen ist ziemlich langweilig auf die Dauer, alle Katzenbücher habe ich schon zig Mal gelesen, die Asterixhefte auch. Da war es schon ein enormer Fortschritt, als unser Mensch sich damals den PC samt Modem zugelegt hat. Seitdem kann ich an meinen Memoiren schreiben, spielen und im Internet surfen. Aber nichts verraten!
Obwohl - im großen und ganzen ist unser Mensch ganz in Ordnung, Schläge würde ich deshalb bestimmt nicht bekommen. Sogar mein Kumpel Charly, der sich teilweise ziemlich blöd anstellt (sagte ich schon, daß er nicht der Allerhellste ist?), bekommt zwar manchmal wüste Drohungen an den Kopf geschmissen ("ich steck dich in die Mikrowelle" ist noch eine von den harmloseren...), aber letztendlich kommt er immer mit heilem Pelz davon, egal was er anstellt. Vor einiger Zeit hat er doch tatsächlich mal in den Fernseher gekotzt! Der hatte oben Lüftungsschlitze, durch die die Sauerei so richtig schön ins Gerät reinlaufen konnte. Natürlich ist das dem Fernseher nicht so gut bekommen. Nicht, daß ich der Meinung bin, daß das ein Verlust wäre - bei den heutigen Fernsehprogrammen kann katz sich ja eigentlich nur noch "Die Sendung mit der Maus" ansehen, alles andere verschläft unsereiner sowieso .....
Richtig munter werden wir bei sowieso nur dann, wenn unser Mensch nach Hause kommt somit die Hoffnung besteht, daß er sich um unsere wichtigsten Bedürfnisse kümmert. Leider muß katz da manchmal etwas nachhelfen. Dazu immerhin ist Charly ganz gut zu gebrauchen, er stellt sich unserem Mensch in den Weg, woraus sich dann mitunter dieser oder ähnlicher Dialog entwickelt:

C(harly): MÄÄÄÄÄÄÄÄH ! (Übersetzung: Hey Alte, rück mal eine Portion Katzenmapf raus, aber dalli!)
V(era): Na du Stinker, mußt du mich immer so von links anplärren?
C: Määääääääääääääää!!! (Ü: wenn es jetzt nicht ganz bald was zu fressen gibt, werde ich ungemütlich)
V: Du erzählst ja wieder Geschichten heute, und das soll ich dir alles glauben?
C: MÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH !!!!! (Ü: ab in die Küche mit dir, oder soll ich dir meine Killerkralle zeigen?)
V: ich kann mir ja denken, daß du Hunger hast, aber ein paar Minuten wirst du dich wohl noch gedulden können
C: MÄÄÄÄÄÄÄÄH (Ü: der Service hier läßt in letzter Zeit wirklich zu wünschen übrig, wenn das so weitergeht, muß ich wohl mal den Katzenschutzbund verständigen)
V: kannst du nicht mal 10 minuten die Klappe halten?
C: MÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH !!!! (Schnauze, Baby, jetzt red ich!)
V: wenn du nicht manchmal so lieb wärst, hätte ich dich schon längst ausgesetzt
C: MÄÄÄÄÄÄÄÄH (gibst jetzt endlich was zu fressen? sonst hauch ich dich an)
V: na gut, damit endlich Ruhe ist, mache ich jetzt erstmal eine Büchse auf
C: määäääääääääh (aber zack-zack ! und wehe es ist die falsche Sorte! )
V: mußt du eigentlich immer das letzte Wort haben?
C: määääääääähh (und was ist mit Trockenfutter?)
V: seufz ..........

Womit wieder mal eindeutig bewiesen ist, daß katz/mensch gnadenlos aneinandervorbeireden, aber sich trotzdem verstehen kann .....

So, jetzt habe ich so viel vom Fressen geredet, jetzt muß ich doch mal kurz an unserem Napf vorbeischauen, ob noch ein Restchen übriggeblieben ist.

Mit samtpfötigen Grüßen,

Nina

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